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    HANDBALL

    Wird Matthias Obinger Trainer eines Handball-Erstligisten?

    Matthias Obinger war bis Juni Trainer des Handball-Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe.  Foto: Frank Scheuring

    Der Handball in Deutschland ist eine kleine Welt, in der Bundesliga zuweilen ein Dorf. Manchmal, wenn es um Personalien und Gerüchte geht, schrumpft es sogar auf die Größe eines Büroflurs zusammen. Viel zu reden gibt es in der Branche, wenn zwei Wochen vor dem Saisonstart der erste Trainer - zumindest vorübergehend - schon aus dem Amt geschieden ist.

    Auszeit wegen eines Erschöpfungssyndroms

    So geschehen vergangene Woche beim Aufsteiger HSG Nordhorn-Lingen. Heiner Bültmann, der den Zwei-Städte-Klub von der niederländischen Grenze im Juni in die erste Liga geführt hat und in der zweiten von den Kollegen und Managern der Konkurrenz zum Trainer der Saison gewählt wurde, hatte die Klubverantwortlichen am Dienstag darüber informiert, dass er eine Auszeit brauche. Der Grund: Erschöpfungssyndrom. Die Deutsche Presse-Agentur zitierte den 48-Jährigen nach einem ersten Bericht der "Grafschafter Nachrichten" am Mittwoch aus einer Vereinsmitteilung: "Nach langer und reiflicher Überlegung bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich eine Pause brauche. Die Entscheidung so zu treffen, ist mir unheimlich schwer gefallen. Doch mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein und insbesondere die Mannschaft und den Verein in ihrer sportlichen Entwicklung, vor allem vor dem Hintergrund des soeben geschafften Aufstiegs in die erste Handball-Bundesliga, voranzubringen." 

    So weit, so bitter für Bültmann, der bei der einst erstklassigen HSG früher selbst Profi war, bevor er nach dem insolvenzbedingten Rückzug in die zweite Liga 2009 zunächst gemeinsam mit dem noch als Spieler aktiven Maik Machulla (SG Flensburg-Handewitt) den Trainerposten übernahm. Er wäre nun als dienstältester HBL-Coach in die neue Saison gegangen, seine zehnte mit Nordhorn-Lingen. So weit, so bitter aber auch für den Klub, der nun händeringend einen Ersatzmann braucht.

    Bültmann und Obinger: Gemeinsam zur A-Lizenz  

    Und da kommt ein Unterfranke ins Spiel: Matthias Obinger, bis Juni verantwortlich bei seinem Heimatverein DJK Rimpar Wölfe, gilt als heißer Kandidat auf die Nachfolge. Das wollen für gewöhnlich gut informierte Handball-Insider wissen. Die Gerüchte scheinen mehr als "Dorftratsch" und der übliche Branchenreflex zu sein, wonach freilich erst mal jene Kandidaten ins Karussell einsteigen, die gerade noch in der ersten oder zweiten Liga unter Vertrag standen, aber aktuell vereinslos sind. So wie beispielsweise Aaron Ziercke oder Christian Pöhler - oder eben auch Obinger, der sich einen guten Ruf in der Branche erarbeitet hat. Dass der 39-Jährige zusammen mit Bültmann die A-Lizenz absolviert hat und sich die beiden recht gut kennen und schätzen sollen, könnte dabei nicht unerheblich sein.

    Obinger antwortete am Sonntagabend am Telefon auf die Frage, ob er ein Angebot aus Nordhorn erhalten habe, kurz und knapp mit den Worten: "Dazu möchte ich aktuell keine Auskunft geben." Bei der HSG war zu diesem Zeitpunkt kein Verantwortlicher mehr für eine Stellungnahme zu erreichen, auch am Montag gab es auf Anfrage keine Stellungnahme.

    Offen für neue Angebote

    Die Wahrscheinlichkeit, dass der in der Heimat verwurzelte Würzburger, der in Baunatal als Hochschulprofessor tätig ist, einen Job im äußersten Zipfel von Niedersachsen annehmen würde? Vielleicht 50:50. Zwar genieße er die handballfreie Zeit auch, ließ der Vater einer Tochter noch wissen, doch hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er offen für neue Angebote sei - es müsse halt "alles passen". Dass ihn ein Engagement bei einem Erstligisten mit interessantem Kader mindestens reizen dürfte, ist klar. Dass er ehrgeizig ist und immer davon geträumt hat, mal in der Eliteklasse zu arbeiten, ist bekannt.

    Erst mal führt Co-Trainer Ralf Lucas die HSG durch die restliche Vorbereitung. Doch eine Entscheidung, wer Chefcoach wird, dürfte sehr bald fallen.  

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