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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Rimpar beendet seine Durststrecke

    Entschlossen macht Rimpars Lukas Böhm (am Ball) Druck auf die Abwehr der HSG Nordhorn-Lingen mit Jens Wiese (links) und ... Foto: Udo Wohlrab

    Die Flaute scheint vorüber, die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe haben wieder Aufwind. Nach zuletzt drei Niederlagen, auch gegen Teams aus dem Tabellenkeller, sind sie ausgerechnet bei der heimstarken HSG Nordhorn-Lingen wieder auf den Erfolgskurs zurückgekehrt. Beim favorisierten Zwei-Städte-Klub gewannen die Unterfranken am Sonntag etwas überraschend und vor allem überraschend deutlich mit 30:25 (14:8). Sie fügten den Emsländern erst die zweite Saison-Niederlage vor eigenem Publikum zu. Für die Wölfe war es indes der achte Auswärtssieg der Saison. Nach einer Nacht auf Rang acht verdrängten sie die Gastgeber wieder von Platz sechs.

    „Ich bin sehr erleichtert über den Sieg“, sagte DJK-Trainer Matthias Obinger bei der Pressekonferenz, „nachdem wir ja doch in einem kleinen Tal waren. Wir hatten hier nichts zu verlieren, vielleicht hat uns das getragen.“ Als ausschlaggebend für den doppelten Punktgewinn nannte der 38-Jährige die „stabile Abwehr mit einem starken Max Brustmann im Tor sowie den „variablen Angriff“. „Insgesamt“, so Obinger, „haben wir uns in allen Bereichen gesteigert.“ Sein HSG-Kollege Heiner Bültmann sprach dagegen von einem „gebrauchten Tag“ seiner Mannschaft. „In der Summe war das einfach zu wenig von uns.“

    Suboptimale Vorbereitung und Ausfälle 

    Dabei standen die Vorzeichen für die Rimparer nicht gerade gut. Eine optimale Vorbereitung jedenfalls verläuft anders. Nicht nur konnte Obinger, der aus beruflichen Gründen auf Mallorca weilte, die Hälfte der Woche das Training nicht leiten, auch Max Brustmann, Steffen Kaufmann (beide angeschlagen), Sergej Gorpishin (Fußverletzung), Benjamin Herth und Dominik Schömig (beide Grippe) mussten eine Zwangspause einlegen. Weil letztere Zwei auch am Wochenende noch flachlagen und Gorpishin länger auszufallen droht, reisten die Rimparer mit jeweils nur einem Spielmacher, Linksaußen und gelernten Kreisläufer Richtung niederländische Grenze. Umso erstaunlicher war, wie sie sich in der EmslandArena in Lingen beim Zuschauer-Spitzenreiter der Liga (Durchschnitt: 2500) vor 2648 Besuchern präsentierten – Gorpishin übrigens nach eigener Anreise unter ihnen. Erstaunlich präsent nämlich. „Die Mannschaft hat die Widrigkeiten gut umschifft“, lobte Obinger seine Schützlinge.

    Von Anpfiff an entwickelte sich der erwartete harte Kampf in den Abwehrreihen – beide gehören zu den besten der Liga, inklusive ihrer Torhüter. Nordhorn-Lingens Björn Buhrmester führt das Ranking an, Max Brustmann wurde von der Handball-Bundesliga vor der Partie an Position drei gelistet. Der Gästeschlussmann allerdings stahl seinem Gegenüber in dessen Revier die Show. Zur Pause hatte er bereits zehn Paraden, Buhrmester vier. Insgesamt entschied der Rimparer das Duell mit 17:9 für sich. „Wir waren im Abschluss oft nicht cool genug gegen ihn und haben zu viele Chancen liegenlassen“, so Bültmann.

    In den ersten zehn Minuten fiel den Emsländern das Torewerfen vor allem aus der Distanz noch leichter, doch mit dem Ausgleich zum 4:4 durch den vor Adrenalin nur so spritzenden und vor Torhunger strotzenden Sebastian Kraus, der vom Flügel nach innen zog und mit seinen nur 1,73 Metern aus dem Rückraum warf, übernahmen die Unterfranken das Kommando. Nach einem 6:0-Lauf (!), teils in doppelter Überzahl, führten sie mit 8:4 (20.). Der HSG gelang in dieser Phase elf Minuten lang kein Treffer.

    Mit Geduld im Angriff

    Die Wölfe dagegen spielten ihre Angriffe nun zumeist mit Bedacht und Geduld aus, oft nah an der Grenze zum Zeitspiel. Immer wieder kamen sie über das Absetzen an den Kreis oder direkt durch den starken Patrick Gempp zum Erfolg. „Das zu unterbinden, ist uns nicht gelungen“, räumte der HSG-Coach ein.

    Diszipliniert im Umschaltspiel, konzentriert und konsequent in der Deckung, zwangen die DJK-ler die Hausherren zu Verlegenheitswürfen. Diesen gelangen in der ersten Hälfte nur acht Treffer. Die Rimparer, man muss das so lax formulieren, rissen sich den Allerwertesten auf, als wollten sie sich den Frust der vergangenen Wochen von den Seelen spielen. Jeder kämpfte für jeden. „Wir haben zuletzt gegen Aue trotz der Niederlage schon wieder unser wahres Gesicht gezeigt. Das hatten wir uns auch für heute vorgenommen“, berichtete Kraus später.

    Getragen vom Willen

    So blieb es auch nach dem Seitenwechsel das Spiel der Grün-Weißen. Sie bauten ihren Vorsprung auf 17:9 (37.) aus. Dann nutzten die Gastgeber eine Überzahlsituation zu einem 3:0-Lauf und zeigten, dass man sie keinesfalls schon abschreiben sollte. Sie stellten ihre Abwehr auf 5:1 um und verkürzten eine Viertelstunde vor Schluss auf 16:20. Getragen von ihrem Willen, warfen sich die Wölfe jedoch wieder mit sechs Toren nach vorn (26:19, 52.). Nichts schien sie an diesem Tag stoppen zu können, wenngleich sie sich einige Fehlwürfe und auch wieder insgesamt drei verworfene Siebenmeter leisteten. Jedenfalls nicht Nordhorn-Lingen. 

    Am nächsten Sonntag erwarten die Rimparer den TV Emsdetten. Dann kommt es nicht nur zum Treffen zweier Tabellennachbarn, sondern auch zum erneuten Wiedersehen mit ihrem früheren Teamkollegen Konstantin Madert und damit auch wieder zu einem spannenden Torwartduell mit Brustmann. Diesmal heißt es: die neue Nummer zwei gegen die Nummer drei der Liga. „Obwohl wir heute nicht vollzählig waren, wollten wir an unsere Chance glauben und mit Mut und Herz spielen“, sagte Kraus abschließend. „Das haben wir getan.“ Und das wollen er und sein Team wieder tun.

     

    Wolf des Tages

    Patrick Gempp #13

    Machte vorne wie hinten sein bisher bestes Spiel für die Wölfe. Holte vier Siebenmeter raus und war mit sechs Treffern erfolgreichster Feldtorschütze, dazu einer der Abräumer vom Dienst in der Abwehr.  

     

    Die Statistik des Spiels

    Nordhorn-Lingen: Buhrmester (1.-55.), Kaleun (56.-60.) – Verjans 2/2, Wilmsen, Heiny 4, Leenders, Michkal 4, Miedeam 2, Fraatz 2, de Boer 3, Vorlicek 3, Wiese 4, Smit, Seidel 1.

    Rimpar: Brustmann (1.-60.), Wieser (n.e.) – Kraus 7/2, Schmitt, Böhm 1, Karle, Gempp 6, Schmidt 6/1, Kaufmann 2, Siegler 2, Meyer, Bauer 3, Brielmeier 3, Sauer.

    Spielfilm: 2:0 (3.), 2:2 (6.), 4:2 (9.), 4:8 (20.), 7:9 (25.), 7:12 (28.), 8:14 (HZ), 9:17 (37.), 12:17 (40.), 13:20 (42.), 16:22 (45.), 18:23 (49.), 19:26 (52.), 25:30 (Endstand).  

    Siebenmeter: 2/3 : 3/6.

    Zeitstrafen: 5:6.

    Schiedsrichter: Otto/Piper (Kiel/Syke-Barrien).

    Zuschauer: 2648.

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