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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

    Eine Machtdemonstration der Wölfe

    Der Toptorschütze hatte am Sonntagmorgen bei der Abfahrt im winterlichen Wilhelmshaven noch ganz kleine Augen. Er habe nicht jeden seiner acht Treffer mit einem Drink begossen, versicherte Lukas Siegler grinsend, obwohl es „natürlich ein geiles Gefühl“ gewesen sei, erstmals in der Zweiten Bundesliga so viele Tore geworfen zu haben. „Aber viel wichtiger war, dass wir als Mannschaft eine Reaktion gezeigt und ein Zeichen gesetzt haben.“

    Aussprache unter der Woche

    Ein Lebenszeichen könnte man den 32:22 (16:15)-Sieg der DJK Rimpar Wölfe im Kellerduell beim Wilhelmshavener HV am Samstagabend auch nennen, mit dem sich die Unterfranken ins Tabellenmittelfeld vorgeschoben haben. Sogar ein eindrucksvolles nach der ernüchternden Heimniederlage fünf Tage zuvor gegen Emsdetten. „Wir haben uns danach ausgesprochen und gesagt, dass wir als Team wieder zusammenrücken und hier mit einer anderen Einstellung auftreten müssen“, berichtete Siegler, der den an einem Magen-Darm-Infekt erkrankten Benedikt Brielmeier fast über die volle Spielzeit im linken Rückraum vertreten hatte. „Lukki hat das super gemacht“, lobte Trainer Matthias Obinger den 21-Jährigen, betonte aber auch: „Ich kann heute keinen herausheben. Das war eine mannschaftliche Machtdemonstration in der zweiten Halbzeit.“ Nach der Pause hatten die Rimparer nur noch sieben Gegentreffer zugelassen. 

    Wie weh die Klatsche den Hausherren getan haben muss, dafür bekundete Obinger bei aller eigenen Erleichterung Empathie: „Ich weiß, wie sich Wilhelmshaven fühlen muss, ich kenne die Situation nur zu gut“, wandte er sich auf der Pressekonferenz an seinen Kollegen Christian Köhrmann. Der sprach von einem „Brett“: „Was wir in der zweiten Halbzeit abgeliefert haben, dafür kann man sich nur entschuldigen.“

    Rückendeckung vom Boss

    Mit Mut machenden Worten ihres Geschäftsführers Roland Sauer, der die Mannschaft in der Marktgemeinde persönlich verabschiedete, hatten sich die Wölfe am Samstagmorgen auf den Weg zum am weitesten entfernten Spielort an der Nordsee gemacht. Die Rückendeckung vom Boss sei „extrem wichtig und schön“ gewesen, meinten Obinger und Siegler.

    Trotz knapp 600 Kilometern und sechseinhalb Stunden Busfahrt in den Knochen wirkten die Grün-Weißen am Abend in der Nordfrost Arena von Beginn an wesentlich wacher und williger als zuletzt gegen Emsdetten. Sie traten mit einer viel kämpferischen Körpersprache auf. In der offensiv interpretierten, zwischen 6:0 und 3:2:1 wechselnden Abwehr nahm Siegler René Drechsler auf Halbrechts unter Sonderbewachung, das ermüdete das Wirken des WHV-Rückraums. Nach zwölf Minuten setzte sich Rimpar erstmals auf drei Tore ab (8:5).

    Aber vor allem mit Hilfe der Tore von Tobias Schwolow auf Halblinks und vom Kreis hielt sich der WHV auf Augenhöhe. Die Gastgeber glichen aus, führten in der von insgesamt zehn Siebenmetern geprägten ersten Hälfte auch mal (12:11, 23.). Doch das Empty-Net-Goal von Philipp Meyer in einer Überzahlsituation mit dem Pausenpfiff zum 16:15 aus Sicht der Gäste wirkte wie eine Kampfansage.

    Nur noch sieben Gegentreffer

    Die nach dem Kabinengang auch folgte. Die steife Brise, die am Südstrand des Jadebusens geweht hatte, blies den Niedersachsen nun sportlich auf dem Spielfeld entgegen. Die DJK-Deckung verteidigte mit einer Konsequenz, die bis zur 42. Minute kein Feldtor des WHV mehr zuließ; Keeper Max Brustmann nagelte seinen Kasten zudem zu. Zu dem Zeitpunkt hatten die diesmal auch treffsicheren Rimparer ihren Vorsprung auf 23:16 erhöht, den sie bis zur 48. auf zehn Treffer ausbauten (27:17.). Die Schlussphase war ein reines Schaulaufen. Unter anderem gelang Fin Backs ein sehenswerter Dreher vom Flügel.

    Der Linksaußen fehlte als Einziger beim nächtlichen Discobesuch, weil er am Sonntag seinem Stammverein MT Melsungen in der Bundesliga beim TVB Lemgo aushelfen musste. Als er um 7.30 Uhr vom Taxi am Hotel abgeholt wurde, träumten seine Teamkameraden vielleicht noch von zwei weiteren Siegen in den Weihnachtsheimspielen gegen Hüttenberg (22.12.) und Essen (26.12.) zum Jahresabschluss.


    Die Statistik des Spiels

    Wilhelmshaven: Doden (42./4 Paraden), Lüpke (1—41./6 Paraden) - ten Velde 7/5, Lehmann, Postel 2, Schauer 1, Schluroff 1, Vorontsov 1/1, Köhler, Kozul 1, Schwolow 5, Andrejew 1, Drechsler 2, Pust 1.

    Rimpar: Brustmann (1.- 60./14 Paraden), Wieser (bei drei Siebenmetern, 1 Parade) – Böhm, Gempp 4, Schmidt 1, Kaufmann 4, Siegler 8, Meyer 1, Bauer 2, Schulz 1, Backs 4, Herth 5/5, Sauer 2.

    Spielfilm: 1:3 (4.), 3:3 (8.), 5:8 (12.), 7:8 (14.), 7:10 (16.), 10:10 (21.), 12:11 (23.), 15:16 (Halbzeit), 15:20 (37.), 16;23 (41.), 17:27 (48.), 22:32 (Endstand).

    Siebenmeter: 7/6 : 6/5.

    Zeitstrafen: 3:4.

    Schiedsrichter: Matthias Klinke/Sebastian Klinke (Bordesholm).

    Zuschauer: 1055.

    Natalie Gress

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