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    Basketball: Bundesliga

    Wie sehr den Baskets ihr Kapitän fehlt

    Ohne den erkrankten Cameron Wells unterliegt s.Oliver Würzburg den Basketball Löwen Braunschweig deutlich. Vor allem wegen eines desaströsen Schlussabschnitts.
    Manchmal sagt ein Bild tatsächlich mehr als viele Worte: Baskets-Trainer Denis Wucherer am Samstagabend in Braunschweig. Foto: Heiko Becker

    Die Frage ist hypothetisch, klar, und deswegen wird sie auch nie wirklich ernsthaft beantwortet werden können. Aber sie drängt sich derart auf, dass es ein unverzeihlicher Frevel wäre, sie nicht zu stellen. Die Kardinalfrage nach diesem Samstagabend also lautet: Wäre das mit Cameron Wells auch passiert? Wer die Vorstellungen von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg seit Rundenbeginn Ende September vergangenen Jahres regelmäßig beobachtet hat, darf sogar wagen, eine Antwort darauf zu geben. Die Mehrheit dieser Beobachter ist sich bestimmt einig und wird sagen: Nein, vermutlich wäre das nicht passiert. Weil der Spielmacher in dieser Saison häufig genug in spielentscheidenden Phasen enger Partien Verantwortung über- und das Heft des Handelns in die Hände nahm und so fast im Alleingang Garant für zumindest einige der zehn Saisonerfolge war. Da aber eine Erkältung den Baskets-Kapitän flachgelegt hat und er die Reise nach Niedersachsen erst gar nicht antrat, setzte es für seine Mannschaft bei den Basketball Löwen Braunschweig mit 87:100 (57:49) die achte Niederlage dieser Spielzeit.

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    Einziger Mini-Trost für die Würzburger: Zumindest den direkten Vergleich gaben sie nicht auch noch ab (der vergangene Saison ja dafür gesorgt hatte, dass die Niedersachsen in die Play-offs rutschten und nicht die Unterfranken). Erst vor gut vier Wochen hatten die Baskets das Heimspiel mit einem Pünktchen Differenz mehr (97:83) gewonnen.

    "Na klar, Cam fehlt uns, wenn er in Form ist und nicht gerade so spielt wie in München zuletzt", sagte Baskets-Trainer Denis Wucherer, wollte das Fehlen des 31-jährigen Texaners aber keinesfalls als Grund oder Ausrede gelten lassen, "weil wir auch ohne ihn heute die Chance hatten, einen weiteren Schritt in die richtige Richtung zu gehen". Stimmt schon: Die Möglichkeit war da, drei Viertel lang, in denen die Baskets über die Mehrheit der Zeit führten (im zweiten Abschnitt sogar mal mit 13 Punkten, 44:31) und einen relativ soliden Auftritt aufs Parkett legten. Die abschließenden zehn Minuten freilich gerieten dann zu einem, ja, man kann nicht nur, man muss es so schreiben, ordentlich desaströsen Schlussakt. "Wenn du das letzte Viertel mit 8:27 verlierst, sind deine Chancen relativ gering, als Sieger vom Platz zu gehen", meinte Wucherer. "Da haben wir den Ball auch immer weggeworfen, wenn es besonders ungeschickt war." 16 Ballverluste erlaubten sich die Baskets insgesamt, und elf Mal ließen sie sich das Spielgerät klauen, und wenn du dann auch noch das Reboundduell 26:33 verlierst und unterm eigenen Brett dem Gegner zwölf Abpraller genehmigst, brauchst dich eben auch nicht darüber zu wundern, dass du verlierst.

    "Alles, was mit Willen zu tun hatte, da war Braunschweig heute weit vorne."
    Baskets-Trainer Denis Wucherer

    Wucherer machte einen Hauptunterschied aus, der über Sieg und Niederlage entschieden habe, neben der "mangelnden Cleverness" seiner Mannen: "Alles, was mit Willen zu tun hatte, da war Braunschweig heute weit vorne." Er hat festgestellt in den letzten Wochen, dass - aus verschiedensten, meist privaten Gründen - nicht alle seiner Spieler derzeit "mit dem Kopf voll dabei sind". Und dass einige aktuell auch Probleme damit haben, "die taktischen Vorgaben umzusetzen".

    Durch das Fehlen von Wells, Topscorer und Vorlagengeber Nummer eins bei den Baskets, lastete diesmal mehr Verantwortung auf den Schultern seiner amerikanischen Landsmänner Skyler Bowlin und Jordan Hulls, die das bis zur Pause auch ziemlich bravourös meisterten. Bowlin versenkte alle seiner fünf Dreierversuche und auch zwei Freiwürfe, Hulls leistete sich gar keinen Fehlwurf und traf auch dreimal aus der Ferne. Damit jedoch hatten die beiden ihr Pulver auch schon verschossen. In der zweiten Hälfte gelang Bowlin kein einziger Korb mehr, Hulls packte gerade einmal zwei Pünktchen drauf.

    Joshua Obiesie (am Ball) im Zweikampf mit dem Braunschweiger Garai Zeeb. Foto: Heiko Becker

    Und weil Wells sich eben zu Hause weiter auskurierte, kamen diesmal auch die beiden Point-Guard-Youngster der Baskets auf mehr Zeit auf dem Parkett: Sowohl Joshua Obiesie (fünf Punkte) als auch Nils Haßfurther (zwei), der zum dritten Mal in dieser Runde beginnen durfte, trafen. Mussten aber auch erkennen, dass - allem Talent zum Trotz - die Bäume doch nicht ganz so schnell in den Himmel wachsen. "Braunschweig ist in der zweiten Halbzeit aggressiv aufgetreten und hat gut verteidigt. Wir haben nachgelassen", analysierte Obiesie ganz treffend.

    Wucherer jedenfalls ist jetzt erst mal "gespannt, was am Mittwoch wird". Da kommt mit Bayreuth ein Team nach Würzburg, dass "zur Zeit ganz gut drauf ist" und nicht vergleichbar sei mit dem Gegner aus dem Hinspiel, das die Baskets nach einer ziemlich souveränen Vorstellung mit 88:79 gewannen. Der Baskets-Trainer ist jedenfalls überzeugt davon: "Wenn wir da so spielen wie heute, dann haben wir keine Chance."

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