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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

    Rimpar gewinnt das Unterfrankenderby

    So seh'n Derbysieger aus: Die Handballer der DJK Rimpar Wölfe nach ihrem 26:24-Erfolg beim TV Großwallstadt. Foto: Heiko Becker

    Es ist eine Bereicherung für den Handball in Unterfranken, dass es dieses Duell zwischen dem TV Großwallstadt und der DJK Rimpar in der Zweiten Bundesliga wieder gibt! Das wegen des großen Zuschauerandrangs in der f.a.n. frankenstolz arena in Aschaffenburg am Samstagabend mit fünf Minuten Verspätung angepfiffene Aufeinandertreffen hatte zwar nicht durchweg spielerische Strahlkraft, dafür aber vieles von dem, was ein Derby eben braucht – Emotion, Kampf, Körperlichkeit und eine „traumhafte Kulisse“, wie Rimpars Trainer Matthias Obinger befand.

    Am Ende siegten vor 2555 Besuchern, darunter gut 100 DJK-Fans, die Unterfranken aus Mainfranken mit 26:24 (13:11). Es war nicht nur ihr erster Erfolg in diesem fünften Vergleich zwischen beiden Klubs im Unterhaus - nach den drei Jahren Zwangspause für den TVG bedingt durch Insolvenz und Abstieg -, sondern auch ihr erster in dieser Spielzeit. Nach der Auftaktpleite vor zwei Wochen in Essen hat Rimpar dadurch nun ein ausgeglichenes Konto von 2:2 Zählern.

    Die breitere Bank

    „Wir wussten nach Essen nicht so richtig, wo wir stehen, wir waren im Niemandsland“, sagte Obinger auf der Pressekonferenz. „Jetzt bin ich sehr zufrieden und auch sehr erleichtert. Wir waren heute in allen entscheidenden Dingen konsequenter – in der Abwehrkompaktheit, in der Angriffsvariabilität, im Zweikampfverhalten und im Tempospiel.“ Den Ausschlag gegeben habe aber wahrscheinlich die breitere Bank, meinte der 38-Jährige später, der viel durchwechselte. Sein TVG-Kollege Florian Bauer sagte: „Wir haben es nicht geschafft, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen, als wir die Möglichkeit dazu hatten.“

    Von einer gefühlten „Rückkehr ins Kinderzimmer“ hatte Rimpars Kapitän Patrick Schmidt im Vorfeld gesprochen. Wie auch Steffen Kaufmann, Patrick Gempp und Andreas Wieser war er beim TVG ausgebildet worden und hatte seine Jugend- und jungen Erwachsenenjahre dort verbracht. Das „Klassentreffen“ mit einem Teil der alten Kumpels nun jedoch war alles andere als Kindergeburtstag. Es war von Beginn an Kampf unter Konkurrenten, für die es beide zwar auch um Prestige, aber vor allem um Punkte ging, um nicht früh in der Runde unter Zugzwang zu geraten.

    Das erste Tor erzielten die Gäste: Linksaußen Fin Backs verwandelte einen Konter. Der erste Treffer für die Gastgeber gelang einem Ex-Wolf: Jan Winkler kam unbedrängt aus dem rechten Rückraum zum Abschluss.

    Überraschung in der Startsieben

    Obinger überraschte zunächst mit einem Personaltausch: Benjamin Herth begann auf der Spielmacherposition, Schmidt rückte dafür auf Halblinks. In dieser Rückraum-Besetzung hatten die Wölfe in ihrer Fast-Aufstiegssaison 2016/17 sehr erfolgreich Handball gespielt, in der vergangenen Runde hatte dann immer öfter Schmidt die Strippen gezogen - der auch Mitte der ersten Halbzeit wieder auf der Mitte übernahm. Doch zunächst war es ohnehin der Dritte im Rimparer Rückraum-Bunde, der im Angriff die Akzente setzte: Steffen Kaufmann traf mit seinem dritten Tor zur ersten Zwei-Tore-Führung 5:3 (8.) gegen seinen früheren Verein. „Wir haben auf der Herfahrt im Bus schon gefühlt: Heute wollen wir einen raushauen“, erzählte Kaufmann später. „Die Leidenschaft war bei uns von Anfang an da, und das war entscheidend.“

    Rote Karte schwächt TVG

    Nach einer Viertelstunde nahm die Härte vor allem in der Hinterreihe des TVG zu. Ex-Wolf Tom Spieß kassierte zwei Zweiminutenstrafen in Folge, dann sah Mario Stark die Rote Karte, nachdem er Max Bauer beim Wurf von Rechtsaußen am Fuß gefoult hatte. „Er hat mich am Knöchel berührt, dadurch habe ich in der Luft die Kontrolle über den Wurf verloren und bin gestürzt“, schilderte Bauer hinterher, der aber unverletzt blieb. Stark ersetzte auf Halblinks der dritte frühere Rimparer, Lars Spieß, der nach einem Mittelfußbruch erst sein zweites Spiel bestritt. „Der Ausfall von Mario hat uns sehr geschwächt“, befand TVG-Coach Bauer, „weil er einer ist, der den Unterschied machen kann.“

    Doch nicht unmittelbar. Eher sogar schien er den Zusammenhalt der Blau-Weißen zunächst noch zu stärken. Immer wieder schafften sie den Ausgleich, wenn die Grün-Weißen vorlegten. Vorn lag Großwallstadt dennoch nur ein einziges Mal in der gesamten Partie – beim 2:1. Zur Pause hieß es 11:13.

    Bis Mitte der zweiten Halbzeit setzten sich die Wölfe allmählich etwas mehr ab. Nach 43 Minuten und einem 3:0-Lauf während einer Phase mit zwei Kreisläufern traf Schmidt zum 20:16. TVG-Coach Bauer reagierte mit einer Auszeit und stellte seine Abwehr zeitweilig auf eine offensive 4:2-Formation um. „Dann haben wir durch Rimparer Ballverluste viermal den Ball geschenkt bekommen – und trotzdem kein Tor geworfen“, haderte Großwallstadts Trainer. „Da hat uns die Konsequenz gefehlt.“

    Erstes Heimspiel steht an

    Wirkungsvoller verrichtete ihren Job tatsächlich die DJK-Defensive mit dem sich stetig steigernden Max Brustmann im Tor, der nun einen Ball nach dem anderen parierte, darunter auch zwei Siebenmeter des früheren Nationalspielers Michael Spatz. Und so brannte am Ende nichts mehr an bei den Wölfen. „Sie waren einen Tick und in den Details besser als wir“, meinte Tom Spieß. „Insofern ist ihr Sieg auch verdient.“ Die Rimparer feierten ihn mit einer Humba mit ihren Fans. 

    Am Sonntag, 16. September, steht das erste Heimspiel der Saison für sie an. Dann empfangen sie in der Würzburger s.Oliver Arena mit dem VfL Lübeck-Schwartau den Tabellendritten der zurückliegenden Runde, der zu einem der heiß gehandelten Teams um einen Platz an der Tabellenspitze zählt. Wo sie stehen vor dem nächsten brisanten Duell? Obinger: „Zwei Punkte weiter als im Niemandsland.“ 

     

    Die Statistik des Spiels

    Großwallstadt: Redwitz (1.-60.), Kugis (bei Siebenmeter) – Spatz 4/2, Engels 4, Blank, Erifopoulos 1, Pfeifer, Schnellbacher, Corak 4, Stark 2, T. Spieß 1, Keck, Winkler 3, L. Spieß 2, Göpfert 3.

    Rimpar: Brustmann (1.- 60.), Wieser (n.e.) – Böhm 1, Karle (n.e), Gempp 3, Schmidt 2, Kaufmann 4, Siegler 4, Meyer, Bauer 1, Schulz 1, Backs 3, Brielmeier 1, Herth 3/2, Sauer 3.

    Spielfilm: 0:1 (1.), 2:1 (4.), 3:3 (6.), 3:5 (8.), 4:4 (13.), 6:8 (18.), 8:8 (22.), 11:11 (29.), 11:13 (HZ), 13:14 (33.), 16:17 (39.), 16:20 (43.), 18:23 (54.), 21:24 (58.), 24:26 (Endstand).

    Siebenmeter: 2/4 : 2/4.

    Zeitstrafen: 2:3.

    Rot: Stark (TVG, 18., grobes Foul).

    Schiedsrichter: Christian Moles/Lutz Pittner (Heddesheim/Karlsruhe).

    Zuschauer: 2555.

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