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    Würzburger NBA-Profi: Maximilian Kleber hat seine Heimat nicht vergessen

    Die Zukunft des Würzburger Basketballers in der NBA ist derzeit noch offen. Dafür scheint sich abzuzeichnen, dass der 27-Jährige sich in seiner Heimatstadt engagiert.
    Zwei Würzburger in Dallas: Maximilian Kleber und Dirk Nowitzki an jenem Abend in Texas, an dem Nowitzki sein Karriereende bekantgab.
    Zwei Würzburger in Dallas: Maximilian Kleber und Dirk Nowitzki an jenem Abend in Texas, an dem Nowitzki sein Karriereende bekantgab. Foto: Tony Gutierrez

    Selbstverständlich hätte er - etwas flapsig ausgedrückt - sagen können: Rutsch mir den Buckel runter. Ich bin in Urlaub und will nicht gestört werden. Und dann hätte man jegliches Verständnis für so ein Echo haben können, vermutlich sogar müssen. Aber unabhängig davon, dass man ihn wahrscheinlich schon mächtig ärgern müsste, damit er solche Wörter wählen würde - irgendwie kann man sich gar nicht ausmalen, dass Maximilian Kleber derart reagiert.

    Im Gegenteil: Schreibt man dem gebürtigen Würzburger Basketballer eine kurze WhatsApp-Nachricht mit der Bitte, sich vielleicht noch kurz auszutauschen über den erstaunlichen internationalen Erfolg seines Heimatvereins, ruft er wenig später zurück. Bekommt man das dann nicht mit, probiert er es sogar mehrfach. Steht die Leitung dann, entwickelt sich - wie immer - ein sehr angenehmer Plausch mit einem Profisportler, der in der besten Liga der Welt seiner Branche nach einem für einen Rookie durchaus erstaunlich gelungenen ersten Jahr sich im zweiten noch steigern konnte.

    Rückblende. Anfang April. Dallas, US-Bundesstaat Texas. Die großen Dirk-Nowitzki-Weihefestspielwochen neigen sich dem Ende zu. Der große alte Mann der NBA gibt nach 21 Jahren für die Dallas Mavericks sein Karriereende bekannt, und sein 27-jähriger Teamkollege Maximilian Kleber zieht auf der Dachterrasse des Apartmenthauses in Uptown, auf die er zum kurzfristig vereinbarten Gespräch eingeladen hat, eine kleine, persönliche Saisonbilanz:

    Frage: Nach einem erfolgreichen ersten Jahr in der NBA konnten Sie alle relevanten Statistikwerte in der zweiten Saison steigern. Für Sie war es - im Gegensatz zum Klub, der die Play-offs im dritten Jahr in Folge verpasst hat - ein erfolgreiches Jahr . . .

    Maximilian Kleber: Auf jeden Fall. Das zweite Jahr ist auch ein bisschen leichter, wenn man sich dann besser auskennt. Man weiß genauer, was der Coach von einem will, wie die NBA überhaupt tickt und worauf man aufpassen muss. Es gibt ja immer auch diese Phasen in einer Saison, in denen du körperlich einbrichst, in denen du müde wirst, einfach durch die enorme Anzahl der Spiele. Im zweiten Jahr bist du darauf besser vorbereitet.

    Maximilian Kleber hat sich in der NBA durchgesetzt.
    Maximilian Kleber hat sich in der NBA durchgesetzt. Foto: Ringo Chiu

    82 Partien absolviert jeder NBA-Klub in der regulären Saison, also von Mitte Oktober bis Mitte April. Die Taktung des Spielplans könnte bei Athleten anderer Sportarten Angstzustände und Muskellähmungen hervorrufen. Kleber stand in 71 Begegnungen auf dem Parkett, im Schnitt jedesmal über 21 Minuten, in denen er 4,6 Rebounds sich krallte und 6,8 Punkte warf. Nicht schlecht für einen Europäer, der von der Bank kommt.

    Für den Klub ist die Saison enttäuschender verlaufen als geplant. Geht das aufs Gemüt?

    Kleber: Es war phasenweise schon extrem frustrierend, weil du als Sportler natürlich immer gewinnen und deine Ziele erreichen willst. Das Problem war halt: Wir hatten viele neue Spieler, und man kann nie vorhersagen, ob es als Team dann auch passt oder nicht. Leider hat es nicht geklappt. Und dann, wenn es nicht klappt, kommt die Phase mit den Trades, dem Spielertauschen, den Nachverpflichtungen. Du weißt: Irgendwas wird passieren. Du weißt aber nicht, was aus dir wird. Da machst du dir natürlich deine Gedanken. Andererseits darf dich das natürlich nicht zu sehr ablenken, weil du weiter Leistung bringen musst und weißt: Es gehört zum Geschäft.

    "Man muss realistisch sein, auch als Spieler: Man muss verstehen, dass es ein Business ist."
    Maximilian Kleber

    Das Milliardengeschäft NBA ist kompliziert, nicht nur das Tauschen von Spielern während der Saison, auch vor einer Spielzeit ist das Gestrüpp des Bäumchen-wechsel-dichs schwierig zu durchschauen. Viele Faktoren spielen hinein: der Draft im Juni, in dem die Vereine die größten Talente verpflichten können, die Gehaltsstrukturen innerhalb einer Mannschaft, der Wunsch, vielleicht noch einen großen Star zu verpflichten. Nach allem, was man so hört, könnte Kleber jetzt - nach einem für NBA-Verhältnisse (!) normalen, eher schmächtigen Rookie-Vertrag mit erst knapp unter und dann gut über einer Million Dollar im Jahr - eine sehr ordentliche Aufstockung seines Salärs winken. Kleber ist vertragslos, er und sein Agent können frei verhandeln. Nicht umsonst heißt es: Der erste NBA-Vertrag dient der Eitelkeit - ab dann wird richtig Geld verdient. Maximilian Klebers Zukunft entscheidet sich im Juli, ab Monatsbeginn darf mit Spielern verhandelt werden. Ab dem 6. dürfen Verträge dann unterschrieben werden. Alles geregelt von der stärksten Liga der Welt. "Es ist gerade ein Geduldsspiel", sagt Kleber.

    'Ich wäre nicht abgeneigt zu bleiben.'
    "Ich wäre nicht abgeneigt zu bleiben." Foto: TOM PENNINGTON

    Die Mavericks scheinen nun, nach dem Abschied von Nowitzki, um Luka Doncic und Kristaps Porzingis eine neue Mannschaft aufbauen zu wollen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Dallas bleiben, erscheint eher unwahrscheinlich, oder?

    Kleber: Ich wäre nicht abgeneigt zu bleiben. Ich fühle mich hier wohl. Ich kenne mich hier aus, ich kenne die Leute. Der Wohlfühlfaktor spielt schon mit. Aber natürlich: Am Ende hängt es von vielem ab, auch davon, welche Angebote reinkommen. Man muss realistisch sein, auch als Spieler: Man muss verstehen, dass es ein Business ist. Für mich ist am wichtigsten: Wie ist die Gesamtsituation? Trainer, Spielsysteme, der Klub, und dann natürlich auch das Geld. Ich würde jetzt nicht sagen: Nur weil ich da oder dort am meisten krieg, da gehste jetzt dahin. Du möchtest ja nicht nur dahingeholt werden, und dann sitzt du nur auf der Bank. Ich möchte ja auch spielen.

    Ihre große Stärke ist die Verteidigung. Ein Pfund, mit dem Sie wuchern können in dieser vor allem von der Offensive geprägten Liga.

    Kleber: Genau. Ich glaube, da habe ich auch den größten Schritt vom letzten Jahr zu diesem Jahr gemacht, Beinschnelligkeit und so. Und ich gehe auch davon aus, dass ich jetzt im Sommer, wenn ich viel Zeit zum Trainieren habe, mich nochmal verbessern kann. Ich glaube, dass ich ein guter Verteidiger bin, und ich würde mich natürlich freuen, in Dallas zu bleiben, weil ich auch glaube, dass ich bei diesem Neustart gut mit reinpassen würde. Mit Doncic und Porzingis haben wir zwei extrem gute Offensivspieler, sehr balldominant. Ich will ja gar nicht so viele Würfe, ich brauche das nicht. Ich will schauen, dass ich die richtigen Plays mache.

    Maximilian Kleber hat in der vergangenen Saison verdammt viele richtige Plays gemacht. Hat man da überhaupt noch Zeit und Lust, in die alte Heimat zu schauen?

    'Also erstmal: Glückwunsch zu diesem Erfolg!
    "Also erstmal: Glückwunsch zu diesem Erfolg! Foto: Heiko Becker

    Ihr Heimatverein s.Oliver Würzburg, der ja mit dem Europe-Cup-Finale international erstaunlich erfolgreich war, will Sie gerne irgendwie einbinden, damit Sie mithelfen, den Standort attraktiver zu machen. Wie schaut das konkret aus?

    Kleber: Also erstmal: Glückwunsch zu diesem Erfolg! Ich war ja beim Rückspiel in der Halle. Die Stimmung war großartig. Was mein Engagement angeht: Das ist natürlich nicht ganz so leicht, weil ich ja vor allem erst mal in den USA bin. Aber ganz grundsätzlich: Wir haben uns unterhalten und Ideen ausgetauscht. Ich bin in Würzburg groß geworden, und ich verbinde natürlich ganz viel Heimat, Familie, enge Freunde damit. Es ist eine ganz besondere Verbundenheit, und wenn ich zurückdenke, dann waren es wirklich tolle Jahre in Würzburg. 

    Sie haben als ganz junger Spieler den Durchmarsch aus der Regionalliga bis in die höchste Klasse mitgemacht und dann drei Jahre lang Bundesliga in Würzburg gespielt . . . 

    Kleber: Stimmt. Aber zwischenzeitlich konnte ich durch verschiedene Verletzungen auch nicht das zurückgeben, was ich gerne zurückgeben wollte. In Würzburg gibt es eines der besten Publikums der Liga. Das war für junge Spieler wie mich damals oft auch ein großer Motivationsschub. Wie mein Engagement letztlich aussehen könnte, ist noch nicht geklärt, wir sind da noch am Absprechen. Aber grundsätzlich bin ich dem nicht abgeneigt. Wichtig wäre wirklich, dass Würzburg eine neue große Halle bekäme, das hätten die Stadt, die Basketballfans und der Verein verdient. Und ich bin davon überzeugt, dass die Fans dann aus der alten "Turnhölle" auch in der neuen Halle eine machen und dieselbe Stimmung schaffen würden.

    Mit Maximilian Kleber kann man dann auch noch länger über viele dieser Themen und über die Heimat plaudern - und dabei den Eindruck gewinnen, dass es eben nicht nur Fensterreden sind, die von ihm kommen. Ganz zum Schluss meint er dann, dass er sich darauf freuen würde, wenn man sich mal wieder trifft in der Heimat.

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