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    Friedrichshafen

    Die acht Zukunftstrends auf dem Fahrrad

    Eurobike 2019 Foto: Gerd Landgraf

    Trend 1:  Immer öfters legt die Automatik den richtigen Gang ein

    Die Motoren für Fahrräder sind nicht nur leichter und leistungsfähiger, sondern auch intelligent geworden. Die Anzahl der Hersteller hat sich zudem in zehn Jahren etwa verzehnfacht. Pünktlich zur Eurobike hat Marktführer Bosch mit dem neuen Performance Line CX die Szene aufgemischt. Der Motor wird schon in allerhand Modellen für das Jahr 2020 verbaut. Erste Tests bestätigen, dass der bislang kraftvollste Antrieb von Bosch besonders leicht, kompakt und effizient ist. Wenn der Motor sich beim Pedelec ab einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern abschaltet, dann ist er auch völlig ausgekoppelt, bereitet also keinen Widerstand mehr.

    E-Bikes müssen keine Pedale haben. Allerdings sind nur die Pedelecs, bei denen der Motor das Treten bis 25 Stundenkilometer unterstützt, im Straßenverkehr dem traditionellen Fahrrad gleichgestellt. Foto: Gerd Landgraf

    Doch auch die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Sensoren machen es möglich, dass die Waden des Radlers zu jeder Zeit die richtige Unterstützung bekommen. Auch lassen sich verschiedene Modelle mit Hilfe von Smartphone und App stets neu justieren und auf den aktuellen Stand bringen. Wer die Automatik nicht will, der kann sie abstellen und dann ausschließlich per Hand schalten.

    Auch den neue Motor von Yamaha gibt es in drei Varianten: für die Stadt und den Wochenendausflug, den Allrounder und das Kraftpaket für den Sportler. Neu ist bei Yamaha, dass per Sensor auch die Neigung des Geländes ermittelt und automatisch berücksichtigt wird. Foto: Gerd Landgraf

    Im sportlichen Bereich haben sich die Drehmoment-Wunder mit 100 oder mehr Newtonmeter (Nm) bislang nicht durchgesetzt. Nach wie vor gilt, dass Motoren ab 40 Nm für den Stadtverkehr und den Wochenendausflug reichen, Modelle ab 50 Nm universal einsetzbar sind und stärkere Motoren um die 75 Nm auch fürs anspruchsvolle Gelände taugen.

    Das Drehmoment-Wunder von Sachs Micro Mobility bringt es auf 112 Newtonmeter – vergleichbar mit dem Serienmotor des VW-Käfer. Foto: Gerd Landgraf

    Geändert hat sich auch nicht, dass die Motor- oder Muskelkraft in der Regel über die Kette das Fahrrad antreibt. Doch wie schon im Vorjahr zeigten auf der Eurobike mehrere Hersteller einen Riemenantrieb als Alternative. Andere Antriebe, etwa mit Generatoren, die die Kraft aus dem Treten in die Pedale in Strom umwandeln, sind noch in der Entwicklung.

    Trend 2: Der Radler wird gesehen - und sieht auch besser

    Jahrzehntelang war die Fahrradbeleuchtung ein Schwachpunkt. Seit der Strom aus dem Akku des E-Bikes kommt, wird der Radler gesehen und sieht auch besser. Mit Blick auf die bevorstehende dunkle Jahreszeit spielt die Beleuchtung für die Sicherheit eine wichtige Rolle. Hier hat das E-Bike den Vorzug, dass der Strom oft aus dem Akku des Motors kommt und zuverlässig fließt, also auch vor der roten Ampel. Und: Mit genügend Saft wird man nicht nur besser gesehen, sondern sieht in der Nacht auch viel besser.

    Der Helm mit Beleuchtung ist ein klarer Sicherheitsgewinn. Foto: Gerd Landgraf

    Signalfarben bei der Bekleidung, in die häufig Reflektoren oder gar leuchtendes Material eingebaut ist, erhöhen auch am Tag das Gesehen werden. Wer das Rad als Sportgerät nutzt, muss vor allem im Gelände über Polsterungen für Knie, Arme und Rücken und auch über den Einsatz eines Helms mit Visier und Kinnschutz nachdenken.

    Trend 3: Gebremst wird mit Scheiben 

    Da die meisten E-Bikes 20 und mehr Kilogramm auf die Waage bringen, hat sich die Scheibenbremse mit zwei oder auch mit vier Kolben (bei hochwertigen Mountainbikes) durchgesetzt. Wer ohne Motor und Akku unterwegs ist, darf auf die über Jahrzehnte hinweg bewährte Scheibenbremse vertrauen. Wer beim E-Bike nicht auf die Rücktrittbremse verzichten will, der findet zwar Angebote. Allerdings kaum solche mit leistungsstarken Motoren, weil die Garantie für die meisten Naben bei Motoren mit über 50 Nm erlischt.

    Strake Scheibenbremsen sind beim Lastenfahrrad und beim Mountainbike ein Muss. Foto: Gerd Landgraf

    Trend 4: Motor, Schaltung und Federung sprechen sich ab

    Das Fahrrad ist nicht mehr das Fahrzeug für die Freunde einfacher Technik, sondern alsbald mit den eigenen Komponenten und dem Internet vernetzt. Denn die Digitalisierung ist auch in der Fahrradtechnik angekommen. Ein Beispiel ist die AXS-Technologie von Sram, die mit Signalübertragug zwischen Fahrradkomponenten eine neue Ära einleitet. Doch auch andere Hersteller bieten Individualisierung beim Sportgerät. Motoren oder auch Schaltungen lassen sich über App und Handy einstellen.

    Sram hat eine Technologie entwickelt, die individuelle Einstellungen an der Schaltung per Smartphone erlaubt. Foto: Gerd Landgraf

    Dass Navigationsgeräte während der Tour Berge erkennen und über siese informieren, ist dagegen schon fast ein alter Hut. Ein Vorteil der Digitalisierung – etwa bei funkgesteuerten Schaltungen – ist der Wegfall der Kabel am Cockpit, das übersichtlicher und schicker wird. Verborgene Sensoren melden den Standort eines Fahrrads und auch, ob der Fahrer das richtige Smartphone in der Tasche hat, oder ob ein Dieb auf dem Sattel sitzt.

    Trend 5: Das Lasten- und das Familienrad

    Die Absatzzahlen für Lastenräder mit E-Motor sind im steilen Steigflug. Für nahezu jede Anwendung gibt es das richtige Cargo-Bike. 2018 war fast jedes 20. verkaufte E-Bike in Deutschland ein Lastenrad. Für die im vergangenen Jahr erworbenen 40 000 Nutzfahrzeuge zahlte die Kundschaft zumeist zwischen 4000 und 8000 Euro. 

    Lastenräder gibt es für jeden Zweck. Foto: Gerd Landgraf

    Auf die Eurobike zeigten 32 Hersteller, dass sie weiter auf die am schnellsten wachsende Produktkategorie setzen. Der Trend geht nicht nur zu immer größeren und stabileren Ladeflächen samt (absenkbaren) Anhängern und zu den Familienkutschen mit bis zu drei Kindersitzen, sondern auch zu kompakten fahrbaren Untersätzen, die mit kurzem Radstand eine Antwort auf die Parkprobleme in den Städten bieten.

    Das Familienrad bietet Platz für Fahrer, zwei Kinder und Proviant. Foto: Gerd Landgraf

    Auch gibt es Lastenräder, die sich durch ausgeklügelte Falttechniken zu einem Fahrrad von normalen Abmessungen zusamenklappen lassen. Das gilt bei einigen Modellen auch für die Leichtbauweise beim Wetterschutz für Fahrer und Transportgut.

    Trend 6: Modisch ist, wer sich leger kleidet

    Bekleidung für Radler, die man auch im Büro tragen kann, gibt es, hat jedoch Seltenheitswert. Wer sich nach der Fahrt zur Arbeit nicht umziehen will, sucht deshalb am besten die Wanderabteilung in einem Sportgeschäft auf. Falls man nicht auf den Schutz für das Gesäß verzichten will, bietet sich die Radlerunterhose an.

    Bei der Bekleidung und der Ausrüstung ist Farbe Trumpf. Foto: Gerd Landgraf

    Ansonsten ist die Radlerbekleidung durchaus für den Alltag tauglich geworden – nicht mehr nur sportiv, sondern leger. Hosen liegen nicht unbedingt hauteng an. Bei den Shirts ist Farbe Trumpf, wobei Signalfarben auch unter dem Aspekt der Sicherheit im Verkehr zu sehen sind. Auf der Eurobike dominierten gelbe, rote und blaue Funktionstextilien. Diese Stoffe leiten den Schweiß nach außen, trocknen rasant und sind ultraleicht. Zumindest eine Beimischung von Polyester ist obligatorisch, auch bei den Textilien, die zu einem mehr oder minder großen Anteil aus Abfallplastik, das aus den Meeren gefischt wurde, hergestellt werden.

    Trend 7: Die Klamotten sind nicht nur bequem

    Ein Plus an Sicherheit bringen blinkende und reflektierende Streifen oder Muster an Helm, Halstuch, Shirts, Hose, Socken und an den Schuhen. Das Wohlergehen der Füße lässt sich durch Socken ohne Nähte steigern. Ergonomische Gesichtspunkte spielen bei Handschuhen oder etwa auch beim Rucksack eine ähnliche Rolle wie bei den Griffen am Fahrradradlenker und beim Sattel.

    Auch die Hersteller von Strümpfen haben den Radler als Kunden entdeckt. Foto: Gerd Landgraf

    Bei der Regenbekleidung lässt sich viel Geld sparen, wenn nur ein Schutz vor Nässe gebraucht wird. Wer jedoch trotz Regen kräftig in die Pedale tritt, der kommt an teuren Materialien nicht vorbei, will er nicht unter Jacke und Hose im Schweiß stehen. Beheizbare Handschuhe und Schuhe braucht indes nicht jeder.

    Trend 8 - ist eigentlich kein Trend: E-Scooter kein Geschäft für den Fachhandel

    Weil der technisch ausgereifte Elektroroller ähnlich viel wie ein E-Bike kostet, glaubt der Fachhandel nicht an das große Geschäft mit dem E-Scooter. Beim Fahrradfachhandel ist jedenfalls noch keine große Nachfrage am E-Scooter angekommen. Noch konzentriert sich die Nutzung der E-Roller als Verkehrsmittel auf größere Städte, in denen zunächst einmal die Verleiher das Geschäft machen könnten.

    Im Fachhandel sind die E-Scooter bislang nur ein Nischenprodukt. Foto: Gerd Landgraf

    Die Eurobike zeigte das Dilemma bei der Einführung in Deuschland. Preisgünstige Roller, die es für einige Hundert Euro gibt, erfüllen nicht die Kriterien der seit Mai geltenden Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge. Wer ein straßentaugliches Gefährt und hohe Qualität will, der zahlt Preise, für die es auch das motorisierte Citybike gibt.

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