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    München

    Baustellenbesuch: Wie viel steht schon vom Oktoberfest?

    er Aufbau der Wiesn läuft seit dem 8. Juli, doch auf der Theresienwiese gibt es noch viel zu tun, ehe am 21. September das Oktoberfest beginnen kann. So musste auch der Löwenbräu-Löwe erst an seinen angestammten Platz gehievt werden. Tausende Menschen helfen in den rund zehn Wochen beim Aufbau. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Am Schottenhamel riecht es nach Abgasen, Holz und Staub. Kein Hauch von gebratenen Hendln oder Mandeln in der Luft, man blickt auf hölzerne Skelette, die bald Biertempel für Hunderttausende sein werden. Noch ist es aber nicht so weit, schließlich beginnt das Oktoberfest erst am 21. September – und endet am 6. Oktober.

    Noch ist auf der Theresienwiese Baulärm statt Blasmusik zu hören, Blaumann statt Lederhose zu sehen. Seit Anfang Juli placken sich Zimmerer, Schreiner, Installateure, Elektriker, Logistiker oder Lkw-Fahrer auf der rund 34 Hektar großen Fläche, damit zum Einzug der Wiesnwirte alles steht.

    Touristen müssen derzeit draußen bleiben

    Neben den 17 Festhallen sind das unter anderem 167 Schaustellergeschäfte mit Achterbahnen wie „Heidi – The Coaster“ oder der Wildwasserbahn „Poseidon“ – dazu Toilettenanlagen und vieles mehr. Ende Juli ist davon freilich noch nicht allzu viel zu sehen. Immerhin grüßt der Löwenbräu-Löwe bereits von seinem Turm und das Käfer-Zelt wird mit dem Paulaner-Wappen gekrönt. Doch Neugierige kriegen hier gar nichts mit: Das Festgelände ist umzäunt und für Besucher gesperrt. Ein Sicherheitsdienst sorgt am Haupteingang dafür, dass das so auch bleibt. Touristen müssen einen weiten Umweg um das Oktoberfestgelände auf sich nehmen, um zur Bavaria zu gelangen.

    Auf der Theresienwiese sorgen nur die aufgebauten Zelte für Schatten, in der Sonne heizt sich der Asphalt intensiv auf – die vergangenen Wochen waren äußerst mühsam für die Aufbau-Spezialisten. Einer davon ist Max Bergmüller, Installateur. Er arbeitet seit der zweiten Juliwoche auf der Baustelle Oktoberfest, gerade im kargen Inneren der Fischer Vroni. „Als es so brutal heiß war“, sagt Bergmüller, „haben wir uns in den Schatten verzogen, da ging nichts mehr.“ Die Festzelte seien nach drei Wochen Arbeit gestanden, nun seien die Innenausbauten dran.

    Die Festzelte stehen schon jetzt im Rohbau

    Er und seine Kollegen haben bis zum Wiesn-Auftakt ein straffes Programm vor sich – für Bergmüller endet es aber nicht mit dem Anstich am 21. September. „Ich habe in der ersten Woche Wiesn-Notdienst.“ Heißt, der Installateur ist von sechs bis neun Uhr morgens zur Stelle, sollten irgendwo auf dem Festgelände Probleme auftauchen. Nach dieser Woche hat er frei. In der Wirtsbudenstraße sind zwar die Rohbauten der Festzelte aufgebaut, sonst aber nicht viel. Stapel von Holzlatten und -brettern stehen überall, herumfahrende Lastwagen und Gabelstapler zwingen den Fußgänger, Acht zu geben, Krane hieven ihre Last an den Zelten empor. Auf Hebebühnen und Zeltdächern arbeiten die Handwerker, manch einer oberkörperfrei, in der nachmittäglichen Hitze.

    Der TÜV schaut nach

    Auf einem langen Wagen stapeln sich weiß-blaue Maibäume. Ein Mann im Polohemd klopft sie mit einem Hammer ab. Der Mann heißt Marcel Winterberg und ist beim TÜV Süd beschäftigt. Er ist im zweiten Jahr auf dem Oktoberfest im Einsatz und prüft, ob bei Festzelten und anderen Bauten alles seine Ordnung hat – gerade, ob die als Dekoration verwendeten Maibäume nicht hohl sind. Winterberg erklärt, „allein für die Zelte sind sechs bis acht Prüfer im Einsatz.“

    In seinen Aufgabenbereich fallen das Marstall-Zelt und das Winzerer Fähndl. Wenn die Wiesn eröffnet ist, wird auch Winterberg auf dem Fest unterwegs sein. „Es ist schön, hier den Betrieb zu sehen. Alles funktioniert und die Leute sind glücklich.“ Bis es so weit ist, wird er mindestens einmal pro Woche die Baustelle Oktoberfest aufsuchen. Allein am 8. Juli, dem ersten Tag des Aufbaus, brachten 40 Lastwagen ihre Ladung auf die Münchner Theresienwiese. Seitdem sind hunderte Fahrten vergangen und Tonnen an Material auf das Gelände geschafft worden. Einen Anteil daran hat Toni Pletschacher. Zusammen mit seinen Brüdern Ulrich und Peter leitet er die gleichnamige Firma aus Dasing (Lkr. Aichach-Friedberg).

    Nach der Wiesn ist vor der Wiesn

    Die Pletschachers sind unter anderem im Zeltbau tätig, fast alle Festzelte der Wiesn gehören ihr. In jedem Zelt beschäftigt die Firma bis zu 20 Handwerker. „Wir haben bereits sehr arbeitsintensive Wochen hinter uns, aber die Zelte sind längst nicht fertig“, sagt Pletschacher. Gearbeitet werde bis zum Tag des Anstichs – für ihn ist die Wiesn-Zeit damit aber nicht beendet. „Ich bin fast jeden Tag auf dem Oktoberfest unterwegs, es ist immer noch ein Riesenspaß.“

    Und nach der Wiesn ist vor der Wiesn: Der gesamte Festplatz muss abgebaut werden. Das gelingt allerdings deutlich schneller als der Aufbau – bis Mitte November ist alles erledigt. Dann geht es für Pletschacher ein paar Tage in den Urlaub. Bis dahin werden mehr als 8000 Menschen beim Auf- und Abbau geholfen haben. Und wieder Millionen Besuchern ein rauschendes Oktoberfest beschert haben. 

    Max Bergmüller. Foto: Jonas Voss

    Von Jonas Voss

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