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    MÜNCHEN

    Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest

    Bangen vor der Schweinepest
    Würde die Seuche auch in Deutschland ausbrechen, wäre das für die Schweinehalter eine Katastrophe. Foto: SymbolRene Lauer

    Experten sind sich sicher: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch Deutschland erreicht. Nach der Ausbreitung der Viruserkrankung im Westen Polens rückt die Tierseuche näher an die deutsche Grenze heran. Ein positiv getesteter Wildschwein-Kadaver wurde nach Angaben des Bundesagrarministeriums vor kurzem nur 21 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt gefunden.

    Das Land Brandenburg baut Wildschutzzäune – ein Großteil ist schon fertiggestellt. Auf einer Länge von 120 Kilometern werden mobile Elektro- und Duftzäune entlang des insgesamt 280 Kilometer langen Grenzverlaufs zwischen Brandenburg und Polen errichtet. Sie sollen an Oder und Neiße je nach Gefährdungslage lokal und zeitlich begrenzt zum Einsatz kommen. Dänemark hat es vorgemacht und sich mit einem Zaun an der Grenze zum deutschen Nachbarn abgeschottet.

    Meist tödlicher Verlauf

    Noch ist in Deutschland kein einziger Fall der für Haus- und Wildschweine meist tödlich verlaufenden Infektionskrankheit bekannt. Doch auch Bayern bereitet sich bereits auf einen möglichen Ausbruch vor. „Die intensiven Präventionsmaßnahmen laufen auf Hochtouren. Wir stehen in direktem Austausch mit den Behörden vor Ort und dem Bund“, sagte Umweltminister Thorsten Glauber. Der Freie-Wähler-Politiker bekräftigte, die Staatsregierung nehme die Situation sehr ernst. Um insbesondere bei einem ASP-Ausbruch vor Ort schnell reagieren zu können, werden in Bayern entsprechende Zaunmaterialien bereitgehalten.

    In großer Sorge ist auch der Bayerische Bauernverband. In einem Schreiben von Präsident Walter Heidl an Umweltminister Glauber, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es: „Ein Ausbruch der ASP in Deutschland beziehungsweise Bayern wäre für unsere Schweine haltenden Betriebe und die gesamten nachgelagerten Bereiche eine Katastrophe.“ Jeder Einzelne und auch die Verwaltung müssten die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um eine Einschleppung der Seuche zu verhindern.

    Transitverkehr als Risikofaktor

    Nach Ansicht von Experten ist vor allem das Risiko hoch, ASP durch den Transitverkehr über achtlos weggeworfene Lebensmittel oder verunreinigte Kleidung auf die Schwarzwildpopulation oder Hausschweinbestände zu übertragen. Heidl fordert deshalb in seinem Brief an den Umweltminister, Biosicherheit im Straßen-, Bahn- und Flugverkehr zu gewährleisten. „Die Einzäunung von Park- und Rastplätzen sollte überprüft und verbessert werden.“

    Das große Problem bei der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest ist tatsächlich der Mensch. Wenn etwa Reste infizierter Wurstwaren weggeworfen und vom Schwarzwild gefressen werden, kann dies bereits ausreichen, die Seuche einzuschleppen. Die bayerischen Behörden setzen deshalb auf Aufklärungskampagnen. So seien etwa entlang der Autobahnen, an Flughäfen und an Donau-Häfen Hinweise auch zur Hygiene verteilt worden.

    Mit der Krankheit infizierte Wildschweine laufen indes nicht kilometerweit, sie verenden meist innerhalb weniger Tage, sagt Claudia Gangl, Fachreferentin für Wildkrankheiten beim Bayerischen Jagdverband (BJV). Dennoch sind vor allem die Jäger dazu aufgerufen, die Schwarzwildbestände weiter zu reduzieren. 65 455 Sauen wurden im Jagdjahr 2018/2019 in Bayern erlegt. Die Zahl der Tiere ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen.

    „Der Zuwachs an Wildschweinen kann durch die gängigen Jagdmethoden alleine nicht abgeschöpft werden“, betont Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein. Der Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes, in Schloss Hohenaltheim (Lkr. Donau-Ries) zu Hause, fordert eine Lockerung des Verbots der Nachtzieltechnik. Dadurch könnten Sauen auch in der Dunkelheit waidgerecht geschossen werden. Allerdings müssten die Jäger, so der Fürst, auch intensiv darauf vorbereitet werden. „Wir haben durch die drohende Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest eine neue Gefechtslage. Es ergibt sich eine Sondersituation, auf die wir schnellstens reagieren müssen.“

    Auch Bauernpräsident Heidl bittet in seinem Schreiben an Umweltminister Glauber auf Bundesebene darauf hinzuwirken, dass „im dritten Waffenrechtsänderungsgesetz eine Ausnahme vom generellen waffenrechtlichen Verbot der Nutzung von Nachtsichtvorsatz- und Nachtsichtaufsatzgeräten für jagdliche Zwecke zu schaffen ist“.

    Gefährlich für Familienbetriebe

    Sollte tatsächlich ein ASP-Fall in Bayern auftreten, „wäre die Seuche im Vorgarten und damit die Existenz von Familienunternehmen gefährdet“, sagt Markus Drexler, Sprecher des Bayerischen Bauernverbandes. Ist ein Tier in einem Schweinemastbetrieb mit der Krankheit infiziert, muss der gesamte Bestand gekeult werden. Drexler: „Wir befürchten, dass der Schweinemarkt durch Handelsbeschränkungen unter Druck gerät.“

    Auch wenn die Seuche in Deutschland nur bei Wildschweinen ausbrechen sollte, hätte dies wirtschaftliche Folgen. Schweinefleisch könnte in viele Länder aufgrund bilateraler Handelsabkommen nicht mehr ausgeführt werden. Das beträfe etwa auch den wichtigen Markt in China, wo die Seuche bereits grassiert und wohin deshalb vermehrt deutsches Schweinefleisch exportiert wird.

    Schweine in Gefahr

    Die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP genannt, ist eine ansteckende Tierseuche, die von Viren verursacht wird. Es können nur Haus- und Wildschweine daran erkranken. Für Menschen und andere Tiere sind die Viren ungefährlich. Die ASP ist anders als die Klassische Schweinepest (KSP) noch nie in Deutschland aufgetreten. Beide Krankheiten sind nicht heilbar. Im Seuchenfall wird der gesamte Tierbestand getötet und beseitigt. Dies gilt für Tiere eines betroffenen landwirtschaftlichen Betriebs ebenso wie für die Tiere der Kontaktbetriebe, bei denen etwa Ferkel zugekauft werden. In einem Radius von mindestens drei Kilometern um den betroffenen Betrieb wird ein Sperrbezirk ausgerufen. Die Entscheidung, ob die Tiere im gesamten Bezirk gekeult werden müssen, trifft das Veterinäramt. Um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern, werden um den Betrieb herum großflächig Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten eingerichtet. (az)

    Von Jörg Sigmund

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