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    Bamberg

    Geklaute Hörbücher: Internet-Verkäufer müssen vor Gericht

    Sie lebten von geklauten Ideen: Drei Männer, die mit dem illegalen Internet-Shop "lesen und lauschen" Kasse gemacht hatten, sind jetzt angeklagt worden.
    Geklaute Hörbücher sollen Internet-Händler auf der großen Plattform 'lesen und lauschen' vertickt haben - ehe ihnen die Zentralstelle Cybercrime in Bamberg das Handwerk legte.
    Geklaute Hörbücher sollen Internet-Händler auf der großen Plattform "lesen und lauschen" vertickt haben - ehe ihnen die Zentralstelle Cybercrime in Bamberg das Handwerk legte. Foto: Arne Dedert, dpa

    Erneuter Erfolg der fränkischen Sondereinheit gegen Kriminelle im Internet in Bamberg: Drei mutmaßliche Internet-Kriminelle, die online Kasse mit dem illegalen Handel mit E-Books und Hörbüchern gemacht hatten, müssen vor Gericht. Die Zentralstelle Cybercrime beim Generalstaatsanwalt in Bamberg erhob jetzt Anklage gegen das Trio, das auch einen der größten Darknet-Handelsplätze betrieben haben soll.

    Hörbücher für Cent-Beträge

    Das Internet-Portal zum Verkauf illegal kopierter Hörbücher und E-Bücher war im Juni 2017 nach längeren Ermittlungen still gelegt worden: Die drei Betreiber der Website, die unter dem Motto "lesen und lauschen" für sich warb, kamen in Untersuchungshaft. Auf der Plattform sollen sie E-Books und Hörbücher für Centbeträge verkauft haben, hieß es nach der Festnahme gegenüber dieser Redaktion.

     Zwei der Männer sollen laut Staatsanwaltschaft das Portal aufgebaut und administriert haben. Die dritte angeklagte Person soll bei der Verschleierung von Zahlungsströmen geholfen haben.

    Mehr als 200 000 Titel

    "LuL.to" war nach Einschätzung der Ermittler ein großes Online-Portal, über das ohne Einwilligung der Urheber oder Lizenzberechtigten Bücher (E-Books), Hörbücher (A-Books), sowie Zeitungen als Datei gegen Zahlung von wenigen Cent zum Download angeboten wurden. Das Angebot umfasste mehr als 200 000 Titel, darunter 160 000 deutschsprachige E-Books sowie 28 000 Hörbücher.

    Über 30 000 Kunden nahmen die illegalen Dienste des Portals in Anspruch. Im Netz hatten legale Händler 2016 Strafantrag gegen lul.to wegen Vertrieb von illegalen Raubkopien gestellt. Einer betonte gegenüber dieser Redaktion, dass "tausende von Autoren und Verlage von dem System dieser perfiden Piratenplattform betroffen sind."

    Kunden konnten lange mit Paysafecard bezahlen. Dabei handelt es sich um eine Prepaid-Karte für Online-Shops, die man etwa am Kiosk kaufen kann. Auf dieser findet man einen Code, den man im Netz eingibt. So bleibt man, wenn man bar bezahlt hat, anonym und riskiert auf dubiosen Seiten keinen Datenverlust wie im Fall einer Kreditkartenzahlung.

    Bestseller im Angebot

    So kostet etwa ein Bestseller wie Jan Weilers "Im Reich der Pubertiere" 18 Cent, für das Hörbuch "Bibi & Tina - Mädchen gegen Jungs: Das Original-Hörspiel zum Kinofilm" waren 25 Cent fällig. Die Ermittler konnten im Rahmen von Durchsuchungen über 11 Terabyte Daten sichern. Den zahlreichen Autoren und Urheberrechtsinhabern entstand durch die strafbare Weiterverbreitung der Titel ein enormer Gesamtschaden, der erst nach Auswertung der tatsächlichen Downloads beziffert werden kann.

    Dass die Anklage erst knapp zwei Jahre später erhoben wird, erklärt Oberstaatsanwalt Thomas Goger bei der Zentralstelle für Cybercrime in Bamberg mit der Vielzahl von Delikten: "Bei so vielen Fällen ist es relativ aufwendig, jeden einzelnen davon so genau zu fassen zu kriegen, dass man ihn in eine Anklage schreiben kann."

    Duo auch in dubiosen Geschäften im Darknet tätig

    Bei Hausdurchsuchungen bei den Angeklagten stellten die Ermittler Vermögen von mehr als zwölf Millionen Euro sicher, das meiste davon in Form von Kryptowährungen wie Bitcoin. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks für die Tagesschau könnten die hohen Einnahmen auch daher kommen, dass die beiden Hauptangeklagten eine weitere Plattform betrieben: Hansa Market, den damals zweitgrößten illegalen Handelsplatz im Darknet.

    In diesem Fall ermittelt die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Frankfurt. Auch dort wird derzeit an einer Anklage gearbeitet.

    Falsche Pässe, Drogen, Datenklau

    Auf Hansa Market wurden Drogen, gefälschte Pässe und ausgespähte Daten angeboten.  An den Ermittlungen rund um Hansa Market beteiligt waren Europol, das FBI sowie Ermittler aus den Niederlanden, Litauen und aus Deutschland. Die Ermittler kamen den Angeklagten auf die Spur, als diese durch eine Unachtsamkeit den Standort eines ihrer Internetserver preisgaben.

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