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    München

    Experten unterstützen Impfpflicht gegen Masern

    Um Masern auszurotten will der Bund eine Impfpflicht einführen. Während die CSU lieber weiter auf Freiwilligkeit setzen würde, äußerten sich Experten im Landtag positiv zu den Berliner Plänen. Foto: Marius Becker, dpa

    Bei einer Expertenanhörung im Landtag haben sich Mediziner, Wissenschaftler und Gesundheitsexperten einhellig positiv zu der bundesweit geplanten Impfpflicht gegen Masern geäußert. "Masern zu eliminieren ist ein erstrebenswertes Ziel", sagte dort etwa der Immunologie-Professor Christian Bogdan vom Universitätsklinikum Erlangen.

    Masern gehören zu den Infektionskrankheiten mit dem größten Gesundheitsrisiko: So führten von exakt 2023 in Bayern gemeldeten Masern-Erkrankungen in den letzten zehn Jahren 654 zu einem Krankenhausaufenthalt, 51 zu einer Lungenentzündung. In Einzelfällen kann die Krankheit sogar lebensbedrohlich verlaufen. Demgegenüber stünden bei rund 38 Millionen dokumentierten Masern-Impfungen in Deutschland unter zwanzig Fälle mit bleibenden Impfschäden, erklärte Impf-Experte Bogdan: Das geringe Risiko sei deshalb "kein guter Grund, sich nicht auf eine Impfung einzulassen".

    Impfquote: Regionale Unterschiede auch in Unterfranken 

    Dennoch sei etwa die Quote ausreichend geimpfter Schulkinder mit rund 92 Prozent in Bayern und knapp 94 Prozent in Unterfranken noch immer nicht hoch genug, um Masern endgültig auszurotten. Auch gibt es starke regionale Unterschiede: In Unterfranken liegt die Quote bei der Einschulung zwischen 89,4 Prozent in Bad Kissingen und 95,3 Prozent in Würzburg. Bei Kleinkindern gebe es zudem gefährliche Impf-Lücken, beklagte Dr. Martin Lang vom Verband der Kinder- und Jugendärzte: So hätten bei den Zweijährigen nur rund 74 Prozent den vollen Impfschutz: "Das ist aber genau eine Hochrisiko-Gruppe bei Masern-Erkrankungen", so der Kinderarzt.

    "Masern sind längst keine Kinderkrankheit mehr"

    Viele Erwachsene seien sich zudem überhaupt nicht bewusst, nicht ausreichend geschützt zu sein, warnte Dr. Markus Baier vom Bayerischen Hausärzteverband. Bis zu vierzig Prozent der Dreißig- bis Fünfzigjährigen bräuchten eine neue Masern-Impfung. Rund die Hälfte der Masern-Erkrankungen betreffe deshalb inzwischen Erwachsene, so Kinderarzt Lang: "Masern sind längst keine Kinderkrankheit mehr."

    Der zu geringe Impfschutz gefährde zudem nicht nur die zwei bis fünf Prozent Impfverweigerer in Bayern, sondern auch Menschen, die etwa wegen Immunerkrankungen nicht geimpft werden können oder die rund zwei Prozent, bei denen die Impfung nicht wirkt. Die Experten unterstützten im Landtag deshalb einhellig die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Masern-Impfpflicht. Nach den Berliner Plänen sollen ab März 2020 Eltern vor einer Anmeldung in Kita oder Schule nachweisen, dass ihr Kind gegen Masern geimpft ist. Auch Erzieher oder medizinisches Personal müssen künftig geimpft sein.

    In der Landtags-CSU würde man hingegen lieber weiter allein auf Freiwilligkeit und Beratung setzen, um die Impfquote zu erhöhen. Der bessere Schutz bislang unfreiwillig Schutzloser sei jedoch "ein hoher Wert, der für die Impfnachweispflicht spricht", hielt der Erlanger Verfassungsrechtler Prof. Heinrich de Wall dagegen. Jedenfalls liege es im Ermessen der Bundesregierung, hier eine eigene Abwägung zu treffen.

    Einige Experten plädieren für Ausweitung der Impfpflicht auf andere Krankheiten

    Einige der Experten bemängelten, dass sich die geplante Impfpflicht ausschließlich auf Masern beschränkt: Dies könne dazu führen, "dass andere Impfungen als weniger wichtig angesehen werden", warnte die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Cornelia Betsch: "Wenn man die Daumenschrauben schon ansetzt, dann sollte man das gesamte Impf-Portfolio als verpflichtend erklären."

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