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    FUßBALL: TOTO-POKAL-FINALE

    Zum Saisonfinale gibt Shapourzadeh fast den Lewandowski

    Die Toto-Pokal-Sieger aus Würzburg.
    Die Toto-Pokal-Sieger aus Würzburg. Foto: Foto2Press/Frank Scheuring

    Dass die Aufstiegsfeierlichkeiten der letzten Tage vermutlich fast so viel Kraft gekostet hatten wie die zwei Relegationskämpfe gegen Duisburg, merkte man den Würzburger Kickers beim Toto-Pokal-Finale am Samstag bei der gastgebenden SpVgg Unterhaching schon an, jedenfalls in Hälfte eins. Dennoch krönten die Kickers ihre famose Saison mit einem 6:2 (0:1) auch noch mit einem Titel und dem Gewinn eines silbernen Henkelpotts. Außer um 5000 Euro Siegprämie ging es sportlich noch um die goldene Ananas. „In der ersten Halbzeit hat man gesehen, was Alkohol mit Menschen anrichten kann“, sagte Hollerbach – und verzog keine Miene dabei, weil er weiß, dass so der Scherz noch ein wenig spitzbübischer rüberkommt. Ernsthafter fügte er an: „Wir waren noch schläfrig, müde und träge.“

    Kein Wunder, wenn man auch nach einem Aufstieg so Gas gibt wie in den entscheidenden Partien: Nach dem Triumph von Duisburg waren die Kickers in der Nacht auf Mittwoch in einer Würzburger Keller-Disco zugange, bis es hell wurde. Tags darauf feierte die Mannschaft mit ihren Anhängern in der Innenstadt, es wurde anschließend über den Dächern von Würzburg bei einer Party gegrillt, ehe es wieder eine lange Nacht wurde in einem anderen Würzburger Club.

    Am Freitag schließlich fanden sich Mannschaft und Betreuer bei Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt ein, wo sie die frohe Kunde erfuhren, dass die Stadt ihnen gerne sieben Millionen Euro für den Stadionumbau spendieren würde – wenn der Stadtrat zustimmt! Und direkt nach dieser überraschenden Nachricht ging's nach Unterhaching.

    Bernd Hollerbach und Amir Shapourzadeh zum Spiel in Kickers-TV:



    Hollerbachs Sorge, elf Nüchterne zu finden für den Samstag, die er beim OB-Empfang noch ein wenig schelmisch geäußert hatte, war ein netter Spruch, aber natürlich unbegründet. Neun seiner elf Relegationshelden aus der Startelf von Duisburg, wo die Kickers durch ein 2:1 den Aufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga besiegelt hatten, beorderte Hollerbach aufs Feld. Nur Torwart Robert Wulnikowski gönnte er eine Verschnaufpause, weshalb Dominik Brunnhübner, der im Pokal-Wettbewerb schon häufiger zum Einsatz gekommen war, mal wieder zwischen den Pfosten stand. Und Innenverteidiger Clemens Schoppenhauer durfte einen Tag früher als seine Kollegen in Urlaub gehen und als Überraschungsgast seine Schwester erfreuen auf deren Hochzeit.

    In der Pause, in der die Kickers 0:1 zurücklagen, ging Hollerbach gar nicht in der Kabine, er vertrieb sich die Zeit in den Katakomben und nahm vermutlich weitere Glückwünsche entgegen. „Ich brauchte nicht in die Kabine, die Mannschaft ist sich doch einig. Sie will jedes Spiel gewinnen“, sagte er hernach. Seine Mannen rechtfertigten Hollerbachs Vertrauen eindrucksvoll. Der Trainer wechselte seinen Kapitän Amir Shapourzadeh ein – und dann begann das Scheibenschießen. Innerhalb von sieben Minuten, zwischen der 56. und 63. Minute, gab der Deutsch-Iraner fast den Lewandowski. Viermal in Folge traf der 33-Jährige, der noch ein Jahr Vertrag hat und meinte, in seinem Alter könne er doch über jede Einsatzminute froh sein. Ganz zufrieden war sein Trainer dennoch nicht mit ihm: „Er hat nicht auf mich gehört. Ich habe ihm gesagt, er soll es machen wie Lewandowski. Da muss ich wohl noch mal mit ihm reden“, sprach Spitzbube Hollerbach.

    Bayern Münchens Stürmer Robert Lewandowski hatte in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg fünf Tore in neun Minuten erzielt – wenigstens die Mannschaft erfüllte die Lewandowski-Quote: Nagy traf zum 5:1 neun Minuten nach Shapourzadehs erstem Treffer.

    Angesichts der sportlichen Bedeutungslosigkeit war es also angenehm überraschend, was die Teams boten. Der Toto-Pokal-Sieger bekommt einen mit 140 000 Euro belohnten Startplatz in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals mit garantiertem Heimspiel gegen einen Erst- oder Zweitligisten. Weil die Kickers sich als Drittliga-Dritter frühzeitig über ihre Spielklasse dafür qualifizierten, hatte auch Unterhaching, das die Regionalliga als Tabellenvierter abgeschlossen hatte, diese Zusatzeinnahmen bereits vor dem Pokal-Finale sicher.

    Die Kickers gehen nun erst mal in Urlaub. Am Samstagabend noch wurden in der Vereinsgaststätte die Spieler verabschiedet, deren Verträge auslaufen und die Hollerbach für nicht zweitligatauglich hält. Er wird während seines Urlaubs arbeiten – und versuchen, einen Kader zusammenzustellen, der auch in Liga zwei eine Zukunft hat. Am 21. Juni ist Trainingsauftakt für das Abenteuer, Hollerbach weiß: „Wir müssen wieder kluge Entscheidungen treffen, wenn wir bestehen wollen. Es wird die stärkste zweite Liga, die es je gab.“

    Die Statistik des Spiels

    SpVgg Unterhaching – FC Würzburger Kickers 2:6 (1:0) Unterhaching: Hehn – Bauer, Winkler, Welzmüller, Sieghart (78. Markmüller) – U. Taffertshofer, Nicu, Steinherr (63. Einsiedler), Bigalke, Lux – Piller (46. Dombrowka).. Würzburg: Brunnhübner – Nothnagel, Weil, Fennell, Kurzweg – E. Taffertshofer, Benatelli (46. Shapourzadeh), Karsanidis – Russ, Haller (56. Nagy) – Soriano (56. Jabiri).

    Tore: 1:0 Sieghart (4.), 1:1, 1:2, 1:3, 1:4 Shapourzadeh (56., 59., 61., FE, 63.), 1:5 Nagy (65.), 2:5 Lux (72.), 2:6 Nagy (81.).

    Zuschauer: 3200. Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach). Gelbe Karten: Bauer, Welzmüller – Soriano.

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