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    Fußball: Dritte Liga

    Vor Spiel bei den Kickers: 1860-Coach Bierofka im Interview

    1860-Trainer und Ur-Löwe: Daniel Bierofka ist mit seinem Team an diesem Samstag am Dallenberg zu Gast. Foto: A4366/_Sven Hoppe

    An diesem Samstag (14 Uhr) erwarten die Würzburger Kickers ein volles Haus. Rund 9400 der 10006 Tickets für das Heimspiel der Rothosen gegen 1860 München waren bis Donnerstag bereits abgesetzt. Daniel Bierofka (40) ist bei den Löwen nicht nur Trainer, sondern auch Identifikationsfigur. Nach dem 1:0-Derbysieg gegen Unterhaching feierten die Anhänger ihn mit dem Gesang: "Ohne Biero wär'n wir gar nicht hier."

    Frage: Vier Siege aus den letzten fünf Spielen, am Dienstag der Derbyerfolg gegen Unterhaching, 40 Punkte auf dem Konto - es läuft gerade bei den Löwen. Was ist noch drin für 1860 München in dieser Saison

    Daniel Bierofka: Es geht zunächst darum, möglichst schnell auf 46, 47 Punkte zu kommen, damit die Möglichkeit, noch einmal in den Abstiegskampf hineinzurutschen, möglichst gering ist. Wir waren in dieser Saison ja auch schon einmal nah dran an der gefährlichen Zone. Jetzt haben wir es geschafft, uns da unten herauszukämpfen. Wir wollen den derzeitigen Trend fortführen und die Entwicklung der Mannschaft vorantreiben. Wo die dann hinführt, werden wir sehen.

    Am Samstag treffen Sie in Würzburg auf eine Mannschaft, die bislang einen ähnlichen Saisonverlauf hatte wie Ihre. Sowohl 1860 als auch die Kickers hatten im Herbst eine Delle, rutschten in der Tabelle ab. Seit der Winterpause präsentieren sich beide aber in guter Form. Was erwarten Sie am Dallenberg für ein Spiel?

    Bierofka: Würzburg spielt einen sehr attraktiven, temporeichen Fußball. Da ist viel Zug dahinter. Wir müssen uns in der Defensive auf einiges gefasst machen. Aber in den letzten Wochen haben wir das sehr ordentlich gemacht. Ich kenne das Würzburger Stadion. Es gefällt mir sehr gut am Dallenberg. Denn das ist ein enges Stadion, in dem sicherlich am Samstag eine gute Stimmung herrschen wird. Darauf freuen wir uns. 

    Wie schätzen Sie die Kickers ein?

    Bierofka: Die Würzburger gehören zu den besseren Teams der Liga. Sie hatten zuletzt in der ein oder anderen Szene vielleicht nicht das Glück auf ihrer Seite. Aber wir wissen, was auf uns zukommt. 

    Inwiefern hängt der Aufwärtstrend der letzten Wochen auch mit Ihrer persönlichen Situation zusammen? Sie haben die Fußballlehrer-Ausbildung nun abgeschlossen und sind nicht mehr nur in Teilzeit, sondern dauerhaft beim Team.

    Bierofka: Das ist ein Punkt. Der andere ist: Wir sind ein Aufsteiger. Auch wenn wir keine superjunge Mannschaft haben, haben wir viele Spieler in unseren Reihen, die zum ersten Mal in der Dritten Liga spielen und sich an dieses Tempo, die Intensität und das zweikampfbetonte Spiel gewöhnen mussten. Mittlerweile wissen wir auch, wie man Partien gewinnt. Denn wir hatten viele Unentschieden dabei und haben dadurch viele Punkte verloren. Wir hatten tatsächlich, wie die Würzburger auch, eine kleine Delle im Herbst. Aber solche Phasen haben viele Teams in einer Saison, so wie derzeit Uerdingen oder Unterhaching.

    Bei einem sehr emotionalen Verein wie 1860 werden solche Schwankungen aber immer mit viel Leidenschaft kommentiert. Ist es da einfach, die Ruhe zu bewahren?

    Bierofka: Der Verein befindet sich in einem Prozess, den wir auch schon in der Regionalliga durchlaufen mussten. Auch da mussten wir akzeptieren, dass es schwierige Spiele gibt. In der Dritten Liga kann sowieso jeder jeden schlagen. Da hat am Mittwoch erst der Letzte Aalen beim Zweiten in Karlsruhe mit 3:0 gewonnen. Ich wüsste nicht, in welcher Liga in Deutschland das sonst noch möglich ist. Aber das macht den Reiz dieser Spielklasse aus. Und das hat das Umfeld des Vereins inzwischen auch super angenommen. 

    Sie haben den Verein in der vergangenen Saison in einer sehr schwierigen Situation aus der Regionalliga nach oben geführt. Wie groß war damals die Gefahr, dass der Klub auf Dauer in der Versenkung verschwindet?

    Bierofka: Die größte Gefahr wäre gewesen, wenn der Verein sich länger in der Regionalliga aufgehalten hätte. Die Relegationsspiele gegen Saarbrücken waren eine Mammutaufgabe. Wir müssen jeden Tag froh sein, dass wir uns in der Dritten Liga bewegen dürfen und hier in Ruhe weiter etwas aufbauen können. 

    Die Situation im Umfeld von 1860 München ist bekannt. Wie sieht aus Ihrer Sicht die Perspektive für die Löwen aus?

    Bierofka: Momentan ist der Status quo, dass der Verein einen Konsolidierungskurs ausgerufen hat. Dem müssen wir uns im sportlichen Bereich natürlich beugen. Wir werden den Kader in der nächsten Saison sogar reduzieren müssen. Wir müssen, so wie es derzeit aussieht, einiges einsparen. Unter diesen Umständen, geht es für uns in der nächsten Saison nur darum, in der Liga zu bleiben.

    Die heißblütigen Löwen-Fans werden aber andere Träume haben ...

    Bierofka: Sicher! Aber deshalb ist es ja wichtig, dass man von Beginn an Klartext redet, um jedem klar zu machen, dass es - wenn sich nicht noch irgendetwas ändert - erst einmal darum geht, die Klasse zu halten.

    Die Möglichkeiten scheinen also begrenzt. Lautet Ihr Motto trotzdem: Einmal Löwe, immer Löwe? Oder könnte es den Punkt geben, an dem Sie sich woanders weiterentwickeln wollen?

    Bierofka: Fakt ist, ich habe einen Dreijahresvertrag. Aber im Fußballgeschäft ist es nun einmal immer schwierig, solche Voraussagen zu treffen. Jeder weiß jedoch, dass ich gerne Löwen-Trainer bin und mich mit diesem Verein identifizieren kann.

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