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    LAUFACH / HEIGENBRÜCKEN

    Auf der Schiene schneller durch den Spessart

    Mehr als vier Jahre wurde gesprengt, gebuddelt und gebaut, nun wurde am Mittwochnachmittag auf der Bahnstrecke Würzburg–Frankfurt der neu gebaute Abschnitt zwischen Laufach und Heigenbrücken (Lkr. Aschaffenburg) offiziell eröffnet. Die 450 Millionen teure, rund acht Kilometer lange Spange macht das rund 160 Jahre alte Nadelöhr Schwarzkopftunnel überflüssig. Durch vier Tunnel läuft die Neubaustrecke im Spessart viel flacher als die bis Mitte Juni genutzte „Spessartrampe“, eine der steilsten Strecken Deutschlands.

    Damit ist die Zeit der Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und der reguläre Einsatz von Schiebeloks, die schwere Güterzüge hinauf zum Schwarzkopftunnel schieben mussten, vorbei. Doch blieb just am Mittwochmorgen ein äußerst schwerer 3000-Tonnen-Güterzug im Bahnhof Laufach liegen. Der hatte offenbar aufgrund von Gegenverkehr halten müssen und kam auf den regenglatten Schienen nicht mehr von der Stelle, erklärte Dieter Bulla, Leiter der DB Netz in Würzburg. Es handele sich jedoch um einen Ausnahmefall.

    Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium, nannte in ihrer Rede im Festzelt in Heigenbrücken die Neubaustrecke ein „Projekt von bundespolitischer Bedeutung“. Sie war als Vertreterin des Bundes, Geldgeber des Großprojekts, aus Berlin angereist. Ein Sonderzug mit dem ehemaligen Bundeskanzlerwagen von Helmut Schmidt brachte sie und rund 400 weitere geladene Gäste von Aschaffenburg mit Zwischenhalt in Laufach, wo sich Bär und weitere Honoratioren ins Goldene Buch eintrugen, nach Heigenbrücken. Eingeplant war auch das Kommen von Innenminister Herrmann, aber der hatte wegen eines Termins in München kurzfristig abgesagt.

    Dafür war seine Frau Gerswind dabei, die beim Bau Patin des längsten neuen Tunnels durch den Falkenberg war. Welche Aufgaben eine Tunnelpatin hat, erklärte Anita Weber aus Laufach, die Frau des stellvertretenden Aschaffenburger Landrats Valentin Weber. Die gebürtige Donnersdorferin ist Patin des kleinen Hirschbergtunnels und musste den Tunnelbauern, den Mineuren, eine Brotzeit, Kaffee und Kuchen vorbeibringen. Das tat sie gern und deshalb gleich dreimal. „Ich wurde hofiert, das war schön.“

    Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Bayern, erklärte, dass bei dieser Kernmaßnahme der Ausbaustrecke zwischen Hanau und dem Neuendorfer Ortsteil Nantenbach (Lkr. Main-Spessart) seit 2013 etwa 60 Tonnen Sprengstoff und eine halbe Million Kubikmeter Beton zum Einsatz gekommen war. Der Neubau mache eine bessere Taktung von Personen- und Güterzügen möglich. Als netter Nebeneffekt sind Regionalzüge jetzt etwa zwei Minuten schneller. Die Fahrpläne bleiben jedoch vorerst unverändert.

    Durch die vielen Tunnel und Tröge der Neubaustrecke seien die Anwohner besser vor Lärm geschützt, so Josel. Als Fahrgast hat man ein wenig das Gefühl, in einer U-Bahn zu sitzen. Die neue Strecke macht einen Bogen um Heigenbrücken, das statt des ausgemusterten alten Bahnhofs jetzt einen neuen Halt hat.

    Der alte Schwarzkopftunnel habe enorme Instandhaltungskosten verursacht, sagt DB-Netz-Leiter Bulla. Im Winter mussten Arbeiter im Tunnel Eis von der Decke schlagen. Er freut sich, dass durch den Neubau und den wegfallenden Schiebelokbetrieb Kapazitäten freigeworden sind. Immerhin verlaufe über Würzburg und durch den Spessart die Hauptstrecke von den Nordseehäfen nach Italien und auf den Balkan.

    Und was passiert mit dem alten Tunnel? Der soll nun verfüllt werden. Allerdings bleibt das denkmalgeschützte Tunnelportal mit zwei Löwen und der römischen Jahreszahl 1854 auf Heigenbrückener Seite erhalten. Eine schlechte Nachricht für Eisenbahnnostalgiker ist jedoch, dass auf der neuen Strecke keine Dampfzüge mehr fahren können, da die in den neuen Tunneln Feueralarm auslösen würden.

     

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