• aktualisiert:

    SONTHOFEN

    Ampel-Frauen in Gefahr

    Eine rote Ampelfrau in Sonthofen Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

    Haben Bezirksregierung und Bayerns Innenministerium keine größeren Probleme? Der Gedanke mag aufblitzen bei Freunden von Ampelmännchen und Ampelfrauchen – Verzeihung, Ampelfrauen. Letztere Spezies ist in Sonthofen in Gefahr.

    Denn die Regierung von Schwaben hat angewiesen, die Symbole an den Ampeln am Oberallgäuer Platz abzubauen. Sie hingen dort seit 2013 – eine Aktion von Landratsamt und Stadt zum Weltfrauentag. Die Idee stammte aus dem Büro der Gleichstellungsbeauftragten.

    Doch nach Ansicht der Bezirksregierung gibt es keine Berührungspunkte zwischen dem Aufgabenbereich einer Frauenbeauftragten und dem Verkehrswesen. Da es sich um reine Fantasiezeichen handle, könne es auch keine Ausnahmegenehmigung geben.

    Das zumindest teilte die Augsburger Behörde dem Landratsamt Oberallgäu mit und beauftragte es, die Stadt Sonthofen aufzufordern, die Ampelfrauen zu entfernen.

    Nach Angaben von Felix Fleischhauer vom Landratsamt in Sonthofen verwies die Regierung von Schwaben in ihrem Schreiben auf einen ähnlichen Fall in Augsburg: Dort hatte es einmalig eine Ausnahmegenehmigung für den „Augsburger Kasperl“ gegeben. Die Folge war ein Rüffel des Innenministeriums. Als Oberste Verkehrsbehörde sahen die Münchner die roten und grünen Kasperle als nicht rechtmäßig an. Bayerns Innenministerium zeigt sich bei Lichtsignalanlagen offensichtlich traditionsbewusst. Wer kennt sie nicht, die ostdeutschen Ampelmännchen mit großem Hut? Gemäß Einigungsvertrag sind ostdeutsche Hutträger zugelassen. Aber eben nicht im Freistaat. „In Bayern dürfen die im Einigungsvertrag zugelassenen Fußgängersignalbilder (Ampelmännchen) nicht verwendet werden“, steht im seit Januar 2016 gültigen Einführungserlass zu den aktuellen „Richtlinien für Lichtsignalanlagen“ des Bundesverkehrsministeriums.

    Dieser Bayern-Erlass stellt auch Orte wie Neu-Ulm vor Probleme. Dort hatte man 2013 erste ostdeutsche Ampelmännchen installiert. Nun müssen sie eigentlich weg. Aber auch dort regt sich im Rathaus Widerstand. Nicht zuletzt deshalb, weil nach einer wissenschaftlichen Studie die Ampel-Ossis die Nase vorn haben: Sie wirken sympathischer und die Teilnehmer der Untersuchung erkannten viel schneller, ob sie gehen oder stehen müssen. Und das sogar, wenn die Farben vertauscht wurden.

    Noch paradoxer wird der Bayern-Kurs, wenn man weiß, dass beispielsweise in Plauen sogar die bekannten Vater- und Sohn-Figuren des Zeichners Erich Ohser an Ampeln hängen. Und die Mainzelmännchen in Mainz. Und Karl Marx in Trier. Sowie schwule, lesbische und heterosexuelle Pärchen in Wien. Klar sehen die – fast – bundesweit erlaubten Ost-Ampelmännchen anders aus als die (ohne Ausnahmegenehmigung unzulässigen) Frauen: Sie haben Hut statt Zopf, Hose statt Rock. Gleichwohl sorgen in Ostdeutschland etliche Ampelfrauen für die Sicherheit der Fußgänger.

    Auch in Sonthofen regeln sie nun seit Jahren den Fußgängerverkehr. Erfolgreich, heißt es im Landratsamt. Es habe keine Unfälle gegeben, weil Fußgänger das Rot nicht erkannt hätten.

    Die Frage, ob die aus Zwickau importierten Sonthofer Ampelfrauen legal sind, war erstmals kurz nach ihrer Montage 2013 aufgetaucht. Das Landratsamt habe damals darauf verwiesen, dass eine Ausnahmegenehmigung aus Augsburg oder München nötig wäre, sagt Fleischhauer. Letztlich sei die Aufregung um die Ampelfrauen im Sande verlaufen. Bezirksregierung und Innenministerium hätten dann nicht weiter nachgehakt.

    Das änderte sich, als vor einigen Monaten Mitarbeiter der Regierung von Schwaben in anderer Sache in Sonthofen weilten. Da stachen ihnen die illegalen Ampelfrauen ins Auge.

    Von Ulrich Weigel

    Weitere Artikel

    Kommentare (3)

    Kommentar Verfassen

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!