• aktualisiert:

    MÜNCHEN

    Der Glaube ans Christkind: Wie und wann die Wahrheit sagen?

    Das Nürnberger Christkind Rebecca Ammon bei einem TV-Auftritt Foto: SymbolImago
     

    Bald ist es wieder so weit: Ungeduldig werden tausende Kinder in Bayern darauf warten, dass an Heiligabend das Christkind die Geschenke bringt. Der ein oder andere wird vorher durch das Schlüsselloch linsen und versuchen, einen Blick zu erhaschen. Dann endlich wird das ersehnte Glöckchen klingeln und die Kinder dürfen zum Weihnachtsbaum.

    In den USA hat eine Lehrerin an einer Grundschule im Bundesstaat New Jersey nun den Kindern die Illusion genommen, dass das Christkind – oder in diesem Fall der Weihnachtsmann – die Geschenke unter den Baum legt. Medienberichten zufolge hat die Lehrerin einer Gruppe Erstklässlern nicht nur gesagt, dass es Santa Claus nicht gibt. Sie erklärte ihnen auch, dass sowohl der Osterhase als auch die Zahnfee und die Weihnachtselfen eine Erfindung sind. Laut der Website NJ.com haben viele Eltern danach versucht, den „Schaden zu Hause zu begrenzen“.

    Magische Geschichten sind bis zu neun Jahren glaubhaft

    Ursula Lay, Landesvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft in Bayern (KEG), versteht ihre Kollegin in den USA nicht. „Rituale sind wichtig“, sagt sie. „Man sollte Kindern den Zauber lassen.“ Bis zum neunten Lebensjahr halten Lays Erfahrung zufolge Kinder magische Geschichten für glaubhaft. Wie lange ein Kind die Geschichte über das Christkind für wahr hält, sei unterschiedlich. Es gebe Kinder, die schon in der ersten Klasse nicht mehr daran glauben, andere halten länger daran fest.

    „Ich bin davon überzeugt, dass unsere Lehrkräfte das Thema sensibel aufgreifen.“

    Ursula Lay, Katholische Erziehergemeinschaft

    Lay sagt, sie würde als Lehrerin nie selbst die Initiative ergreifen und Kindern erklären, dass es das Christkind nicht gibt. Wenn ihre Schüler sie darauf ansprechen, greift sie auf das Geschichtliche zurück und erklärt, welche Ereignisse und Persönlichkeiten hinter dem Nikolaus und dem Christkind stecken. „Dadurch zeigt man den Schülern, dass es sich dabei um Menschen handelt, die Vorbilder waren“, erklärt Lay. „Ich bin davon überzeugt, dass unsere Lehrkräfte das Thema sensibel aufgreifen.“

    „In Bayern kommt das Christkind, nicht der Weihnachtsmann“

    Die Landesvorsitzende der KEG hat außerdem schon oft bemerkt, dass Kinder zwar wissen, dass es bestimmte Figuren nicht gibt, sie halten jedoch daran fest, weil sie es glauben wollen. Sie kennt es von ihrer Schule so, dass bis zur neunten Klasse der Nikolaus kommt. „Die älteren Schüler wissen natürlich, dass das der Hausmeister ist, aber sie sind trotzdem ehrfürchtig“, erklärt sie. Gegen eine Sache wehrt sie sich jedoch entschieden: „In Bayern kommt das Christkind und nicht der Weihnachtsmann.“

    Auch viele Eltern überlegen, wie sie bei der Frage nach dem Christkind reagieren sollen. Wenn Kinder – zum Beispiel durch Geschwister – erfahren, dass es das Christkind nicht gibt, dann sollten die Eltern Pädagogen zufolge auch bei dieser Wahrheit bleiben.

    Die Lehrerin in den USA darf laut NJ.com übrigens nicht mehr in ihrem Schulbezirk unterrichten. Schlimmer getroffen hat es einen Mann aus Texas: Der hat laut Medienberichten den Besuchern eines „Frühstücks mit dem Weihnachtsmann“ erklärt, dass der Weihnachtsmann nicht echt sei. Nachdem es deswegen Beschwerden gab, wurde der Mann festgenommen.

    Jeder von uns erinnert sich an die Momente in seiner Kindheit: Ein Blick durchs Fenster, einer durchs Schlüsselloch, und wieder ist das Christkind unbemerkt vorbeigehuscht.

    Von Anja Ringel

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!