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    München

    Die CSU will künftig immer online sein

    Will künftig mit der CSU digital präsenter sein, um auch junge Wähler besser zu erreichen: CSU-Chef Markus Söder, hier vor Beginn einer Sitzung im Landtag. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Noch 2013 war die CSU bei Jungwählern in Bayern stärkste Kraft. Bei der jüngsten Europawahl wurden die Christsozialen aber bei den unter 35-Jährigen von den Grünen abgehängt. Eine Entwicklung, die Markus Söder nicht kampflos akzeptieren will: Neben den Inhalten müsse aber auch die Kommunikation stimmen, um mehr jüngere Wähler zu erreichen, findet er. Deshalb soll die CSU nun zur digitalen Partei werden.

    "Es gibt keine analoge und digitale Welt mehr", erklärt Söder. Es gebe nur noch eine Welt, und die sei immer online. "In dieser Welt gilt: Maximale Transparenz in Echtzeit", findet der CSU-Chef: "Wenn Parteien reaktionsfähig, prägend und diskussionsfähig sein wollen, dann müssen sie sich dieser digitalen Realität stellen."

    Die CSU will die Debatten-Hoheit in den sozialen Netzwerken

    Söder hat deshalb gleich nach der Europawahl die gedruckte Version des Parteiorgans "Bayernkurier" eingestellt. Alle verfügbaren Mittel sollen künftig auf die digitale Kommunikation konzentriert werden. Dabei soll es aber nicht nur um eigene Youtube-Videos oder Twitter-Botschaften gehen. Das Internet sei schließlich auch das Ende des "Einkanal-Systems" der Kommunikation, erklärt Söder: "Internet heißt interaktiv sein und sich den Fragen der Menschen zu stellen."

    Konkret hat die CSU bereits zwei erfolgreiche Online-Abstimmungen zu aktuellen Themen durchgeführt. Auch die Internet-Kampagne "Tu was für Europa" zur Europawahl sei sehr gut gelaufen, berichtet CSU-Generalsekretär Markus Blume: "Wir wollen das Mitmachen in der Partei auf neue Beine stellen." Dafür müsse man aber auch dahin gehen, wo junge Menschen sind: Youtube und Instagram "sind heute auch vorpolitischer Raum", findet Blume. Früher sei es um die Debatten-Hoheit an den Stammtischen gegangen. Heute müsse dies auch für soziale Netzwerke gelten: "Und deshalb wissen wir, dass wir auch neue Wege gehen müssen."

    Söder kann sich sogar vorstellen, schon bald eine bislang hinter verschlossenen Türen tagende CSU-Vorstandssitzung live im Internet zu streamen: "Ich fände es interessant, solche internen Sitzungen öffentlich zu machen - es kommt ja ohnehin alles nach außen", erklärt er. Noch wichtiger sei aber, die "digitale Faulheit" zu überwinden: CSU-Leute müssten sich überall den digitalen Diskussionen auch mit Rechtsaußen und Radikalen stellen, fordert Söder: "Dann wären Schlachten in einer digitalen Schwarm-Intelligenz schnell gewonnen."

    Nicht Inhalte rappen, sondern authentisch sein

    Zwar sei es richtig, dass radikale Positionen im Internet leichter Verbreitung fänden, als die Suche einer Volkspartei nach Konsenslösungen. Die "Parteien der demokratischen Mitte" seien bislang aber online viel zu zaghaft unterwegs, findet Söder: "Die Radikalen haben sich einfach früher damit beschäftigt. Doch wer das Spielfeld nicht betritt, der hat das Spiel schon verloren."

    Nicht anbiedern, sondern ernst nehmen, lautet zudem das oberste CSU-Gebot im Internet. Um junge Menschen zu erreichen "müssen wir nicht die Baseball-Cap verkehrt herum aufsetzen und unsere Inhalte rappen", warnt Blume. "Es reicht nicht, hip und lässig sein zu wollen", glaubt Söder. Authentizität und Inhalt müssten stimmen: "Ein schickes Foto ersetzt nicht die Kraft der Botschaft."

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