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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

    Neuer Kreisläufer, alte Ambitionen?

    Der neue zweite Mann am Kreis: Sergej Gorpishin kam im Tausch für Jan Schäffer vom Bundesligisten HC Erlangen zu den Rim... Foto: Frank Scheuring

    Am Faschingssonntag starten die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe (5./27:13) gegen den Tabellenvorletzten HG Saarlouis (19./9:31) in den zweiten Teil der Saison. Der Jahresauftakt ist zugleich das zweite Spiel der Rückrunde. Was sich in sechs Wochen Pause bei den Wölfen getan hat und ob sie nach der erfolgreichen Hinrunde und dem Abgang ihres Kreisläufers ihr ursprüngliches Ziel, ein einstelliger Tabellenplatz, nach oben oder unten korrigiert haben – das Wichtigste im Überblick.

    Auf welches Ziel haben sich die Wölfe eingeschworen?

    „Wir wollen unsere Leistung aus der Hinrunde spielerisch und tabellarisch bestätigen“, sagt Trainer Matthias Obinger. Er wünscht, sich „dass es auswärts weiter so gut läuft und zu Hause noch besser“. In der Auswärtstabelle ist Rimpar (7 Siege/1 Unentschieden/2 Niederlagen) Vizemeister hinter dem Bergischen HC, im Heimtableau dagegen nur Zehnter (5/2/3). „Außerdem würde ich gerne mal einen großen Gegner außer Coburg schlagen“, ergänzt Obinger. „Wenn wir dann auch am Ende auf Platz fünf stehen würden, wäre das richtig gut.

    “ Nicht mehr? „Klar juckt's jeden, ganz oben mitzumischen, das war schon geil letzte Saison. Aber der Aufstieg ist nicht unser offizielles Ziel.“

    Wie schwer wiegt der Weggang von Jan Schäffer nach Erlangen?

    Wie sehr der Verlust von Jan Schäffer die Wölfe schwächen wird, bleibt abzuwarten. „Intern ist er kein Thema mehr“, sagt Obinger zum plötzlichen Wechsel des Kreisläufers zum Bundesligisten HC Erlangen in der Pause, den der Coach mit einer „Operation am offenen Herzen“ verglichen hatte. Schließlich war Schäffer als einer der Liga-Besten auf seiner Position bei den Rimparern weder im Angriff noch im Abwehr-Innenblock wegzudenken. „Jetzt ist er aber weg. Jan geht nun seinen Weg, und wir gehen unseren“, so Obinger. Ihm jedenfalls sei nicht bange. „Ich denke, dass die Mannschaft den Verlust durch ihre Homogenität und Mentalität auffangen und mit Engagement und Emotion wettmachen wird. Außerdem haben wir guten Ersatz bekommen.“

    Sind Patrick Gempp und Sergej Gorpishin ein adäquater Ersatz?

    Patrick Gempp (21), bisher die Nummer zwei am Kreis, hat sich als Neuzugang in der Hinrunde vielversprechend entwickelt und ist nun als neuer erster Mann in Angriff und Abwehr gesetzt. „Ich freue mich darauf, dass ich jetzt von Beginn an spielen darf. Vor einem halben Jahr war ich noch unsicher, aber meine Entwicklung hat mir Selbstvertrauen gegeben.“ Wie Schäffer setzt Gempp seine kräftige Statur – 107 Kilo verteilt auf 1,91 Meter – für eine körperbetonte Spielweise ein. Ein anderer Typ Kreisläufer ist der russische Juniorennationalspieler Sergej Gorpishin (20), der im Tausch für Schäffer aus Erlangen nach Rimpar gekommen ist und dort nun Zweitspielrecht besitzt. Mit seinen zwei Metern kann er auch hohe Bälle fangen. „Wir ergänzen uns als Typen gut“, sagt Gempp, „und kennen uns auch schon ein bisschen aus der Dritten Liga.“ In der vergangenen Saison spielten beide noch mit ihren Ex-Klubs TV Großwallstadt und HF Springe gegeneinander. Gorpishin sei ein „sehr freundlicher, aufgeschlossener Mensch“, der sich schnell und engagiert ins Team integriert habe, sagt Obinger, der überzeugt ist: „Wir werden noch viel Spaß mit ihm haben.“ 

    Der, Sohn des russischen Nationalspielers und zweimaligen Olympiasiegers Wjatscheslaw „Slava“ Gorpishin, freut sich, in Rimpar mit Schäffers Trikotnummer 15 „sehr viel Spielpraxis sammeln“ zu können. Dennoch: Gempp und Gorpishin fehlt Schäffers Erfahrung aus viereinhalb Jahren Zweite Liga und die Eingespieltheit mit der Mannschaft. Damit fehlen den Wölfen auf jeden Fall auch das blinde Verständnis und die Automatismen, von denen ihr Kreisläuferspiel bisher gelebt hat. Das könnte einzelne Punkte kosten.

    Wie verlief die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte?

    Am Anfang stand die Athletik im Vordergrund. Sie war auch Schwerpunkt eines Trainingslagers in Nürnberg/Erlangen im Januar. Mit den Ergebnissen der Leistungsdiagnostik ist Obinger „grundsätzlich zufrieden“, wenngleich er verrät: „Es gab positive wie negative Ausreißer.“ In den vergangenen zwei Wochen lag der Fokus auf der taktischen Feinarbeit. Dass Form und Einstellung der Rimparer zu stimmen scheinen, deuteten die beiden Tests gegen die Bundesligisten „Die Eulen Ludwigsburg“ (25:25) und MT Melsungen (31:33) an. Eine grundsätzliche Steigerung erhofft sich der Coach in der restlichen Rückrunde in Sachen Chancenverwertung, auch beim Siebenmeter.

    Vom Strich verwandelten Patrick Schmidt und Co. in der Hinrunde etwa 70 Prozent ihrer Versuche, 80 Prozent sollen es wieder werden. „Sonst wollen wir vor allem eine richtig gute Abwehr stellen und unser Tempospiel noch ausbauen.“

    Was gab es in der Winterpause bei den Wölfen zu feiern?

    Torwart Max Brustmann ist Ende Dezember erstmals Vater einer Tochter namens Hilla geworden. Patrick Schmidt hat Mitte Januar seine langjährige Freundin geheiratet.

    Was erwartet die Rimparer Fans gegen Saarlouis?

    Das Pflichtspiel-Comeback von Rechtsaußen Max Bauer, ein Dreivierteljahr nach seinem Kreuzbandriss. Und auch Rückraumyoungster Lukas Siegler steht nach seinem Mittelhandbruch wieder im Kader.

    DJK Rimpar Wölfe – HG Saarlouis (Sonntag, 17 Uhr, s.Oliver Arena)

    Alle Jahre wieder Abstiegskampf. Eigentlich wollte die HG Saarlouis diesmal frühzeitig den Klassenerhalt sichern, doch erneut sind die Saarländer als Vorletzter akut in Gefahr. Coach Jörg Bohrmann musste in der Hinrunde seinen Hut nehmen, für ihn übernahm Co-Trainer und Ex-Spieler Philipp Kessler die Verantwortung. Für den langzeitverletzten Kreisläufer Peter Walz verpflichtete der Klub Moritz Barkow nach, der im Sommer mit den Rimparern zur Probe im Trainingslager gewesen, dort aber nicht übernommen worden war. In Saarlouis schlug er ziemlich ein. Noch glauben die HG-Verantwortlichen daran, den Abstieg auch in diesem Jahr wieder abwenden zu können, bevor ein personeller Aderlass und Umbruch ansteht: Die beiden Leistungsträger Jerome Müller (nach Ludwigshafen) und Lars Weissgerber (nach Wetzlar) wurden von Bundesligisten abgeworben. Das Hinspiel gewannen die Wölfe 26:22, im Rückspiel, so sagte Kessler der „Handballwoche“, „kann man etwas holen“. Es wäre der erste Auswärtspunkt in dieser Saison. Doch in Saarlouis stirbt die Hoffnung aus Erfahrung immer zuletzt, und nicht nur das macht den Gegner gefährlich. Text: NG

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