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    München / Würzburg

    Bayerns Uni-Kliniken: Corona-Krise dauert bis zu drei Monate

    Die Versorgung kann nur bewältigt werden, wenn alle Bürger mithelfen, warnen Bayerns Unikliniken. In Würzburg sei auch der normale Notfallbetrieb sicher gestellt.
    Die Uniklinik in Würzburg bereitet sich längst auf die Corona-Krise vor. Den Ausbau der Intensivkapazitäten erschwert aber der zum Teil marode Zustand der Klinik-Gebäude.
    Die Uniklinik in Würzburg bereitet sich längst auf die Corona-Krise vor. Den Ausbau der Intensivkapazitäten erschwert aber der zum Teil marode Zustand der Klinik-Gebäude. Foto: Silvia Gralla

    Die sechs bayerischen Universitätskliniken sehen sich zwar gut vorbereitet für eine steigende Zahl an Corona-Patienten: Die Bevölkerung müsse aber die nun angeordneten staatlichen Beschränkungen strikt einhalten, um die Welle "abzuflachen", forderte Professor Karl-Walter Jauch von der Uniklinik München am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz: "Dann können wir uns der Welle auch mit gutem Gewissen stellen." Die Kliniken rechnen mit einer Dauer der Corona-Epidemie von zwei bis drei Monaten.

    Derzeit 17 Corona-Intensiv-Patienten an Bayerns Unikliniken

    Laut Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) werden an Bayerns Unikliniken derzeit 50 Corona-Patienten betreut, davon 17 in Intensivbehandlung. Die Anzahl der Intensivbetten soll kurzfristig von bislang 600 auf rund 1200 steigen. Und auch die Zahl der an den Uni-Kliniken möglichen Corona-Tests soll auf mehr als 1000 am Tag erhöht werden. Die zusätliche Kapazität soll vor allem helfen, medizinisches Personal schneller auf eine Ansteckung testen zu können.

    Würzburger Klinik-Professor lobt Zusammenarbeit in Unterfranken

    Professor Matthias Frosch, Vorstandsmitglied an der Uni-Klinik Würzburg, sieht auch die Region Unterfranken gut vorbereitet: Die Zusammenarbeit zwischen regionaler Politik, den Kliniken und den Hausärzten funktioniere gut. "Wir müssen vor allem darauf achten, dass weniger schwere Fälle in der Region gut verteilt werden", fordert Frosch. Nur so könnten die Notfallkapazitäten in der Uniklinik Würzburg bestmöglich genutzt werden.

    Eine zusätzliche Herausforderung in Würzburg sei jedoch der teilweise marode Zustand einiger Klinikgebäude, klagt Frosch: "Das macht uns den Ausbau der Intensiv-Kapazität schwieriger." Bayernweit wandeln die Unikliniken derzeit ganze Stationen für die Betreuung von Covid-19-Patienten um.

    800 Würzburger Medizinstudenten haben bereits Hilfe angeboten

    Sehr gut funktioniere hingegen die Mobilisierung von zusätzlichem Personal: So gebe es an der Uni-Klinik Würzburg eine hohe Bereitschaft bei forschenden Ärzten, in die Krankenversorgung zu wechseln. Zudem hätten sich binnen 24 Stunden rund 800 der 2500 Medizinstudenten in Würzburg freiwillig als Helfer gemeldet: "Das geht vom Rettungsdienst über die Pflege bis zur Unterstützung im Labor oder beim Gesundheitsamt", so Frosch.

    Die Uni-Klinik Würzburg achte zudem darauf, auch den normalen Notfallbetrieb vollumfänglich aufrechtzuerhalten: "Niemand muss Angst haben, dass etwa ein Herzinfarkt nicht genauso gut versorgt wird, wie vor der Corona-Krise", beteuert er. Auch Forschungsprojekte für neue Thearpien etwa bei Krebserkrankungen würden uneingeschränkt fortgeführt: Kein Teilnehmer müsse fürchten, jetzt alleine gelassen zu werden, verspricht Frosch.

    "Niemand muss Angst haben, dass etwa ein Herzinfakt nicht genauso gut versorgt wird, wie vor der Corona-Krise."
    Prof. Matthias Frosch von der Universitätsklinik Würzburg

    Trotz eines Ausbaus der Kapazitäten müssten die Corona-Tests umsichtig eingesetzt werden, fordert die Münchner Virologin Professorin Ulrike Protzer: Es mache keinen Sinn, flächendeckende Tests anzustreben. Denn ein negativer Test schaffe angesichts der Ausbreitungsdynamik keine Sicherheit, weil eine Ansteckung jederzeit möglich ist. Die Kapazitäten sollen deshalb auf Personen mit klaren Symptomen beschränkt werden: "Wir müssen die Tests klug machen und das tun wir auch", so Protzer.

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