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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

    Wölfe senden eindrucksvolles Lebenszeichen

    Auswärtssieg! Die Handballer der DJK Rimpar Wölfe jubeln nach dem 32:22 beim Wilhelmshavener HV. Foto: BJOERN LUBBE

    Eine steife Brise wehte am Samstag am Jadebusen, für den Sonntag war sogar Schnee angekündigt. Während es am Südstrand von Wilhelmshaven am Nachmittag zog wie Hechtsuppe, bekamen die Handballer der DJK Rimpar Wölfe am Abend in der Nordfrost Arena nur eine Halbzeit lang Gegenwind. In der zweiten waren es sie selbst, die durch die Halle und in der Tabelle von 15 auf zwölf stürmten. Sie gewannen das Zweitliga-Kellerduell beim Wilhelmshavener HV mit 32:22 (16:15), ließen nach der Pause nur noch sieben Gegentore zu und sendeten damit fünf Tage nach der ernüchternden Heimniederlage gegen Emsdetten ein eindrucksvolles Lebenszeichen an die Liga. 

    Geschäftsführer Sauer macht Mannschaft Mut

    „Das war eine richtig, richtig gute Reaktion“, sagte DJK-Trainer Matthias Obinger, nachdem sich die Mannschaft unter der Woche zusammengesetzt und gemeinsam nach Lösungen gesucht hat. „Sie hat gezeigt, was in ihr steckt.“ Gleichzeitig bekundete der 38-Jährige auch Empathie für den Gegner: „Ich weiß, wie sich Wilhelmshaven fühlen muss, ich kenne die Situation nur zu gut.“ WHV-Coach Christian Köhrmann sagte: „Das war ein Brett. Was wir in der zweiten Halbzeit abgeliefert haben, dafür kann man sich nur entschuldigen.“ 

    Am Samstagmorgen hatten sich die Unterfranken auf den Weg Richtung Niedersachsen gemacht zum am weitesten entfernten Spielort an der Nordsee - ohne den an einem Magen-Darm-Infekt erkrankten Benedikt Brielmeier, aber mit der Rückendeckung der Geschäftsführung. „Roland Sauer kam vor der Abfahrt extra zum Bus und hat den Jungs Mut gemacht. Das war extrem wichtig und schön für sie.“ 

    Den Widrigkeiten getrotzt

    Trotz knapp 600 Kilometern und sechseinhalb Stunden Busfahrt in den Knochen starteten die Wölfe sodann am Abend in „Schlicktown“, wie die Einheimischen ihre Stadt nennen, wesentlich wacher und williger als zuletzt gegen Emsdetten. Mit einer ganz anderen Körpersprache gingen sie ihre Gegenspieler in der offensiv eingestellten, zwischen 6:0 und 3:2:1 wechselnden Abwehr an. Lukas Siegler nahm René Drechsler auf Halbrechts unter Sonderbewachung, das ermüdete das Wirken des wurfgewaltigen WHV-Rückraums und eröffnete den Wölfen Möglichkeiten, nach vorne Tempo zu gehen. Nach zwölf Minuten setzten sie sich erstmals auf drei Tore ab (8:5). Zu dem Zeitpunkt hatte DJK-Keeper Max Brustmann auch bereits fünf Bälle pariert.

    Doch vor allem mit Hilfe der Tore von Tobias Schwolow auf Halblinks und vom Kreis hielt sich der WHV nicht nur im Spiel, sondern auf Augenhöhe. Nach 20 Minuten glichen die Gastgeber aus, nach 23 lagen sie erstmals vorn (12:11). So wogte die umkämpfte Partie, die geprägt war von insgesamt zehn Siebenmetern (4/6), bis zur Pause hin und her. Den Treffer zum 16:15 für Rimpar erzielte Philipp Meyer in einer Überzahlsituation quasi mit dem Halbzeitpfiff in den verwaisten WHV-Kasten.

    WHV-Rückraum trifft nach Pause nicht mehr

    Nach dem Seitenwechsel ein ähnliches Bild wie zu Beginn. Die Gäste starteten präsent, Steffen Kaufmann, Max Bauer und Fin Backs per Konter erhöhten zur ersten Vier-Tore-Führung. Als dann auch noch Rutger Ten Velde eine Zweiminutenstrafe kassierte, weil er Kaufmann beim Einwurf be- und damit eine schnellen DJK-Angriff verhinderte, hieß es sogar 20:15 für die Wölfe. Wilhelmshaven gelang der erste Treffer im zweiten Durchgang erst nach sieben Minuten – per Strafwurf; aus dem Feld fiel erst wieder einer in der 42. Minute zum 17:23. Das sprach für die Konsequenz, mit der die Unterfranken verteidigten. Dem Rückraum der Nordlichter gelang nach der Pause kein einziges Tor mehr! „Man hat gesehen, dass der Kopf richtig zugemacht hat“, sagte Köhrmann, „wenn man selbst das leere Tor nicht trifft.“ Klare Kritik äußerte der Coach auch: „Die Führungsspieler habe ich in der zweiten Hälfte nicht gesehen.“

    Schaulaufen bis zum Schluss

    Nach seiner zweiten Auszeit in der zweiten Hälfte (41.) hatte Köhrmann seine Abwehr auf 5:1 umgestellt mit einer Manndeckung für Kaufmann. Das wiederum schuf Freiräume für Siegler, die dieser dankend nutzte und mit seinen Treffern Nummer fünf, sechs und sieben zum 27:17 (48.) abstaubte. „Lukas hat ein super Spiel gemacht“, lobte Obinger den 21-Jährigen auf Nachfrage, betonte aber gleichzeitig: „Ich kann heute keinen herausheben. Das war eine mannschaftliche Machtdemonstration.“ Die in den letzten zehn Minuten nur noch ein Schaulaufen war.

    Zum Jahresabschluss stehen nun noch die beiden Weihnachtsheimspiele gegen den TV Hüttenberg (22.12.) und TuSEM Essen (26.12.) an. Dann zeigt sich, ob der Kantersieg im winterlichen Wilhelmshaven schon so etwas wie ein Frühlingserwachen der Wölfe verspricht.


    Die Statistik des Spiels

    Wilhelmshaven: Doden (42./4 Paraden), Lüpke (1—41./6 Paraden) - ten Velde 7/5, Lehmann, Postel 2, Schauer 1, Schluroff 1, Vorontsov 1/1, Köhler, Kozul 1, Schwolow 5, Andrejew 1, Drechsler 2, Pust 1.

    Rimpar: Brustmann (1.- 60./14 Paraden), Wieser (bei drei Siebenmetern, 1 Parade) – Böhm, Gempp 4, Schmidt 1, Kaufmann 4, Siegler 8, Meyer 1, Bauer 2, Schulz 1, Backs 4, Herth 5/5, Sauer 2.

    Spielfilm: 1:3 (4.), 3:3 (8.), 5:8 (12.), 7:8 (14.), 7:10 (16.), 10:10 (21.), 12:11 (23.), 15:16 (Halbzeit), 15:20 (37.), 16;23 (41.), 17:27 (48.), 22:32 (Endstand).

    Siebenmeter: 7/6 : 6/5.

    Zeitstrafen: 3:4.

    Schiedsrichter: Matthias Klinke/Sebastian Klinke (Bordesholm).

    Zuschauer: 1055.

    Natalie Gress

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