• aktualisiert:

    TAUBERTAL

    Kritik an Hitparade der Reichen

    Gunther Wobser, Chef der Firma Lauda in Lauda-Königshofen, hat sich dagegen gewehrt, dass er in einer Hitparade mit Reichen auftaucht. Foto: Lauda

    Dagobert Duck hat es stets genossen, das öffentliche Bad in seinem eigenen Reichtum. Inbrünstig ist er eingetaucht in das Meer aus Münzen und Scheinen. Auch die Menschen in der realen Welt haben lange gerne ihren Reichtum zur Schau gestellt. So ist es nicht mehr, die heutigen Wohlhabenden machen aus ihrem Vermögen in der Regel ein Geheimnis. In den meisten Fällen sind sie industrielle Familien und erfolgreiche Unternehmer der Neuzeit.

    Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ hat im Herbst erstmals eine Liste der mutmaßlich 1000 reichsten Deutschen veröffentlicht. Darunter befinden sich auch Personen und Familien aus der Region – etwa Gerhard und Gunther Wobser (Rang 511), die den Temperierspezialisten Lauda aus der gleichnamigen Stadt im Taubertal großgemacht haben. Sie sind nach eigenen Angaben kürzlich erfolgreich gegen die weitere Verbreitung ihres geschätzten Vermögens vorgegangen.

    Wie Wobser sich wehrte

    „Bilanz“ wird vom Axel-Springer-Verlag herausgegeben und hat eine Auflage von fast 200 000 Exemplaren. „Wir waren als Familie und Unternehmen von der genannten Vermögensangabe völlig überrascht. Sie entspricht in keiner Weise den Tatsachen“, heißt es in einem Wobser-Schreiben. Und weiter: „Um zu vermeiden, dass falsche Vermögensangaben möglicherweise die Basis für künftige Rankings und Spekulationen sind, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.“

    Auch Wöhrl übt Kritik an Listen

    Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert hat und ebenfalls gelistet ist (Rang 823), findet klare Worte: „Die Vermögensaufstellungen, egal von wem sie erarbeitet wurden, sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.“ Der Grund habe nichts mit mangelnder Recherche zu tun – obwohl man auch diese in Frage stellen könne –, sondern damit, dass es noch nicht einmal eine klare Bemessungsgrundlage, geschweige denn eine vollständige Analyse der großen Vermögen gebe.

    „Das Problem liegt insbesondere in Beteiligungen an börsennotierten Aktiengesellschaften“, so Wöhrl weiter: „Mir hat einmal einer der 'Reichen' nach dem Erscheinen der Liste im 'Capital' gesagt: 'Ich wusste gar nicht, dass ich so arm bin!‘“

    Umgekehrt aber gebe es viele, die stocksauer seien, weil diese Liste einen Wohlstand vorgaukele, den es gar nicht gebe. „Das ist insbesondere dann kritisch, wenn sich Firmen eines 'Reichen' in schwierigem Fahrwasser befinden und drastische Sanierungsmaßnahmen unerlässlich werden“, betont Wöhrl. „Schlecker ist für mich das beste Beispiel, wie unsinnig diese Aufstellungen sind. Er wurde noch als einer der reichsten Deutschen gehandelt, obwohl er längst pleite war.“

    Was die „Bilanz“-Redaktion meint

    Die „Bilanz“-Redaktion selbst führt an, dass es ein legitimes Informationsbedürfnis in der Bevölkerung gebe, wo sich im Land wirtschaftliche Macht ballt und wer sie ausübt. Und dass solche Listen längst keine Neiddebatte mehr auslösten, sondern sogar Ansporn sein könnten, es den erfolgreichen Unternehmern gleichzutun – zumindest bei vorhandenem Talent.

    Dem widerspricht Christian Abegglen, geschäftsführender Direktor der St. Galler Business School: „Das halte ich für eine Verzerrung der Realität. Sozialneiddebatten werden immer ausgelöst, wenn große Zahlen im Raum stehen; in Deutschland aus meiner Sicht sogar in besonderem Maße.“ Man verkenne dabei auch völlig, wie Vermögen entsteht, welche Arbeit dahinterstecke, welche rechnerischen Vermögen es brauche, ein großes Unternehmen am Laufen zu halten und für viele Hundert oder gar viele Tausend Arbeitsplätze zu sorgen.

    Experte aus der Schweiz redet Klartext

    Abegglens Institut bietet Seminare für das obere Management an. Zu vielen Unternehmern in Mainfranken und Umgebung pflegt der Schweizer seit Jahren intensive Kontakte. „Gerade die Unternehmerfamilien aus Ihrer Region haben bei großer Bodenständigkeit und oft beeindruckender lokaler Verwurzelung völlig anderes vor als in Saus und Braus zu leben“, sagt Abegglen. „In der Regel steckt das Vermögen in den Unternehmen vor Ort. Das ist Investieren mit und in Menschen.“

    Unternehmer in Mainfranken halten sich bedeckt

    Beispiele sind Knauf (Baustoffe/Iphofen, Lkr. Kitzingen), Warema (Sonnenschutz/Marktheidenfeld), Wittenstein (Antriebstechnik/Harthausen, Main-Tauber-Kreis), Würth (Schrauben, Befestigungstechnik, Schmiermittel/Künzelsau) oder die Fränkischen Rohrwerke (Wellrohrsysteme/Königsberg, Lkr. Haßberge), deren Unternehmerpioniere in dem Ranking geführt sind, teilweise weit vorne. Öffentlich kommentieren will es aus diesem Kreise auch auf Nachfrage dieser Redaktion niemand. Begründet wird dies entweder gar nicht oder häufig mit der aus ihrer Sicht fehlerhaften Berechnung ihrer Vermögenswerte. Einige sehen ihre Sicherheit oder die der Familien in Gefahr, wenn solche Zahlen ständig die Runde machen, andere verweisen auf ihr großes soziales Engagement als Unternehmer.

    „Fänden Sie es seriös, wenn ich Ihre private finanzielle Situation – nach bestem Wissen und Gewissen – abschätzen und sodann veröffentlichen würde?“, fragt Abegglen und fügt an: „Ich kann nicht erkennen, warum vermögendere Personen diesbezüglich doch bitteschön die Hosen runter lassen sollen, und diejenigen, die sich scheinbar so brennend dafür interessieren, ihre eigenen Verhältnisse natürlich niemals offenlegen würden.“ In der Regel richteten solche Rankings mehr Schaden an als sie Mehrwert bringen würden, findet Abegglen.

    Er beobachte in Deutschland generell eine „gewisse Reichenfeindlichkeit“ und „gehobene Umverteilungspräferenz“. Das sei sehr bemerkenswert, so der Ökonom und Buchautor weiter. „Gelten die deutschen, oft mittelständischen Unternehmer doch international als hoch loyal, zuverlässig und gemeinwohlinteressiert.“

    Wer die reichsten Deutschen sein sollen und wie die Listen entstehen

    Auf der „Forbes“-Liste, die die reichsten Menschen der Welt auflistet, steht kein Deutscher vorne. Immerhin soll die Bundesrepublik nach den USA und China das Land mit den meisten Milliardären sein. Hierzulande veröffentlicht neben dem „Manager Magazin“ auch die „Bilanz“ ein solches Ranking. Grundlage der Erhebung sind nach Redaktionsangaben Recherchen unter anderem in Registern, in Archiv- und Dokumentensammlungen, bei Vermögensverwaltern, Finanzexperten und Ökonomen, bei Anwälten und Vertretern der Rangliste selbst. Bewertet wurden demnach Aktienkapital, Unternehmen (nach Umsatz, Profitabilität, Marktstellung), Immobilien, aber auch Kunstsammlungen und Familienstiftungen. Der mit Abstand reichste Deutsche soll nach dem Bilanz-Ranking Dieter Schwarz (Kaufland/Lidl) mit einem geschätzten Vermögen von 37 Milliarden Euro sein. Dahinter folgt die Mannheimer Unternehmerfamilie Reimann (30 Milliarden Euro). Auf dem dritten Platz liegen demnach Georg und Maria Elisabeth Schaeffler vom gleichnamigen Automobilzulieferer (Herzogenaurach/Schweinfurt) mit 25,5 Milliarden Euro. Auch ehemalige und aktive Sportler finden sich auf der Liste – so Dirk Nowitzki (511. Platz), Sebastian Vettel (684.), Steffi Graf (823.) und Franz Beckenbauer (1000.), die allerdings selbst zusammengenommen unter einer Milliarde Euro bleiben. (jr)
    500-Euro-Scheine
    Geld wie Heu: Reiche Menschen im Land tauchen immer wieder in sogenannten Rankings auf. Doch diese Listen der Reichen sind umstritten. Foto: Patrick Seeger, dpa
    Christian Abegglen, geschäftsführender Direktor der St. Galler Business School, hält nichts von Hitparaden der Reichen. Foto: Joachim Schmeisser

    Weitere Artikel

    Kommentare (5)

    Kommentar Verfassen

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!