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    ALTUSRIED

    Katholischer Pfarrer will heiraten

    Pfarrer Anton Zech
    Nach einer langen Zeit des Ringens blickt Pfarrer Anton Zech in eine neue Zukunft. Foto: Matthias Becker

    Anton Zech blickt der Frau neben sich in die Augen. Sie sei das größte Glück in seinem Leben, sagt er. Und obwohl sie seine Liebe erwidert, schien eine gemeinsame Zukunft aussichtslos. Die beiden lächeln sich an. Hinter ihnen liegen Monate des Ringens. Am Ende hat Zech eine Entscheidung gefällt, die sein bisheriges Leben jäh beendet. Der katholische Pfarrer aus Altusried (Oberallgäu) legt sein Amt nieder. Der 61-Jährige will im Herbst heiraten.

    Anton Zech und seine Verlobte sitzen an einem Tisch und erzählen ihre Geschichte. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Mit Gewissensbissen und der Frage nach Moral. Mit Versteckspielen und dem Wunsch nach einem ehrlichen Leben. Sie möchte ihren Namen nicht öffentlich machen, um ihre Angehörigen zu schützen, sagt sie.

    Mit der Zeit wuchs die Liebe

    Das erste Mal begegnet sind sich Anton Zech und die Allgäuerin vor 25 Jahren. Bereits damals schätzten sich die beiden sehr. Fast 20 Jahre sind vergangen, bis sich ihre Wege zufällig wieder kreuzten. „Aus dieser Begegnung ist im Laufe der vergangenen Jahre eine tiefe Liebe gewachsen“, sagt der Pfarrer. Eine Liebe, die sich nicht länger verleugnen lasse.

    Doch zuvor trafen sich die beiden zum Wandern, zum Radeln, zu Skitouren. „Wir haben Ziele gewählt, an denen wir möglichst niemanden treffen, der uns kennt“, erzählt sie. Die Leute schwätzen halt, sagt Anton Zech und zuckt mit den Schultern. Da war etwa einmal ein Mann, der erzählte, dass dem Pfarrer immer eine Frau hinterher radelt. „Für die Frau ist das manchmal sogar schlimmer als für den Pfarrer“, sagt sie.

    Deswegen nehmen die zwei Menschen, die sich immer stärker zueinander hingezogen fühlen, lieber längere Autofahrten auf sich. Um gemeinsam einen Kinofilm zu schauen, fahren sie auch mal 90 Kilometer weit. Die Zuneigung wächst zur Liebe. Und gleichzeitig wächst der Wunsch, das Leben miteinander zu teilen. Als Mann und Frau.

    Doch Anton Zech ist auch begeisterter Priester. „Ich bin 34 Jahre lang in dem Beruf aufgegangen“, sagt er. „Ich merke, dass die Leute etwas davon haben, wenn ich da bin.“ Ob bei Krankenbesuchen oder Beerdigungen. Bei Wallfahrten oder Hochzeiten.

    Liebender Mann und leidenschaftlicher Priester

    Seit acht Jahren leitet der Geistliche die Pfarreiengemeinschaft Altusried-Kimratshofen. Davor war er 22 Jahre Pfarrer in Stein im südlichen Oberallgäu, davon fünf Jahre Dekan. Die Gläubigen ließen ihn damals ungern ziehen: Anton Zech galt als bodenständig und aufgeschlossen. Er habe stets die richtigen Worte gefunden, hieß es bei seiner Verabschiedung.

    Der liebende Mann einerseits, der leidenschaftliche Priester andererseits: „Ich war ganz lange hin- und hergerissen“, sagt er. „Das meiste habe ich mit mir selbst ausgemacht.“ Die Zeit des Ringens stellte auch die Beziehung auf die Probe. Seine Verlobte, selbst gläubige Christin, blickt den Pfarrer kurz an und sagt dann: „Meine moralischen Bedenken haben mich und uns sehr stark belastet.“ Jetzt, so sagt Anton Zech, ist der große Schritt nicht länger aufschiebbar. Um öffentlich zu seiner Liebe zu stehen. Und um ein ehrliches Leben führen zu können.

    Die Entscheidung, sein Amt niederzulegen, hat Anton Zech den Verantwortlichen in der Diözese in Augsburg inzwischen mitgeteilt. „Das Bistum Augsburg bedauert den Schritt von Pfarrer Anton Zech sehr, doch gleichzeitig müssen wir seine Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis nehmen“, schreibt Domdekan Bertram Meier in einer Stellungnahme.

    Verständnisvolle Reaktion

    Mit Pfarrer Zech gebe ein wegen seiner menschennahen Art anerkannter Seelsorger seinen Dienst auf. Das Bistum werde sich einsetzen, „damit Anton Zech auch menschlich und beruflich die kommende Zeit meistern und sich für ihn eine Perspektive öffnen kann“. Anton Zech und seine Verlobte sind für die verständnisvolle Reaktion sehr dankbar.

    Jetzt blickt das Paar in seine gemeinsame Zukunft. Der Pfarrer und seine Verlobte stehen auf. Sie wollen den Tag in einem Biergarten ausklingen lassen. Dazu fahren sie ein gutes Stück weit weg, um keinen Bekannten zu treffen. Noch nicht.

    Von Aimee Jajes

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