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    WÜRZBURG

    Hitzesommer: Ernteeinbußen bei Getreide erwartet

    Dürre bringt Landwirte in Schwierigkeiten
    Die Dürre bringt die Landwirte in Schwierigkeiten. Kühe finden vielerorts kein Gras mehr auf der Weide. Foto: Jan Woitas/dpa

    Die Getreideernte wird dieses Jahr in Bayern wegen der großen Trockenheit geringer ausfallen als sonst. Erwartet werden laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik 6,2 Millionen Tonnen (7,0 Millionen Tonnen 2017). Die extremen Wetterbedingungen in vielen Regionen Bayerns beeinflussten das Pflanzenwachstum und die Kornreifung. Dies führe nach ersten Schätzungen zu Ernteeinbußen von rund elf Prozent.

    Diese Schätzungen beruhen aber auf Angaben von Ernteberichterstattern zum Berichtmonat Juni. Mittlerweile hat der Bayerische Bauernverband die Zahlen nach oben korrigiert: „Die bayerischen Bauern haben deutlich weniger Getreide eingefahren als erwartet, bei Sommerweizen und Sommergerste werden sogar Ausfälle von bis zu 60 Prozent verzeichnet“, sagt Markus Peters, Pressesprecher beim Bayerischen Bauernverband.

    Wenige Niederschläge im Norden der Region

    Unterfranken sei, was die Erntebilanz angeht, zweigeteilt. Besonders die nördlichen Landkreise der Region seien stark von der Dürre betroffen, sagt der unterfränkische Bauernpräsident Stefan Köhler. „Wir erwarten für die Landkreise Bad Neustadt, Haßberge, Schweinfurt und Bad Kissingen Ernteeinbußen von 20 bis 30 Prozent.“ Besonders bei Weizen, Winterraps, aber auch beim Grünland zeichnen sich schlechtere Erträge ab. Das Getreide sei im Frühjahr viel zu schnell in die Höhe gewachsen. Im Süden der Region, am Untermain und im Spessart gab es zwar mehr Niederschläge, aber es wird trotzdem zehn bis 15 Prozent weniger Erträge geben.

    „Das Jahr 2018 ist ein Jahr der Extreme“, sagt Köhler. Vor allem das Frühjahr war extrem: Im heißesten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 seien nur 40 Prozent der üblichen Niederschläge gefallen. „Diese extreme Wettersituation sowie viele Unwetter und andere Wetterkapriolen spüren die unterfränkischen Bauern nun schmerzlich bei der Ernte“, sagt der Bauernpräsident.

    Es gibt zu wenig Futter

    Viele Bauern wissen nicht, was sie an ihre Tiere verfüttern sollen, denn sie haben mit den Ernten kalkuliert. „Bei einige Landwirten kann das Vieh nicht mehr auf der Weide stehen, weil das Gras verdörrt ist und nicht mehr als Futter ausreicht.“ Der Bauernverband hat daher eine Futtertauschböse eingerichtet. Wer noch Lagerbestände vom Vorjahr in seinen Silos hat, könne sich dort melden, genau wie Landwirte, die Futtermittel suchen. „Wir müssen gute Jahre in Zukunft nutzen, um Reserven für schlechte Jahre anzulegen“, sagt der Bauernpräsident.

    Stefan Köhler ist wie viele Landwirte zwar gegen Hagel und Starkregen versichert, nicht aber gegen Dürre. „Die Versicherung ist viel zu teuer“, sagt Köhler, der selbst Raps, Wintergerste, Dinkel und Körnermais anbaut. Bei Dürreschäden liege die Versicherungsprämie zwischen 25 und 30 Prozent des Versicherungswertes, erklärt Bauernverbandsprecher Peters. Zum Vergleich: Bei anderen Extremwetter-Situationen liegt die Versicherungsprämie in einer Höhe von anderthalb bis fünf Prozent der vereinbarten Versicherungssumme. Ernteausfälle durch extreme Trockenheit sind bisher eher selten. Und wenn sie auftreten, dann sind immer gleich weite Teile Deutschlands betroffen. Hagel oder Starkregen treten meist nur regional begrenzt auf.

    Zwei Drittel der Bauern sind gegen Hagel versichert

    Rund zwei Drittel der Landwirte haben eine Hagelversicherung abgeschlossen. Alleine bei der Vereinigten Hagel sind insgesamt etwa fünf Millionen Hektar versichert, also rund die Hälfte der gesamten Ackerfläche Deutschlands, ist gegen gängige Wetterextreme versichert. Dazu zählen Hagel, Sturm, Starkregen oder Frost. Gegen die Dürre sind laut Erhebung des Branchenverbands GDV nur 0,5 Prozent der Flächen versichert.

    Der Bauernverband setzt sich deshalb zum einen für eine Absenkung der Versicherungsprämie bei der Mehrgefahrenversicherung gegen Dürre und Trockenheit ein. Noch wesentlich wichtiger wäre laut Bauernverband eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, die es Landwirten ermöglichen würde, dass sie in guten Jahren einen Teil des Gewinns für schlechte Jahre zurücklegen und damit in die Lage versetzt werden, ihr eigenes Risikomanagement zu stärken.

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