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    UNTERFRANKEN

    Droht vielen Schwimmbädern in Unterfranken das Aus?

    Freibäder wegen kaltem Wetter vorübergehend geschlossen
    Der Sanierungsbedarf unterfränkischer Schwimmbäder ist enorm. Vielen Einrichtungen droht die Schließung. Symbolfoto: Daniel Karmann Foto: Daniel Karmann (dpa)

    Viele Schwimmbäder in Unterfranken müssen dringend saniert werden. Insgesamt benötigen die Einrichtungen rund 150 Millionen Euro, um den Betrieb langfristig aufrecht zu erhalten. Das geht aus der Antwort des bayerischen Innenministeriums auf eine Anfrage der SPD hervor. In über 60 Bädern besteht Sanierungsbedarf. Sechs Schwimmbädern in Unterfranken droht langfristig sogar die Schließung. Bayernweit schätzen Städte und Gemeinden die voraussichtlichen Sanierungskosten ihrer Hallen- und Freibäder auf insgesamt über eine Milliarde Euro.

    Für Bischofsheim an der Rhön (Lkr. Rhön-Grabfeld) ergab die Abfrage voraussichtliche Sanierungskosten in Höhe von sieben Millionen Euro. Das Hallenbad der Stadt ist ungefähr vierzig Jahre alt. Nun sei dem Bürgermeister Georg Seiffert (CSU) zufolge eine Generalsanierung nötig. „Solange die Technik funktioniert, können wir den Betrieb aufrecht erhalten“, sagt er. Sollte es zu schwerwiegenden Störungen kommen, sei das Hallenbad auf Fördermittel des Freistaats angewiesen. Eine Schließung könne ansonsten nicht ausgeschlossen werden.

    • Diesen Schwimmbädern in Unterfranken droht das Aus

     

    Ohne Ehrenamtliche geht es nicht

    Im Waldbad in Triefenstein (Lkr. Main-Spessart) erhält ein ehrenamtlicher Förderverein den Badebetrieb aufrecht. Als Verstärkung der Bademeister bei der Aufsicht, bei Reinigungsarbeiten oder an der Kasse ist das Schwimmbad auf Hilfe angewiesen. „Auch langfristig wird die Gemeinde auf das Engagement des Vereins angewiesen sein“, sagt Bürgermeister Norbert Endres (CSU). Aktuell sei das Waldbad ihm zufolge nicht von einer Schließung bedroht. „Doch in absehbarer Zeit wird eine Sanierung kommen müssen“. Er richtet seinen Appell an die bayerische Landesregierung und die Bundesregierung. Der Bürgermeister geht von Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro aus und fordert Fördermittel für den Erhalt des Bades.

    Ähnlich ist die Situation in Schönau an der Brend und Fladungen (beide Lkr. Rhön-Grabfeld). Auch dort ist die Gemeinde auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, die kleine Renovierungsarbeiten selbst erledigen. Für eine Sanierung der Technik benötige die Gemeinde rund zwei Millionen Euro, schätzt Agathe Heuser-Panten (WBO) aus Fladungen. „Schwimmbäder spielen eine wichtige Rolle für die öffentliche Grundversorgung“, sagt die Bürgermeisterin. Vor allem für Kinder seien die städtischen Bäder wichtig, um schwimmen zu lernen. Nicht nur die eigenen Bürger, auch der Tourismus würde von Schwimmbädern profitieren.

    Ebenfalls dringend sanierungsbedürftig ist das Hallen- und Wellenfreibad Mellrichstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld), bestätigt Bademeisterin Kerstin Cabut. Bei einem Ortstermin des Bauausschuss konnten sich auch die Stadträte kurz vor der Sommerpause vom maroden Zustand des Bades überzeugen. Cabut hofft, dass das Bad möglichst bald generalsaniert wird.

    Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bayern kritisiert das drohende Schwimmbadsterben. „Wir sind uns bewusst, dass der Betrieb und erst recht die Sanierung oder der Neubau eines Hallenbads echte finanzielle Herausforderungen sind“, sagt Ingo Flechsenhar, Präsident der DLRG Bayern. Mehrere Gemeinden könnten sich zusammentun, um ein modernes Hallenbad zu betreiben, schlägt die Gesellschaft als Lösungsansatz vor.

    Rund zehn Prozent des voraussichtlichen Summer zur Sanierung der unterfränkischen Schwimmbäder entfallen auf Bad Neustadt an der Saale. Von einer drohenden Schließung ist das Triamare jedoch nicht betroffen. „Das Erlebnisbad wurde 2002 eröffnet und nun steht eine routinemäßige Generalsanierung an“, sagt der Geschäftsführer Joachim Stöhr. Der Sanierungsbedarf von 15 Millionen Euro sei eine grobe Schätzung. Die Stadtverwaltung hat der Renovierung bislang nicht zugestimmt.

    Förderung nur für Bäder mit Schulsport

    Die Regierung von Unterfranken bietet Förderungen für die Sanierung von Schwimmbädern im Rahmen des Finanzausgleichs. Unterstütz werden dem Pressesprecher Johannes Hardenacke zufolge nur Hallenbäder, die für den Schulsport genutzt werden. Als Beispiel dafür führt er das Nautiland in Würzburg an. Der Neubau des städtischen Schwimmbads soll rund 25 Millionen Euro kosten. Etwa 3,2 Millionen Euro davon übernimmt der Freistaat. Bei der Generalsanierung des Volkacher Schulschwimmbads trägt er mehr als ein Drittel der Sanierungskosten.

    Die Bayerische Staatsregierung hat im Zuge der Verhandlungen zum kommunalen Finanzausgleich eine Arbeitsgruppe zur Schwimmbadförderung gegründet. Diese soll bis zur Aufstellung des Doppelhaushalts 2019/2020 Fördermöglichkeiten für die Sanierung kommunaler Bäder ausloten. Das Ziel sei es, „die kommunalen Bäder als grundlegende Voraussetzung für den Erwerb der Schwimmfähigkeit der Kinder und Jugendlichen zu erhalten“. Die Arbeit der Arbeitsgruppe ist noch nicht abgeschlossen, teil das Bayerische Bauministerium mit.

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