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    HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

    Zickzackkurs mit finalen Höhepunkten

    Zusammen waren sie gegen Jahresende wieder stark: Die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe haben 2018 Höhen und Tie... Foto: Heiko Becker

    Trotz der angeblich besten Vorbereitung unter Trainer Matthias Obinger glich die Ergebniskurve von Handball-Zweitligist DJK Rimpar Wölfe in der ersten Saisonhälfte einem Zickzackkurs. Auf fast jeden Sieg folgte eine Niederlage – und andersrum. So steht das Team nach 20 von 38 Spieltagen mit 19:21 Punkten (neun Siege, ein Unentschieden, zehn Niederlagen) im angepeilten Mittelfeld auf Rang zehn. Doch erst dank einer kontinuierlich ansteigenden Formkurve am Jahresende kletterten die Wölfe aus dem Keller.

    Die Höhepunkte

    Darauf mussten die Rimparer lange warten. Erst im Dezember gelangen ihnen in Wilhelmshaven und in den Weihnachtsheimspielen gegen Hüttenberg und Essen die ersten drei Siege in Serie seit März. „Das war ein Finale furioso“, freut sich Obinger.

    Die Gewinner

    „Für mich ist die größte Gewinnerin die Mannschaft“, sagt der Coach. „Weil sie sich nie aufgegeben hat und immer fleißig geblieben ist. Weil sie trotz Rückschlägen immer an sich geglaubt hat. Und weil sie sich selbst aus dem Tief rausgezogen hat.“ Betrachtet man einzelne Mannschaftsteile, so hat die Abwehr am meisten an Stärke gewonnnen und ist gemessen an der Anzahl an Gegentoren (25 im Schnitt) mittlerweile wieder die drittbeste der Liga. Zu Beginn der Saison im Mittelblock aufgrund des neuen Personals und dem verletzungsbedingten Ausfall von Philipp Meyer noch eine Baustelle, hat sich die Deckung immer mehr stabilisiert. Das Kreisläuferduo Patrick Gempp und Michael Schulz harmoniert inzwischen prächtig im Innenverbund, auch Meyer macht sich dort gut. Ein Gewinner ist auch Torwart Max Brustmann: Mit 208 Paraden und einer Quote von 32 Prozent ist er aktuell die Nummer eins der Liga.

    Die Verlierer

    Verloren haben die Rimparer im Vergleich zur Vorsaison nicht nur an Konstanz, sondern auch an Zuschauern. Kamen in der Runde 2017/18 im Durchschnitt noch knapp 1800 Besucher zu den Heimspielen in die s.Oliver Arena, so sind es in der aktuellen pro Partie fast 300 weniger und nur noch gut 1500. Geschäftsführer Roland Sauer erklärt sich den Rückgang zum einen mit dem „nachlassenden sportlichen Erfolg“ („Einige haben mir gesagt, dass sie enttäuscht waren, weil die Mannschaft bis auf die letzten drei Spiele nicht so gekämpft hat wie sonst“), zum anderen mit der Vielzahl an Sonntagsspielen. „Aber wir müssen auch wieder aktiver Werbung über Plakate machen, nicht nur nur über die Sozialen Medien“, sagt er. Dass den Zuschauern rund um die Spiele keinerlei Zusatzprogramm mit Eventcharakter geboten wird, sieht Sauer nicht als Grund: „Im Handball ist das weniger gefragt, glaube ich.“

    Auffällig ist auch, dass anders als früher kaum noch Fans zu den Auswärtsspielen fahren. Vor zwei, drei Jahren reisten die Rimparer ihrem Rudel zum Teil mit großen Bussen hinterher, inzwischen kriegen sie selbst in Abstiegsduellen wie Aue nicht mal mehr einen Kleinbus voll. Nur zum Derby gegen Großwallstadt in Aschaffenburg begleiteten die Mannschaft gut 100 Fans, in anderen Hallen aber waren es allenfalls einzelne. Roland Keidel, der die Auswärtsfahrten für die Anhänger organisiert, vermutet „mehrere Ursachen“ wie die Kosten und eine gewisse Gewöhnung an die Liga, vor allem aber eine Hauptursache: die Übertragung der Spiele auf Sportdeutschland.TV. „Seither geht nicht mehr viel zusammen“, sagt Keidel. „Den Älteren sind die zum Teil langen Busfahrten inzwischen zu anstrengend, da ist Fernsehen bequemer.“ Allerdings nimmt er auch bei den Jüngeren, den selbsternannten „Supporters“, einen schleichenden „Zerfall“ wahr. Der früher harte Kern der Fans, der laut Keidel immer noch den Zeiten in der dörflichen Dreifachsporthalle hinterhertrauert, karrt seine Trommeln nur noch in die immer noch ungeliebte s.Oliver Arena. Dass die Magnetwirkung der Mannschaft nachlässt, weil der Rimparer darin immer weniger werden, ist vereinzelt zu vernehmen, Keidel kann das aus seiner Wahrnehmung jedoch nicht bestätigen. Er selbst bedauert die Entwicklung, sagt aber: „Ich kann die Leute ja nicht in den Bus tragen.“

    Durch die rückläufigen Zuschauerzahlen gehen dem ohnehin mit bescheidenen Mitteln arbeitenden Klub laut Sauer an jedem Spieltag geschätzt 2000 Euro flöten. Aufgefangen werden könnte der Verlust teilweise durch Werbeeinnahmen mit Sportdeutschland.TV – doch noch wurden während der Übertragungen, die laut dem Geschäftsführer im Schnitt 2300 Zuschauer verfolgen, keine Spots an Sponsoren verkauft. „Das scheitert auch daran, dass wir im Vertrieb zu schmal aufgestellt sind.“ Zu den Verlierern gehört somit jedenfalls auch die Finanzkraft.

    Der Nebenschauplatz

    Nachdem Roland Sauer bereits Anfang Oktober öffentlich bekanntgegeben hatte, dass er den Vertrag mit Obinger nach vier Jahren nicht über die Saison hinaus verlängern wird, schwirrte das Trainerthema zweieinhalb Monate lang im Raum umher wie eine lästige Fliege. Seit nun feststeht, dass Ceven Klatt im Sommer 2019 Obingers Nachfolger wird, ist die große Frage: Wer geht mit Klatt in die nächste Saison? Von den zehn auslaufenden Verträgen hat bisher nur Rechtsaußen Julian Sauer seinen um ein Jahr verlängert. „Alle wollen bleiben“, so nehme er die Signale der Spieler wahr, sagt Sauer – „aber alle wollen halt erst mal mit Ceven Klatt reden.“ Dieses Thema wird die Rimparer also im neuen Jahr begleiten.

    Der Ausblick

    Bis 6. Januar haben die Wölfe nun Winterpause. Danach starten sie mit individuellem Antrainieren in die Vorbereitung auf die restliche Rückrunde. Am 14. Januar trifft sich die Mannschaft wieder und nimmt mit der üblichen Leistungsdiagnostik die gemeinschaftliche Vorbereitung auf. Vom 18. bis 20. Januar steht ein Trainingslager in Rimpar auf dem Programm, bevor am 26. Januar ein erster Test gegen den HC Erlangen in Roßtal folgt. Am 2. Februar nehmen die Wölfe schließlich am Turnier um den Hohenlohe Cup in Öhringen teil und treffen dort auf die weiteren Bundesligisten Bietigheim und Ludwigshafen. Das erste Zweitligaspiel 2019 führt sie am 10. Februar zum TV Emsdetten.

    Die Prognose

    Aufgrund der Leistungsdichte in der Liga ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Aktuell trennen die Rimparer nur vier Punkte vom ersten der fünf Abstiegsplätze. Gelingt es ihnen im neuen Jahr jedoch, an ihre Form der letzten drei Spiele anzuknüpfen und den Zickzackkurs zu verlassen, dürften sie nicht bis Juni um den Klassenerhalt zittern müssen.

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