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    FUßBALL: BAYERNLIGA NORD, MÄNNER

    Quo vadis, WFV?

    Grund zur Zufriedenheit gab es für Marc Reitmaier (links) und seinen Co-Trainer Maurizio Orofino in dieser und in der le... Foto: Heiko Becker

    Die Hinrunde in der Fußball-Bayernliga ist noch nicht beendet, da steht für den Trainer des Würzburger FV schon fest, dass er seinen Vertrag nach der Saison nicht verlängern wird. Marc Reitmaier erklärt seinen Schritt damit, dass er sich sportlich weiterentwickeln wolle. Schon länger träumt der A-Lizenz-Inhaber davon, seine Ausbildung zum Fußballlehrer zu machen, um irgendwann im Profibereich zu arbeiten. Dass dafür noch einige Zwischenstationen nötig sein werden, ist ihm klar. Denn pro Jahr gibt es nur 24 freie Ausbildungsplätze an der Sportschule im beschaulichen Hennef. „Die meisten davon sind mit Ex-Profis und Verbandstrainern besetzt“, erklärt Reitmaier, der aus Kleinrinderfeld stammt und in seiner aktiven Zeit unter anderem für den 1. FC Schweinfurt 05, die Würzburger Kickers und den WFV auf dem Platz stand. Als Spieler wurde er beim VfL Wolfsburg ausgebildet.

    Klassenerhalt gesichert

    Als Trainer hat er mit den Zellerauern in den letzten drei Jahren Beachtliches geleistet. Als er die Mannschaft im August 2015 von Christian Graf übernahm, stand sie mit vier Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Nach einer Aufholjagd mit sieben Siegen aus den letzten zehn Partien endete die Spielzeit für die Zellerauer mit 38 Punkten auf Rang zwölf. Der Klassenerhalt war gesichert. Auf die solide Saison 2016/17 (ebenfalls Rang zwölf) folgte die seit langer Zeit erfolgreichste für den WFV. Als Tabellendritter schrammte er nur haarscharf an Platz zwei und damit der Relegation um den Aufstieg in die Regionalliga vorbei. Dass die Reitmaier-Elf in diesem Jahr noch einmal ähnlich durchstarten würde, hätte kaum einer gedacht. Doch nach 14 Spieltagen stehen die Blauen mit 34 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz und sind zudem das einzige Team in der Bayernliga, das noch ungeschlagen ist. Bis auf Benjamin Schömig (Knieverletzung) ist der Kader komplett, die Mannschaft brennt und zeigt auf dem Platz nicht nur ihr Können, sondern auch Leidenschaft.

    Warum also hat Reitmaier gerade diesen Zeitpunkt gewählt, um seinen Abgang zu verkünden? „Der Verein kam frühzeitig auf mich zu, um den Vertrag für die kommende Saison zu verhandeln. Ich wollte nicht um den heißen Brei herumreden, sondern den Verantwortlichen sagen woran sie sind“, sagt der 35-jährige Coach. Der Verein bedankte sich in einer am Donnerstagnacht verschickten Pressemitteilung für die „gute Zusammenarbeit und die tolle sportliche Entwicklung“ und attestiert dem scheidenden Trainer, ein echter Sportsmann zu sein, der bis zum Saisonende weiter alles geben werde.

    Das Geld sitzt nicht locker

    So harmonisch, wie es diese Zeilen vermuten lassen, dürfte es beim WFV zuletzt nicht immer zugegangen sein. Schenkt man Insidern Glauben, haderte der um Professionalität bemühte Reitmaier öfters mit den Umständen an der Mainaustraße. „Die Rahmenbedingungen sind nicht immer einfach und beeinflussen die gezielte und bestmögliche Weiterentwicklung der Mannschaft“, gab er im Gespräch mit dieser Reaktion am Freitagmorgen auf Nachfrage zu, ohne dass er ins Detail gehen wollte. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass bei den Zellerauern das Geld nicht locker sitzt und deshalb nach dem Minimax-Prinzip gearbeitet werden muss – sprich, mit minimalem Aufwand soll maximaler Erfolg erzielt werden.

    Da kann es schon einmal passieren, dass abends, wenn die Mannschaft zum Training auflaufen will, das Flutlicht nicht funktioniert, dass nicht für alle Spieler beim Auswärtsspiel Stutzen da sind, oder der Bus, in dem sie gefahren werden, auch bei 35 Grad Außentemperatur nicht klimatisiert ist. Zuletzt verzögerten sich die im August fälligen Gehaltszahlungen an die Spieler. Das bestätigt Matthias Zink, Vorstand Marketing beim WFV, auf Nachfrage. „Grund dafür war eine Fehlbuchung. Das war einmalig, und inzwischen ist alles gezahlt“, erklärt er. Das Budget, das dem Vernehmen nach im unteren sechsstelligen Bereich liegt, stehe für die aktuelle Saison, allerdings sei absehbar, dass es im nächsten Jahr gekürzt werden müsse. „Es ist schwer, Sponsoren zu finden“, so Zink.

     

    Wir für Vier" läuft weiter

    Das zu Beginn dieses Jahres ins Leben gerufene Projekt „Wir für Vier“ hat daran – so wie es aussieht – nichts geändert. Auch wenn der Verein keine detaillierten Zahlen nennt. Fest steht, dass der als Leiter für das Sponsoring eingestellte Vertriebs- und Marketingspezialist Markus Lutz seit dem Sommer nicht mehr für den WFV arbeitet. Grund dafür sei der Tod seines Geschäftspartners gewesen, erklärt Lutz auf Nachfrage. Durch den Abgang des Sponsoring-Leiters sei natürlich alles ein wenig ins Stocken geraden, gibt Zink zu, betont aber auch, dass es bei dem Projekt „Wir für Vier“ nicht nur darum geht, Geld heranzuschaffen. „Unser Fokus liegt nun darauf, die Infrastruktur zu schaffen, die für den Aufstieg und den Verbleib in der Regionalliga nötig ist“, erklärt er. Auch mit Verweis darauf, dass man für den Aufstieg in Liga vier nie einen konkreten Zeitpunkt definiert habe.

    Nach der Fusion mit dem benachbarten SV 09 Würzburg im August sollen dort als erstes Gebäude und Gelände auf Vordermann gebracht werden. 80 000 Euro gab es laut Zink für infrastrukturelle Maßnahmen von der Stadt. Vorrangig gelte es, Duschen und Toiletten zu sanieren. Denke man über eine langfristige Lösung, wie den Bau eines neuen Vereinsheims auf dem 09-Gelände, nach, ist man laut Zink schnell bei Kostenkalkulationen von 1,5 Millionen Euro. Geld, das der Verein nicht hat. „Darüber müssten wir noch einmal mit der Stadt reden“, hofft das Vorstandsmitglied auf Hilfe.

    Hoffen auf die Jugend

    Grundsätzlich sei es ihm und seinen Vorstandskollegen wichtig, der Jugend eine Perspektive zu geben und nicht die Belange der ersten Mannschaft über alles zu stellen. „Wir sind ein Verein, keine AG. Wir müssen uns um alle kümmern“, sagt Zink. Womöglich war auch die Jugendförderung ein Streitpunkt zwischen Trainer und Verein. Während der Vorstand gerne mehr junge Spieler aus den eigenen Reihen in der Bayernliga-Startelf sehen würde, will sich Reitmaier, der im Jugendbereich weiter für die TSG Hoffenheim, als Scout tätig ist, diesbezüglich nicht reinreden lassen.

    Er setzt auf seinen bewährten Kader mit zum Großteil gestandenen Spielern. Zur Wahrheit gehört auch, dass der Sprung von der U 19 oder U 17, die beide in der Landesliga antreten, zu den Aktiven in die Bayernliga ein sehr großer ist. So wird Reitmaier wohl auch am Samstag auf die erprobten Spieler setzen, wenn um 15 Uhr der SC Eltersorf (7./23) an die Mainaustraße kommt. Mit den Brüdern Bastian und Tobias Herzner, Calvin Sengül und Manuel Stark verfügen die Mittelfranken, die üblicherweise im 4-1-4-1-System antreten, über eine der besten Offensiven der Liga. „Wir gehen selbstbewusst in die Partie, weil wir bisher eine stabile Saison gespielt haben. Dass wir ungeschlagen bleiben wollen, ist klar“, sagt Reitmaier.

    Wer ihn beerben soll, steht noch nicht fest. Darum wollen sich Vorstandsvorsitzender Manuel Matterstock und der sportliche Leiter Jürgen Roos kümmern.

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