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    Basketball: Bundesliga

    Woran die Baskets arbeiten sollten

    Drei gegen einen: Würzburgs Devin Oliver im Vierkampf mit den Vechtaranern (von links) Austin Hollins, Clint Chapmann und Hinrichs Seth. Foto: Heiko Becker

    Erst kurz hui, dann lange pfui, anschließend leidenschaftlich, am Ende auch etwas glücklos: Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg hat die Generalprobe vor dem wichtigsten Spiel der Klubgeschichte verpatzt (wie bereits vor dem ersten Europapokalfinale vergangene Woche): Mit 85:92 (33:52) unterlagen die Baskets am Samstagabend dem Überraschungsaufsteiger Rasta Vechta - und dabei wurden erneut die aktuellen Bau- und Schwachstellen der Mannschaft überdeutlich sichtbar.

    Nach einem fulminanten Start der Hausherren mit einer 11:3-Führung (4.) fand Gäste-Trainer Pedro Calles in der Auszeit offenbar die richtigen Worte. Vechta nahm die Partie an sich - und was sich dann bis zur Pause abspielte, machte Baskets-Trainer Denis Wucherer fast sprachlos und ärgerte ihn maßlos: "Was in diesen 15 Minuten passiert ist und wie wir da aufgetreten sind, war indiskutabel und nicht zu akzeptieren", zürnte der 45-Jährige. Im zweiten Viertel lagen die Würzburger zwischenzeitlich mal mit 22 Punkten hinten, mit 19 Zählern Rückstand ging's dann in die Pause.

    Steigerung nach der Pause

    Dort traf dann offenbar Wucherer den richtigen Ton. "Ich habe den Jungs gesagt, dass das so zu Hause, vor unseren Fans, die dafür bezahlt haben, Euch zu sehen, gar nicht geht und dass sie endlich den Wettkampf annehmen sollten." Das taten die Spieler dann auch. Punkt und Punkt eichhörnchenten sich die Baskets wieder heran. Beim Stand von 62:69 ging es in den Schlussabschnitt, in dem die Aufholjagd dann ihre Fortsetzung erfuhr. 110 Sekunden waren im vierten Viertel gespielt, als Xavier Cooks mit einem Dreipunktespiel die 70:69-Führung herauswarf. Zur Mitte des Abschnitts versenkte dann Skyler Bowlin - mit insgesamt 22 Zählern erfolgreichster Würzburger Werfer - seinen fünften und letzten Dreier zum 80:78.

    Gabriel Olaseni gegen (von links) Clint Chapman, Chris Carter und Michael Kessens. Foto: Heiko Becker

    Anschließend aber bewies der Tabellenvierte, der bereits für die Play-offs qualifiziert ist und gegen Bamberg, das zwei Siege hinterherhinkt, um den Heimvorteil im Viertelfinale kämpft, seine Klasse. Allen voran Austin Hollins. Mit zwei Dreiern sorgte er für die 87:81-Führung der Gäste, und in den restlichen zweieinhalb Minuten ließen sich die Niedersachsen die Butter dann auch nicht mehr vom Brot nehmen. Dem jungen Philipp Herkenhoff war es 13,7 Sekunden vor dem Ende vorbehalten, aus der Distanz für den Endstand zu sorgen.

    Jordan Hulls Vertragsverlängerung als Signal?

    So war an diesem Samstag also die beste Nachricht, die die Baskets ihrem Anhang präsentieren konnten, die Vertragsverlängerung von ihrem Treffsichersten: Jordan Hulls, der wegen einer Rippenprellung geschont wurde, unterschrieb für zwei weitere Jahre bei den Würzburgern, die sich davon auch eine Signalwirkung für andere Spieler erhoffen. Die Baskets verhandeln gerade mit den Agenten von Xavier Cooks (16 Punkte gegen Vechta) und Devin Oliver (21) über einen Verbleib der beiden Leistungsträger. Und was man so hört, sollen die Chancen gar nicht so schlecht stehen, weil die Würzburger offenbar doch nicht ganz so heftig auf die Sparbremse treten müssen, wie es noch vor ein paar Wochen den Anschein hatte.

    Was also bleibt nach dem Rückschlag im Play-off-Qualifikationsrennen und vor dem finalen Europe-Cup-Finale gegen Dinamo Sassariam Mittwoch (1. Mai, 17 Uhr, s.Oliver Arena) neben der Hoffnung, dann Historisches zu leisten? Es war zwar nicht das erste Mal in dieser Spielzeit, aber am Samstagabend besonders augenfällig: Die Baskets haben aktuell zwei richtig große Baustellen. Die Centerposition. Und die Bank, wenn die deutschen Spieler eingewechselt werden. Seit geraumer Zeit schon spottete mancher Beobachter: Die Würzburger kommen mit ihren zwei Centern Gabriel Olaseni und Mike Morrison gerade mal auf einen. Am Samstagabend kamen sie - wohlwollend gerechnet -vielleicht auf einen halben. Neun Punkte erzielten sie, und neun Rebounds holten sie. Zusammen. Im Grunde viel zu wenig, um ein ernsthafter Play-off-Kandidat zu sein. Xavier Cooks schnappte sich am Samstag alleine neun Abpraller, Devin Oliver sieben.

    Diese Problemstellen werden sich bis Mittwoch auch nicht ändern. Nichtsdestotrotz haben die Baskets realistische Chancen, Geschichte zu schreiben und als erste unterfränkische Mannschaft einen internationalen Titel zu gewinnen. Weil sie gegen die Sarden, die das Hinspiel 89:84 gewannen, nur fünf Punkte aufholen müssen. Nun gilt es, sich darauf - wie die Basketballer so inflationär sagen - zu fokussieren.

    Die Statistik des Spiels

    s.Oliver Würzburg - Rasta Vechta 85:92 (18:27, 15:25, 29:17, 23:23)

    Würzburg: Bowlin 22 (fünf Steals), Oliver 21 (sieben Rebounds), Cooks 16 (neun Rebounds, sechs Assists), Wells 7, Lösing 6, Olaseni 5, Koch 4, Morrison 4, Hoffmann, Fischer.

    Top-Scorer Vechta: Hollins 21, Chapman 11, Christen 10

    Rebounds: 36 - 35

    Treffer aus dem Feld: 30/67 (45 %) - 32/64 (50 %)

    Dreierquote: 15/31 (48 %) - 14/23 (61 %)

    Freiwurfquote: 10/17 (59 %) - 14/18 (78 %)

    Turnovers: 17 - 17

    Steals: 8 - 8

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