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    Fußball

    Auch bei Kickers: Scharfe Auflagen für Rückkehr von Zuschauern

    Keine Gäste-Fans bis Jahresende, keine Stehplätze und kein Alkohol bis mindestens 31. Oktober. Von der Kapazität der Flyeralarm-Arena wären maximal 22 Prozent nutzbar.
    Leere Stehplätze wie hier im Hamburger Millerntor-Stadion würde es in den ersten sechs Wochen der neuen Saison geben, wenn die DFL-Vorschläge für die Wiederzulassung von Zuschauern von den Klubs angenommen werden.
    Leere Stehplätze wie hier im Hamburger Millerntor-Stadion würde es in den ersten sechs Wochen der neuen Saison geben, wenn die DFL-Vorschläge für die Wiederzulassung von Zuschauern von den Klubs angenommen werden. Foto: TimGroothuis

    Keine Gäste-Fans in den Fußball-Stadien bis zum Jahresende und ein Stehplatz- und Alkoholverbot mindestens bis zum 31. Oktober: Der Plan der Deutschen Fußball Liga für die Teilzulassung von Zuschauern zur neuen Saison in der 1. und 2. Bundesliga birgt viel Zündstoff. Und er zeigt den Anhängern, dass noch lange keine Normalität in den Stadien herrschen wird.

    Über die entsprechenden Anträge des DFL-Präsidiums entscheiden die 36 Profivereine am kommenden Dienstag bei einer virtuellen Außerordentlichen Mitgliederversammlung. Unmut aus der Fan-Szene gibt es jetzt schon. Die DFL hatte einen Leitfaden für die Rückkehr der Anhänger in die Stadien erstellt und die Klubs aufgefordert, lokale Konzepte zu erarbeiten. Sie sieht Abstimmungsbedarf, „ob es mit Blick auf bestimmte Aspekte ein einheitliches Vorgehen aller Klubs geben sollte“. Bei den Entscheidungen genügt eine einfache Mehrheit. Mit den Maßnahmen will die DFL das Infektionsrisiko in der Corona-Pandemie verringern.

    Keine Stehplätze

    Das Thema Stehplätze gilt als besonders sensibel, da diese in manchen ausländischen Ligen wie der englischen Premier League abgeschafft wurden. Zudem befinden sich gerade dort die stimmgewaltigsten und treuesten Anhänger. „Das Bekenntnis der DFL zum Erhalt von Stehplätzen in den Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga hat unverändert Bestand“, betont die DFL. Es gehe aber bei einem vorübergehenden Verzicht darum, die Einhaltung und die Kontrolle der Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen zu erleichtern. Die DFL verweist darauf, dass am 31. Oktober die Corona-Verordnungen vieler Bundesländer auslaufen und man danach die Lage neu bewerten könne.

    Für die Flyeralarm-Arena von Zweitliga-Aufsteiger Würzburger Kickers würde ein Stehplatzverbot bedeuten, dass maximal 22 Prozent der Kapazität nutzbar wären. Die Arena fasst 13 090 Zuschauer, davon sind aber nur 2882 Sitzplätze.

    Keine Gäste-Tickets

    Gemäß der Spielordnung stehen dem Gäste-Klub zehn Prozent der Eintrittskarten zu. Diese Regelung soll bis zum Jahresende ausgesetzt werden. „Dies würde dazu beitragen, das bundesweite Reiseaufkommen von Fans – teilweise in öffentlichen Verkehrsmitteln – zu reduzieren und dadurch das Infektionsrisiko zu verringern“, erklärt die DFL und betont: „Außer Frage steht dabei, dass Auswärtsfahrten von Fans einen wichtigen Bestandteil der deutschen Fußballkultur ausmachen.“ Das Fan-Bündnis „Unsere Kurve“ will keine Ungleichbehandlung von Zuschauern, „weshalb wir uns für die Zulassung von Gäste-Fans aussprechen“. Sig Zelt, Sprecher der Organisation „Pro Fans“, gibt zu bedenken, dass Bürger ja auch Reisen unternehmen dürfen: „Was mich unterschwellig stört, ist, dass die Fans als Risikofaktor gesehen werden, die sich nicht benehmen können“, sagte Zelt der Deutschen Presse-Agentur.

    Verfolgung von Infektionsketten

    Beim Ticketverkauf sollen die Vereine dafür sorgen, dass Infektionsketten gegebenenfalls nachverfolgt werden können. Damit wolle man die Gesundheitsbehörden unterstützen. Details zur Umsetzung sollen den Klubs überlassen werden, gelten soll eine entsprechende Ergänzung der Spielordnung bis zum Jahresende. „Denkbar wäre zum Beispiel, dass ein Ticketkäufer beim Erwerb entsprechende Daten hinterlegt und dieser im Fall einer erlaubten Weitergabe eines Tickets auch die Daten des Ticketnutzers mit Blick auf eine mögliche spätere Nachverfolgung von Infektionsketten erfasst“, so die DFL. „Unsere Kurve“ warnt davor, neue Technologien der Überwachung „durch die Hintertür des Gesundheitsschutzes“ einzuführen und mahnt: „Vereine und Verbände müssen sicherstellen, dass keine Weitergabe von erfassten Daten an die Sicherheitsbehörden erfolgt.“

    Kein Alkohol

    Beim Alkoholausschank verweist die DFL darauf, dass dieser ohnehin nur mit ausdrücklicher Einwilligung der örtlichen Behörden möglich ist. Grundsätzlich erklärt die Dachorganisation in ihrer Mitteilung vom Dienstag, dass alle Maßnahmen eine vorübergehende Anpassung seien, „um angesichts der andauernden pandemischen Lage die Einhaltung und die Kontrolle der Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen in den Stadien zu erleichtern“.

    Forderungen der Fans

    „Unsere Kurve“ fordert in ihrem Positionspapier: „Fans und Fanvertretungen müssen zwingend bei allen Prozessen um die Wiederzulassung von Publikum eingebunden sein. Sie können wichtiges Wissen zur Umsetzbarkeit von Hygienekonzepten in Tribünen-Bereichen beitragen.“ Sie ist aber auch für gemeinsame Leitplanken, um einen „Flickenteppich an verschiedenen Vorgehensweisen“ zu vermeiden. Die Organisation „Pro Fans“, die im Gegensatz zu „Unsere Kurve“ nicht in der AG Fankulturen der DFL und des DFB vertreten ist und die Ultra-Szene vertritt, sieht die ganze Vorgehensweise hingegen kritisch. „Uns erschließt sich nicht die Notwendigkeit, dass alle Klubs bei diesen Punkten gleich handeln müssen. Schließlich wird die Krise ja auch föderalistisch gemanagt“, sagte Zelt.

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