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    MÜNCHEN

    300 000 Bayern sind arzneimittelsüchtig

    Rund 300 000 Menschen in Bayern sind nach einer Schätzung des Münchner Gesundheitsministeriums arzneimittelsüchtig. Dies geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Landtagsanfrage der Grünen hervor. Insbesondere Schlaf- und Beruhigungsmittel, die zur Gruppe der so genannten Benzodiazepine gehören („Valium“) gelten dabei als Haupt-Suchtmittel: Zwischen 190 000 und 240 000 Menschen oder rund siebzig Prozent aller Medikamentensüchtigen in Bayern sollen von solchen Mitteln abhängig sein.

    Benzodiazepine und damit vergleichbare Arzneimittel wie Diazepam, Bromazanil, Oxazepam oder Lorazepam gelten als angstlösend, beruhigend und schlaffördernd, werden aber auch als Psychopharmaka eingesetzt. Der Absatz insgesamt ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Experten sehen aber eine vermehrte Verordnung auf Privatrezept. Hauptrisikogruppe sind laut Ministerium Frauen über 65 Jahren, aber auch Jugendliche und junge Erwachsene sowie beruflich stark bealstete Menschen.

    Keine Daten zu Opioid-Abhängigen

    Als suchtgefährdend gelten zudem die medizinisch als Schmerzmittel genutzten so genannte Opioide wie „Tramadol“ oder „Fentanyl“. Während in den USA die Opioid-Sucht in den letzten Jahren massiv angestiegen ist und im Jahr 2016 rund 42 000 Suchttote zu beklagen waren, hält das Gesundheitsministerium das Missbrauchsrisiko in Bayern für gering. Exakte Daten gibt es allerdings nicht: „Zur Anzahl der von Opioid-Arzneimitteln abhängigen Menschen in Bayern liegen keine Daten vor“, teilt das Ressort von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) mit. Auch die Anzahl der Menschen in Bayern, die aufgrund von Medikamentenmissbrauch in den letzten Jahren gestorben ist, sei unbekannt: „Die Todesursachenstatistik weist diese Fälle nicht aus“, so das Ministerium.

    Ein Informationsdefizit, dass die Grünen im Landtag nun beheben wollen: „Wir brauchen dringend präzise Daten, um suchtkranken Menschen schnell und dauerhaft helfen zu können“, fordert Fraktionschefin Katharina Schulze. Viel zu viele Menschen in Bayern hätten einen „riskanten Konsum von Suchtmitteln“: So hatte die Staatsregierung ebenfalls auf eine Landtagsanfrage die Zahl der Alkoholabhängigen in Bayern auf rund 516 000 Menschen beziffert. Rund 12 000 Personen sterben demnach pro Jahr aufgrund von Alkoholmissbrauch. Seit einigen Jahren führt Bayern zudem die bundesweite Statistik der Drogentoten an.

    Grüne wollen mehr Daten sammeln

    „Wir brauchen eine systematische Datenerhebung für den gesamten Bereich der Sucht und Drogen“, fordert deshalb der Grünen-Gesundheitsexperte Uli Leiner: „Nur dann können wir es schaffen, das Hilfesystem zu verbessern und die hohe Zahl an Drogentoten und Suchtkranken in Bayern zu senken.“

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