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    Juniorenfußball

    Wie geht es weiter mit der JFG Kreis Würzburg Süd-West?

    Hannes Glas (rechts) von der JFG Kreis Würzburg Süd-West setzt sich gegen Marius Kühhorn vom FC Eintracht Bamberg durch. Am Ende unterliegt sein Team dennoch mit 0:1. Foto: Heiko Becker

    Die JFG Kreis Würzburg Süd-West existiert bereits seit 15 Jahren, und sie ist zuletzt sportlich in neue Dimensionen vorgestoßen. Die U-19-Junioren haben es heuer als erstes JFG-Team überhaupt in die Landesliga geschafft. U 17 und U 15 spielen in der unterfränkischen BOL. Doch das Nachwuchs-Konstrukt, das derzeit noch aus sechs Vereinen besteht, beginnt zu bröckeln. Die TG Höchberg – unter den beteiligten Klubs als Landesligist mit Abstand der klassenhöchste – und die TSG Waldbüttelbrunn haben gemeinsame Sache gemacht; sie wollen schleichend austreten. So haben sie bereits eigene U-13-Mannschaften an den Start gebracht. Weitere sollen folgen.

    Am Ende werden wohl in der 2004 gegründeten JFG über kurz oder lang nur noch die Fußballvereine aus Eisingen, Kist, Waldbrunn und Hettstadt verbleiben. Roswitha Dorscheid gehört zu den Gründungsmitgliedern, war bis vor kurzem im JFG-Vorstand und ist seit langem engagierte Jugendleiterin des TSV Eisingen. "Ich finde es schade, dass die beiden Vereine rausgehen. Denn wir haben dann natürlich auch weniger Kinder und Mannschaften." Andererseits weist Dorscheid daraufhin, dass man zu Beginn auch nur zu viert gewesen sei.

    "In meinen Augen ist das der falsche Schritt, um dem Trend von immer weniger aktiven Nachwuchsfußballern entgegenzutreten", sagt der langjährige JFG-Vorstand Norbert Mantel zu den Austrittsambitionen von Höchberg und Waldbüttelbrunn. Foto: Heiko Becker

    Hettstadt und Waldbüttelbrunn haben sich erst vor etwas mehr als zwei Jahren dazugesellt. Der langjährige JFG-Vorstand Norbert Mantel sieht den Austritt dennoch kritisch: "In meinen Augen ist das der falsche Schritt, um dem Trend von immer weniger aktiven Nachwuchsfußballern entgegenzutreten." Er könne sich auch nicht vorstellen, dass Höchberg und Waldbüttelbrunn auf Dauer alle Altersstufen von der U 13 bis hinauf zur U 19 besetzen. Pikanterweise wohnt Mantel selbst in Höchberg. Als der Vater zweier, damals fußballerisch aktiver Söhne 2004 eine der ersten Jugendfördergemeinschaften im Umkreis mit aus der Taufe hob, war der Mangel an jungen Spielern in der Marktgemeinde einer der Gründe.

    Die JFG war insofern eine Erfolgsgeschichte, weil fortan jede Altersklasse fast immer doppelt besetzt werden konnte – und sich auch sportliche Höhenflüge alsbald einstellten. "Wir haben uns schnell zur dritten Kraft im Umkreis hinter dem Würzburger FV und den Kickers entwickelt", unterstreicht Mantel. Dass schon immer einige ihr Heil bei den beiden großen Stadtvereinen gesucht haben, ficht der 63-jährige Gymnasiallehrer nicht an. "Wer eine Chance hat, ganz nach oben zu kommen, soll es versuchen. Es sind aber auch viele Spieler wieder zu uns zurückgekommen und darüber hinaus weitere, was mich natürlich freut." Bei den aktuellen U-19-Kickers würden außerdem immerhin zwei ehemalige JFG-ler spielen, beim WFV deren drei.

    Die Wut ist verraucht

    Vor rund zwei Jahren habe er einen Brief von den Vorständen aus Höchberg und Waldbüttelbrunn erhalten, in der diese ihm den schleichenden Austritt ankündigten. "Damals habe ich mich darüber geärgert. Doch die Wut ist mittlerweile verraucht", bekräftigt Mantel. Die unterschiedlichen Sichtweisen sind indes geblieben.

    So erklärt der TGH-Vorstandvorsitzende Konrad Harant im vereinseigenen Jahressonderheft, dass er die Meinung des JFG-Leiters nicht teile. "Sicherlich wird es immer schwieriger, Jugendliche an den Verein zu binden. Es ist aber auch nicht damit getan, die Jugendlichen in die JFG zu geben und dann keinen Zugriff mehr auf diese zu haben. Harant findet: "Die Jugendlichen gehen dem Heimatverein verloren, da sie sich nicht mehr mit ihm identifizieren können." Dass sein Verein auch im Jugendbereiche eng mit der TSG Waldbüttelbrunn zusammenarbeiten will liegt wohl auch an der schon bestehenden Kooperation im Aktiven-Bereich. In der A-Klasse Würzburg 4 tritt Höchbergs Reserve gemeinsam mit Waldbüttelbrunn in einer Spielgemeinschaft an.

    Wenig Spieler im Landesliga-Team

    Harants Aussage, dass sich die Jugendlichen nicht mehr mit ihren Vereinen identifizieren können, will Mantel nicht zustimmen. In anderen beteiligten Vereinen wie Eisingen würden viele ehemalige JFG-ler spielen. Dass nur drei Akteure im Landesliga-Team der Höchberger stehen, findet auch er wenig: "Das liegt aber am Verein und nicht an der JFG." Und zweite Mannschaften seien für viele eben nicht attraktiv. Wie dem auch sei: Mantel hat seinen Frieden mit der Situation gefunden und hofft darauf, dass seine JFG Kreis Würzburg Süd-West noch lange möglichst viele Nachwuchsteams stellen kann.

    Die Spiele der hochklassigen Juniorenteams im Stenogramm

    U-19-Junioren, Bayernliga
    FC Würzburger Kickers – SpVgg Ansbach 2:0 (0:0)
    Schiedsrichter: Christopher Hienz (SC Brünnau). Zuschauer: 100. Tore: 1:0 Simon Schalk (15.), 2:0 Adrian Winter (57.).

    U-19-Junioren, Landesliga Nord
    FSV Erlangen-Bruck – Würzburger FV 0:3 (0:1)
    Schiedsrichter: Manuel Doneff (Weingarts). Zuschauer: 50. Tore: 0:1 Philipp Glücker (42.), 0:2 Luca Gegenwarth (54.), 0:3 Philipp Glücker (69.).

    JFG Kreis Würzburg Süd-West – FC Eintracht Bamberg 0:1 (0:0)
    Schiedsrichter: Cihan Arslan (Wiesenfeld-Halsbach). Zuschauer: 60. Tor: 0:1 (72., Foulelfmeter).

    U-17-Junioren, Landesliga Nord
    Würzburger FV – SpVgg Mögeldorf 1:0 (0:0)
    Schiedsrichter: Kay Urbanczyk (TSV Unterpleichfeld). Zuschauer: 65. Tor: 1:0 Maximilian Heider (43.).

    FSV Erlangen-Bruck – FC Würzburger Kickers II 4:2 (2:1)
    Schiedsrichter: Tobias Müller (1. FC Herzogenaurach). Zuschauer: 60. Tore: 0:1 (6.), 1:1 (18.), 2:1 Tom Hofmann (29.), 3:1 (63.), 3:2 Elyesa Korkmaz (67.), 4:2 (75.).

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