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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA

    Jan Gorr: „Angst haben wir definitiv nicht“

    Freut sich gegen Rimpar auf ein „emotionales Derby vor möglichst toller Kulisse“: Coburgs Trainer Jan Gorr. Foto: Frank Scheuring

    Wer sieht Rot nach dem Karriereende von Rimpars Sebastian Kraus – oder wird er reaktiviert? Avanciert Max Brustmann wieder zum Held im DJK-Tor? Kann Coburgs Rechtsaußen Florian Billek diesmal was reißen? Das sind die Fragen vor dem Frankenderby in der Zweiten Handball-Bundesliga am Sonntag (17 Uhr, s.Oliver Arena) zwischen der DJK Rimpar Wölfe (16./7:13) und dem HSC 2000 Coburg (1./17:5). Das seit jeher die Fans elektrisierende Spiel bietet erneut Stoff für viel Brisanz. Die wichtigste Frage freilich ist: Bleibt das Kellerkind aus Unterfranken gegen den Spitzenreiter aus Oberfranken auch im zehnten Vergleich (sieben Siege, drei Remis) ungeschlagen? Nicht, wenn es nach Coburgs Coach Jan Gorr geht.

    Frage: Herr Gorr, Sie haben nach der letzten Niederlage gegen Rimpar gesagt, die Definition des Wortes „Angstgegner“ sei in diesem Derby entstanden. Wie sehr schlottern Ihren Spielern schon die Knie?

    Jan Gorr: (lacht) Das war natürlich mit Galgenhumor gemeint. Angst haben wir definitiv nicht. Wir haben eine gehörige Portion Respekt, aber auch unser Ziel klar und optimistisch im Blick. Denn wie Sie wissen, habe ich damals auch gesagt: „Nächstes Mal drehen wir den Spieß endlich um.“

    Wie ist eine solche Serie zu erklären – unabhängig von den einzelnen Spielen, die jeweils natürlich ihre eigene Dramatik und Dramaturgie hatten?

    Gorr: Das hat abgesehen von den unterschiedlichen sportlichen Geschichten schon auch etwas mit Psychologie zu tun. Das Duell wird ja gern unter die Rubrik „David gegen Goliath“ gestellt. In der Rolle des Underdogs, der nichts zu verlieren hat, ist Rimpar sehr gerne aufgegangen.

    Sie waren nicht zufrieden mit dieser Dialektik. Coburg als Favorit – mit Erstliga-Erfahrung und teuren Profis ohne regionale Verwurzelung. Rimpar als Außenseiter – mit vielen Eigengewächsen, aber eher wenig Geld. Was stimmt an dieser Darstellung nicht – oder nicht mehr?

    Gorr: Sie suggeriert ein Duell zwischen zwei Klubs, deren Kader total weit auseinanderliegen. Aber das stimmt ja nicht, da muss man genauer hinschauen und kann nicht einfach sagen: Im Kader von Coburg steckt viel mehr Geld. Ich bin der Meinung, dass auch Rimpar klasse Handballer mit Erfahrung hat: Benni Herth zum Beispiel, der schon Nationalspieler war. Max Brustmann, der Jahr für Jahr zeigt, warum er zu den erfolgreichsten Torwarten der Liga zählt. Paddi Schmidt, der ein ganz toller Mittelmann ist. Steffen Kaufmann, der mit zu den besten Rückraum-Rechten gehört. Das muss man ja auch sehen. Worin sich die Vereine natürlich unterscheiden, sind die strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten.

    Der Rimparer Rahmen ist kleiner als der in Coburg.

    Gorr: Keine Frage, Rimpar stemmt das alles mit bescheideneren Mitteln als wir. Wir investieren nicht nur sehr viel in die Jugendarbeit, haben zum Beispiel eine WG von Nachwuchsleistungsspielern aufgebaut . . .

    . . . und erstmals seit vielen Jahren mit Jakob Knauer (Rückraum rechts) und Fabian Apfel (dritter Torwart) auch Eigengewächse im Zweitliga-Team.

    Gorr: Richtig. Wir haben nicht mehr wie früher die Ausrichtung und auch nicht das Geld, nur Profis zuzukaufen, wir brauchen eigene Talente neben erfahrenen Spielern. Gleichzeitig investieren wir sehr viel in die Professionalisierung unserer Strukturen wie die Hauptamtlichkeit von Geschäftsführung, Trainer, Jugendkoordinator, und in das Thema Halle und Event. Das ist der einzige Weg, wenn man an der Spitze der zweiten oder in der ersten Liga bestehen will. Was uns noch alles fehlt, haben wir in dem einen Jahr Bundesliga klar gezeigt bekommen. Das hat uns aber auch Hunger gemacht, dorthin wieder zurückzukommen.

    Aktuell könnten die Zeichen dafür nicht besser stehen. Steigen Sie schon nach dieser Saison wieder auf?

    Gorr: Das kann man bei der Dichte die Liga nicht prognostizieren. Aber wir wollen auf jeden Fall bis zum letzten Spieltag zu den Mannschaften gehören, die um die Spitze streiten.

    Hat Sie der frühe Erfolg nach dem Umbruch überrascht?

    Gorr: Wir haben sieben neue Spieler zu integrieren. Dass das so schnell funktioniert und harmoniert, davon konnten wir tatsächlich nicht unbedingt ausgehen. Wir haben ein Team mit großer Perspektive. In den letzten Spielen haben wir aber auch gesehen, dass gewisse Rädchen im Stress noch nicht ineinandergreifen.

    Das ist ja dann wie derzeit bei den Wölfen. Ist Rimpar aufgrund der Tabellenkonstellation denn diesmal berechtigter Außenseiter oder gibt es wieder keine klare Rollenverteilung?

    Gorr: (lacht) Die Bilanz der Derbys spricht ja eine klare Sprache, demnach sind wir Außenseiter. Die Tabelle dreht das Ganze rum, so gesehen sind wir Favorit. Also treffen wir uns doch in der Mitte und freuen uns einfach wieder auf emotionales Spiel vor möglichst toller Kulisse.

    Doppelspieltag: Abstiegskampf in Düsseldorf und Derby

    Kommt vor der Kür die Pflicht an diesem zweiten Doppelspieltag der Saison in der Zweiten Handball-Bundesliga? Bevor die DJK Rimpar Wölfe (16./7:13) am Sonntag (17 Uhr, s.Oliver Arena) den HSC 2000 Coburg (1./17:5) zum Frankenderby empfängt, heißt es am Freitag Abstiegskampf beim neuen Tabellenletzten HC Rhein Vikings (20./3:19) in Düsseldorf (19 Uhr, Castello, beide Spiele im Liveticker auf mainpost.de). Die Konstellation ist nahezu identisch mit der vom vergangenen Spieltag: Wie beim HC Elbflorenz Dresden geht es in Düsseldorf nicht nur um den sportlichen Klassenerhalt, sondern um das millionenschwere Projekt Profihandball, das vor dem Scheitern steht. Trotz der Entlassung von Coach Ceven Klatt Anfang Oktober gelang den Vikings unter dessen Nachfolger Jörg Bohrmann noch kein Punktgewinn. Und genau das macht Zuschauer-Schlusslicht, das im Schnitt nur vor 700 Besuchern spielt, gefährlich. Die seit drei Spielen sieglosen Wölfe sind nach all den Negativerlebnissen mit den Kellerkindern Hamburg, Dessau und Dresden gewarnt. „Wir unterscheiden nicht mehr zwischen Pflicht und Kür“, sagt DJK-Trainer Matthias Obinger. „Wir brauchen Punkte, möglichst viele auch aus diesem Doppelspieltag.“ Für Rimpars sonntäglichen Gast Coburg stehen zu Hause gegen den TV Großwallstadt und in Würzburg gleich zwei Derbys an – und beide gegen unterfränkische Gegner, die sich im Abstiegskampf befinden. „Ich bin sehr gespannt, inwiefern wir es schaffen, in den drei Tagen zweimal an die Emotionsgrenze zu gehen. Denn das wird nötig sein“, sagt HSC-Coach Jan Gorr. Er muss auf die verletzten Rückraumspieler Philipp Barsties und Petr Linhart sowie Kreisläufer Sebastian Weber verzichten. Pontus Zettermann und Lukas Wucherpfennig kränkelten unter der Woche. NG

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