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    UNTERFRANKEN

    Das sollten Sie beim Baden in Flüssen und Seen beachten

    Natürliche Badegewässer laden bei heißen Temperaturen zum Schwimmen und Planschen ein. Doch wo ist das überhaupt erlaubt...

    Mit einem Sprung ins kalte Nass abtauchen: Für viele Menschen klingt das bei den derzeit hohen Temperaturen nach dem perfekten Ausgleich zum Alltag. Wassersportler, die den in den Sommerferien meist überfüllten Freibädern entfliehen wollen, zieht es häufig an natürliche Badegewässer. Doch was geht da angesichts der hohen Wassertemperaturen eigentlich noch? Ist das gesundheitlich – noch – unbedenklich?

    Abstand zu Häfen und Wehren halten

    Im Main, in der fränkischen Saale, in Wern und Sinn ist Baden nicht ausdrücklich verboten. Lediglich im Bereich von Häfen, Kraftwerken, Wehren und ähnlichen Bauwerken gilt ein Badeverbot. Wer sich jedoch davon fern hält, will, hat rechtlich nichts zu befürchten. Allerdings: Eigentlich seien „die Flüsse aber keine Badegewässer“, gibt Leonhard Rosentritt, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen, zu bedenken.
     
    „Im Flusswasser sind von Natur aus immer Bakterien“, sagt er. „Das ist zwar im Regelfall nicht gesundheitsschädlich, aber man sollte es bedenken.“ Besser sei es, so Rosentritt, auf Badeseen auszuweichen. Denn deren Wasserqualität wird stets überwacht: Nach EU-Vorgaben muss aus offiziellen Badeseen mindestens einmal im Monat eine Probe entnommen und untersucht werden. Für Fischweiher oder kleine Tümpel auf Privatgrundstücken gilt das jedoch nicht.

     

    Gute Wasserqualität in Unterfranken

    Bei ihren Untersuchungen kamen die zuständigen Gesundheitsämter zu einem guten Ergebnis: Die Qualität der unterfränkischen Badeseen, zum Beispiel des Erlabrunner Sees im Landkreis Würzburg oder des Naturbadesees Arnstein (Lkr. Main-Spessart), ist zufriedenstellend bis exzellent. Kein einziges Gewässer wurde in der zuletzt im Mai aktualisierten Karte beanstandet. „Bakteriell gibt es da keine Probleme“, bestätigt Jürgen Schröer vom Gesundheitsamt in Schweinfurt. „Bei den derzeitigen Temperaturen gibt es zwar Algen, aber damit muss man rechnen.“

     
    Die Algen wachsen im warmen Wasser besonders gut und können so ganze Seen befallen. „Das ist zwar nicht besonders angenehm, aber auch nicht gefährlich“, sagt Leonhard Rosentritt vom Wasserwirtschaftsamt. Nur wenn sich Blaualgen bilden, können Hautreizungen auftreten. In diesem Fall geben die Gesundheitsämter jedoch Warnungen heraus – betroffene Seen sollten dann gemieden werden. Im Gegensatz zu Leonhard Rosentritt und Jürgen Schröer rät Thomas Funke vom Landesfischereiverband Bayern grundsätzlich vom Schwimmen in natürlichen Gewässern ab – zumindest bei der aktuellen Witterung. 

     

    In diesen unterfränkischen Seen können Sie bedenkenlos baden: 

     

    Schwimmer schädigen Fische

    Denn durch die hohen Temperaturen – der Main bringt es stellenweise auf fast 28 Grad – leiden die darin lebenden Fische unter akutem Sauerstoffmangel. Nur noch 5,9 Milligramm Sauerstoff befanden sich zuletzt an der Messstation in Kahl am Main in einem Liter Mainwasser. Der Grund dafür ist, dass warmes Wasser weniger Sauerstoff speichern kann als kaltes. „Wir haben zwar noch keine Berichte von massivem Fischsterben“, berichtet Funke, „aber die Situation ist an der kritischen Grenze.“
     
    Wenn die Fische nun durch Badegäste verscheucht werden, koste sie der Platzwechsel viel Kraft. Unter Umständen könne das zu ihrem Tod führen. „Viele Fischereivereine haben ihre Mitglieder deshalb schon aufgefordert, nicht mehr zu fischen“, fährt Funke fort. So soll der Stress für die Tiere reduziert werden. Helfen könnte den Fischen auch die für Ende der Woche vorhergesagte Abkühlung. Aber noch bewertet Leonhard Rosentritt vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen die Lage so: „Man muss das beobachten, vor allem im Main. In der Saale haben wir Temperaturen um die 20 Grad, da ist alles im grünen Bereich.“

    Sicher schwimmen im Main

    Wer sich bei heißen Temperaturen im Main abkühlen will, muss einiges beachten. Denn der Main gehört zu den Bundeswasserstraßen – auf ihm sind im Gegensatz zu Tauber, Fränkischer Saale, Wern und den anderen unterfränkischen Flüssen also Schiffe unterwegs.

     

    Baden ist dort aber trotzdem erlaubt. Ausnahmen gibt es nur im Bereich von Häfen, Fähranlagen, Wehren und Schleusen. Dort ist das Schwimmen grundsätzlich untersagt. Außerdem gilt: Schiffe haben Vorfahrt. In ihren Kurs darf nicht hineingeschwommen werden. Schwimmer haben sich stets so zu verhalten, dass die Frachter oder Passagierschiffe ihren Kurs nicht ändern oder abbremsen müssen.

    Zusätzlich beachten sollten Badegäste laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Schweinfurt: Durch vorbeifahrende Schiffe kann ein Sog entstehen, der Schwimmer in den Fluss ziehen kann. Außerdem nimmt durch den Sog der Pegel in Ufernähe ab, ist das Schiff vorbei drückt das Wasser wieder auf das Ufer zu. Vor allem kleine Kinder können davon überrascht werden.

    Drohendes Fischsterben

    Die Hitze und der Wassermangel in vielen Gewässern setzen den Fischen zu. Noch gibt es in Bayern allerdings kein großes Fischsterben wie im Hochrhein, wo am Wochenende eine Tonne toter Fische aus dem Wasser geholt wurde.

    In vielen Gewässern werden Höchsttemperaturen von 25 Grad und mehr gemessen. Dadurch steigt laut dem Landesfischereiverband Bayern LFV die Gefahr, dass Fische von schädlichen Parasiten befallen werden. Gleichzeitig geht der verfügbare Sauerstoff im Wasser zurück.

     

    „Die zahllosen Wehre und Wasserkraftwerke verschlimmern die Situation“, sagt LFV-Präsident Albert Göttle, Sie verlangsamen die Fließgeschwindigkeit, wodurch sich das Wasser noch stärker erwärmt. Dazu komme die Wärme, die von Kohle- und Atomkraftwerken in die Flüsse geleitet wird.

     

    Weil manche Kraftwerke für die Stromerzeugung Wasser aus dem ursprünglichen Flussbett abzweigen, verringert sich die Wassermenge im Fluss. Bleibt dann der Regen aus, steigen die Temperaturen stark an.

     

    Im heißen Sommer 2003 kamen allein im Rhein mindestens 50 000 Äschen um. Ob in diesem Sommer eine ähnliche Entwicklung aufzuhalten ist, ist nach Angaben des schweizerische Fischereiverbandes fraglich. dpa

     

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