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    BESSENBACH

    Jugendliche forschen für eine bessere Zukunft

    Die Erstplatzierten vom Regionalwettbewerb „Schüler experimentieren“ im Bereich Technik: (von links) Helena Bott, Leni Herold und Carla Thomma. Foto: Lisa Schräder

    Brokkoli als Gesundheitsförderer, solarbetriebene Fahrzeuge und Superabsorber von Ölverschmutzungen. Mit letzterem haben die beiden Schüler Paul Kunisch und Thomas Derra den ersten Platz beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ im Fachgebiet Chemie belegt.

    Junge Forscher wollen die Umwelt schützen

    Paul und Thomas wollen mit ihrer Arbeit die Umwelt vor den Auswirkungen weltweiter Ölverschmutzungen schützen. Dazu forschten sie mit verschiedenen Materialien und Verfahren, welche das Rohöl aufsaugen und zum Erstarren bringen. „Der Vater von Thomas ist Chemiker und hat uns einen Artikel aus der Zeitschrift „Angewandte Chemie“ gezeigt. Das Thema hat uns so interessiert, dass wir uns die Originalpublikationen besorgt haben.“, sagt Paul zur Entstehungsgeschichte.

    Mit Hilfe von Sponsoren konnten sie die teuren Chemikalien „dann einfach mal bestellen“. Mit handgeformten Kügelchen aus Baumwolle führten sie viele Versuche durch. Das Projekt soll jedoch praxisnaher weiterentwickelt werden. Für die Zukunft denken Paul und Thomas an „Materialien, die in der Industrie anfallen wie Sägespäne oder Sägemehl, die eine zelluloseähnliche Struktur haben und die man einfach aufstreuen kann“. So könne man den Superabsorber nicht nur im marinen Bereich sondern auch für Ölflecken auf Straßen benutzen.

    Die Jury hat vor allem die genaue Arbeitsweise der beiden 16-Jährigen überzeugt. Bei dem Wettbewerb geht es nämlich besonders um die Art, wie man forscht, wie genau man arbeitet und dass man sich von Problemen nicht aufhalten lässt.

    Für die Ersten geht es zum Landesentscheid

    Regierungspräsident Paul Beinhofer und Landrat Ulrich Reuter kürten die Sieger im Regionalentscheid „Jugend forscht – Schüler experimentieren“ Unterfranken in Bessenbach (Lkr. Aschaffenburg). In diesem Jahr haben 114 Jugendliche mit 75 Projekten teilgenommen. Der Nachwuchswettbewerb für Naturwissenschaft und Technik gilt als einer der wichtigsten in Deutschland, um Talente frühzeitig zu erkennen und zu fördern. Eine eigene Jury für jedes Fachgebiet schickt die bestplatzierten Jungforscher in den Landesentscheid.

    Über den Dieselskandal zum Solarauto

    Auch die Kleinen von „Schüler experimentieren“ machen sich Gedanken, wie man der Umweltverschmutzung entgegenwirken kann. Die beiden zwölfjährigen Carla Thomma und Leni Herold und die 13-jährige Helena Bott interessiert das Klischee, Autos wären nur was für Jungs, nicht. Sie haben Solarautos in der Größe eines Spielzeugautos mit einem Kompensator als Energiespeicher gebaut und schafften damit im Bereich Technik den ersten Platz. Die Idee kam ihnen über den viel diskutierten Dieselskandal. „Die Umwelt wird durch die Abgase verschmutzt und das wollten wir verringern“, meint Helena.

    „Wir wollten eigentlich ein großes Auto, so wie ein Kettcar, bauen“, sagt Carla, „aber das Problem war, dass es zu teuer war.“ Die Mädchen mussten auch erst mit verschiedenen Baukästen für Elektroautos experimentieren, damit sie den Aufbau und die Technologie derartiger Fahrzeuge besser verstehen konnten. Das kostete sie sehr viel Zeit. Ob sie dann später in dem Bereich auch arbeiten wollen, wissen sie noch nicht, aber sie wollen trotzdem an dem Projekt dranbleiben.

    Brokkoli als Krebsbekämpfer

    Teresa Lesch konnte sich im Fachbereich Biologie gegen 26 weitere Projekte durchsetzen. Sie wollte herausfinden, was alles im Brokkoli steckt und wie gesund er wirklich ist. „Im Internet bin ich darauf gestoßen, dass es sogenannte Krebsdiäten gibt“, meint Teresa. In dieser alternativen Praktik wurde Brokkoli oft empfohlen, deswegen „wollte ich wissen, was Brokkoli so gesund macht.“

    Der Verzehr von Brokkoli soll mit seinen gesunden Antioxidantien Vitamin C und Sulphoraphan krebsbekämpfend wirken. Mit verschiedenen Verfahren führte Teresa Versuche durch, um diese These zu hinterfragen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Brokkoli Sulphoraophan enthält, aber ob er Krebs bekämpft konnte sie noch nicht herausfinden. Zudem „müsste jetzt noch untersucht werden, wie sich das beim Kochen verhält, weil man Brokkoli selten roh verzehrt.“ Der Forscherdrang der 16-Jährigen ist also noch lange nicht gestillt.

    Die Gewinner:

    Jugend forscht:

    Teresa Lesch vom Gymnasium Veitshöchheim: Gesundheit aus Brokkoli – was steckt in dem grünen Bäumchen?

    Paul Kunisch und Thomas Derra vom Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Aschaffenburg: Phasen-selektive Organogelatoren als Superabsorber bei Ölverschmutzungen in der Umwelt

    Jonas Köhler vom Hanns-Seidel-Gymnasium Hösbach: Wie naturnah ist der Spessart? – Klassifizierung des Waldes durch Satellitenbildanalyse

    Matthias Schusser vom Hermann-Staudinger-Gymnasium in Erlenbach a. Main: Chemie der Gläser und ihre Verwendung im Rahmen der Sanierung des HSG Erlenbach

    Jonathan Fulcher und Luis Kleinwort vom Wirsberg-Gymnasium in Würzburg: PointCopter – eine innovative Quadrocopter-Steuerung

    Schüler experimentieren:

    Noah Köhler und Tim Adler vom Hanns-Seidel-Gymnasium in Hösbach: HomeScope – interaktiv und digital mikroskopieren mit dem Smartphone

    Pooshiwkaa Karunaikumar vom Röntgen-Gymnasium Würzburg: Untersuchung der Grätzelzelle – welche Farbstoffe bzw. Lichtfarben sind am besten geeignet?

    Benjamin Elschner vom Friedrich-Dessauer-Gymnasium Aschaffenburg: Untersuchungen zum elektrischen Leitungsverhalten verschiedener Wassersorten und anderer Stoffe

    Carla Thomma, Helena Bott und Leni Herold vom Karl-Theodor-von-Dalberg Gymnasium Aschaffenburg: Bau eines solarbetriebenen Fahrzeugs

    Die Erstplatzierten vom Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ im Bereich Chemie: (von links) Thomas Derra und Paul Kunisch. Foto: Lisa Schräder
    Die Erstplatzierte vom Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ im Bereich Biologie: Teresa Lesch. Foto: Lisa Schräder
    Teresa Lesch bekommt für den ersten Platz beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ im Fachgebiet Biologie den Preis von Regierungspräsident Paul Beinhofer und Landrat Ulrich Reuter (von links) überreicht. Foto: Lisa Schräder

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