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    RUDERN

    Würzburger Geschwister sorgen für Aufsehen

    Der Mixed-Achter des Akademischen Ruderclub Würzburg bei der Bayerischen Meisterschaft in Schweinfurt. Foto: Steffen Krapf

    „Zieh, zieh!“ – wer das am Wochenende am Mainufer in der Schweinfurter Wehranlage hörte, war ganz sicher bei den 48. Bayerischen Ruder-Meisterschaften. Der typische Anfeuerungsruf wurde natürlich bei keinem der über 150 Läufen vermisst. Es war mal wieder ein Kraftakt für den veranstaltenden Schweinfurter Ruder-Club „Franken“ von 1882. Über 100 ehrenamtliche Helfer – das reichte vom Kuchenverkauf bis zur Organisation der Wettbewerbe – zeigten vollen Einsatz, um die Ruder-Großveranstaltung in Schweinfurt zu realisieren.

    Zwei Jahre Vorbereitung

    Der Verein war selbstredend stolz wie Oskar, gerade in Zeiten, in denen immer mehr Vereine den Schwund im Ehrenamt beklagen, ist eine derartige „Man-Power“ nicht hoch genug zu bewerten. Die Vorbereitungen auf die Bayerische liefen quasi schon vor zwei Jahren an, als die Ruderelite des Bundeslandes letztmals auf der Schweinfurter Regattastrecke an den Start ging.

    Pressesprecher Philipp Grimm war am Sonntagnachmittag, noch vor den letzten Hauptrennen locker, entspannt und hochzufrieden – wohl auch, weil sein Sohn Lorenz gerade die bayerische Meisterschaft im Einer der 14-Jährigen gewonnen hatte: „Das Wetter hat gepasst. Die Wasserbedingungen waren günstig. Das ist immer ein großer Unsicherheitsfaktor, den wir nicht beeinflussen können.“ 451 Athleten nahmen teil, in 450 Booten.

    Die Besonderheit am Standort Schweinfurt, der zum 13. Mal Veranstalter der Bayerischen war, ist, dass der Wettbewerb in einem offenen Gewässer stattfindet, nicht etwa wie in Oberschleißheim, wo im Wechsel mit Schweinfurter die bayerischen Ruder-Meisterschaften ausgerichtet wird, auf einer ehemaligen Olympiastrecke.

    „Es ist schon schade, dass die Vereine überall nicht mehr so viele Ehrenamtliche finden. Daher sind Großveranstaltungen wie die heute leider rückläufig. Wenn man mit einer schwarzen Null rausgeht, ist man schon glücklich“, meint Grimm, der sich aber glücklich über die eingeschworene Ruder-Familie zeigt – nicht nur in Schweinfurt: „Die Leute kennen sich zum Teil schon seit Jahrzehnten. Unter den Helfern sind auch etliche ehemalige Rennruderer. Dann trifft man an so einem Tag wieder alte Bekannte, gegen die man vor 20 oder 30 Jahren gerudert hat. Rudern ist ein spezieller Sport, der auch davon lebt, dass sich im Prinzip alle Sportler kennen.“

    Eine echte Familien-Bande sorgte auch für den Akademischen Ruderclub Würzburg, der die Mannschaftswertung um den „Bayerischen Löwen Pokal“ und den „Audi Pokal“ gewann, für Aufsehen. Einen großen Anteil an diesem Erfolg hatten die Geschwister Kiesel. Fabienne, Josephine, Tom und Sebastian waren bei der Bayerischen nicht zu schlagen.

    Am Samstag gewannen die Kiesels im Mixed-Doppelvierer vor der Konkurrenz aus Erlangen. Tags drauf – zwar ohne den Jüngsten der Vier, Tom, der sich auf einen Schulausflug verabschieden musste – waren die verbliebenen drei Kiesels erneut erfolgreich. Im Mixed-Achter sah der Ruderverein Erlangen die Würzburger wieder nur von hinten. Zwei bayerische Meisterschaften im Hause Kiesel. Kein Wunder, dass die Stimmung bei den verbliebenen Drei am Sonntag außerordentlich gut war.

    „Zum Rudern angestiftet“

    „Unsere Schwester hat uns alle zum Rudern angestiftet“, klärt die 21-jährige Josephine Kiesel, die vor drei Jahren Vize-Weltmeisterin bei den Juniorinnen im Achter wurde, die einheitliche Begeisterung auf: „Ich rudere nun seit zehn Jahren. Mittlerweile lebe ich aber in den USA. Zum studieren – und natürlich zum Rudern.“ In Schweinfurt saßen erstmals alle Vier in einem Boot. Mit großem Erfolg. Wobei Sebastian, der zweitälteste im Bunde, auch gleich mal klarstellt, dass es durchaus seine Tücken hat, mit drei Geschwistern im selben Boot zu sitzen: „Das ist wie im wahren Leben. Mal ist es schön mit den Geschwistern, mal weniger schön. Man kennt und schätzt sich, aber man kennt eben auch die Schwächen des anderen – die kann man auch gegeneinander ausspielen, wenn man versucht das Machtgefüge im Boot etwas zu regeln.“

    „Man nimmt bei den Geschwistern halt auch kein Blatt vor dem Mund“, fügt Fabienne an. Wer die Frohnaturen nur einen Moment erlebt, versteht natürlich sofort, dass da viel Flachs dabei ist. Dazu gehört es auch, den kleinen Bruder Tom noch etwas aufzuziehen, nach dem er die Medaille am Sonntag verpasste: „Der wird sich richtig ärgern“, ist sich Sebastian sicher: „Aber der wird das verkraften, als aktivster und mit zuletzt zwei deutschen Vizemeisterschaften der erfolgreichste von uns.“

    Jetzt gehen die Geschwister aber erstmal (sportlich gesehen) getrennte Wege. Josephine muss zurück in die USA und wird dort in diesem Jahr noch an einigen Ruder-Wettbewerben teilnehmen. Ihre große Schwester Fabienne wird im August noch eine Uni-Regatta in China fahren. Die zwei Brüder bleiben allerdings in heimischen Gefilden. Unter anderem steht die Bocksbeutel-Regatta in Würzburg im Oktober auf dem Programm. Nächstes Jahr wollen die Kiesels dann wieder gemeinsam auf der Bayerischen für Furore sorgen.

    Ergebnisse in Auszügen

    Bei der Bayerischen Ruder-Meisterschaft gab es drei Pokale zu gewinnen.

    Bayerischer Löwe-Pokal: 1. Akademischer Ruderclub Würzburg – 609 Punkte, 2. Münchener Ruder- und Segelverein „Bayern“ – 540, 3. Rudergesellschaft München 1972 – 437,5 ( . . . ) 5. Würzburger Ruderverein – 297.

    Audi-Pokal-Wertung: 1. Akademischer Ruderclub Würzburg – 105,75, 2. Münchener Ruder- und Segelverein „Bayern“ – 73,5, 3. Ruderverein Erlangen – 64 ( . . . ) 7. Würzburger Ruderverein 6,75.

    Jugend-Pokal-Wertung: 1. Rudergesellschaft München – 285, 2. Würzburger Ruderverein – 276. Ruder-Club Aschaffenburg – 271 (...) 8. Akademischer Ruderclub Würzburg – 124.

    Bayerische Titel:

    ARCW, 47 Stück; WRVB, 22 Stück.

    Drei der vier Kiesel-Geschwister: (von links) Fabienne, Sebastian und Josephine. Foto: Steffen Krapf

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