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    München

    Maxi Schafroth: „Ich würde die Rede wieder genauso halten“

    Maximilian Schafroth hielt beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg zum ersten Mal die Fastenpredigt. Foto: Tobias Hase, dpa

    Maximilian „Maxi“ Schafroth wurde 1985 in Memmingen geboren. Beim Derblecken am Nockherberg hat der Kabarettist, Schauspieler und Liedermacher heuer zum ersten Mal Politikern die Leviten gelesen. Im Interview erzählt er, warum er zufrieden mit sich ist, dass er wohl wieder antritt und weshalb er es falsch fand, dass die AfD nicht eingeladen war.

    Frage: Herr Schafroth, die derbleckten Politiker überschütteten Sie nach Ihrer Fastenpredigt auf dem Nockherberg mit Lob. Haben Sie also alles richtig gemacht? Oder waren Sie zu zahm?

    Maxi Schafroth: Ich war anfangs irritiert, dass so viel Lob kam – auch vonseiten der CSU. Aber ich erhielt ja Lob aus allen politischen Richtungen, auch von den Grünen, Linken und sogar vom FDP-Mann Wolfgang Kubicki, wo ich dachte, ich sei übers Ziel hinausgeschossen mit dem Rotwein und den blauen Zähnen.

    Also waren Sie nicht zu gnädig?

    Schafroth: Nein. Ich denke, ich habe die Gratwanderung zwischen Humor und Schärfe sehr gut hingekriegt. Einerseits haben sehr links orientierte Künstler mit Standing Ovations applaudiert, andererseits hat der Söder mich gelobt. Wenn Leute fordern, du musst so scharf sein, dass die Derbleckten grantig und verstimmt sind, ist das für mich Kindergarten.

    Einer hat genörgelt: Hubert Aiwanger. Der fühlte sich hart angegangen.

    Schafroth: Das lag witzigerweise daran, dass er immer wieder zugemacht hat. Ich bin beim Vorbereiten des Textes davon ausgegangen, dass der Aiwanger total mitgeht. Dass ihm vor Freude die roten Bäckle platzen. Aber er stand nicht drüber, konnte damit nicht umgehen. Ich bin mit allen Reaktionen zufrieden, weil mir Herz und Bauch genau diesen Weg vorgegeben haben. Darin bin ich auch von der Paulaner-Brauerei bestätigt worden. Die sagten mir, ich hätte das Ticket fürs nächste Jahr, falls ich's wieder machen will.

    Und? Werden Sie das Ticket lösen?

    Schafroth: Ja, ich denke schon; ich habe schon fast Ja gesagt. Weil es eine beflügelnde Aufgabe ist. Es hat mir ein unglaubliches Glücksgefühl gegeben, da oben auf der Bühne zu stehen und die Politiker anzusprechen. Und auch das Gefühl zu haben, bei denen sackt was hinunter. Etwa beim Innenminister Joachim Herrmann, den ich den Katholiken mit der Lizenz zum Abschieben nannte.

    Wie sind Sie selbst mit der Fastenpredigt zufrieden?

    Schafroth: Ich würde die Rede wieder genauso halten. Ich war vollkommen zufrieden damit. Ich bin sehr glücklich mit den Reaktionen, es gab am Ende ja Standing Ovations.

    Was möchten Sie nächstes Jahr anders machen?

    Schafroth: Ich sehe durchaus Entwicklungspotenzial. So möchte ich mich noch tiefer in die politischen Themen hineinarbeiten und einzelne Fälle vorstellen, um zu zeigen, dass hinter der politischen Dimension immer Einzelschicksale stehen.

    Was meinen Sie damit?

    Schafroth: Ich hätte zum Beispiel gerne auf den Fall eines afghanischen Asylbewerbers hingewiesen, der im Ostallgäu in einem Elektro-Betrieb in Ausbildung war. Ein arbeitender, integrierter junger Mensch, der eines Tages in der Früh abgeholt und abgeschoben wird, das ist verfehlte Politik. Solche Dinge muss man benennen.

    Von der CSU verlangten Sie hinsichtlich der Flüchtlingspolitik mehr Mitgefühl und Nächstenliebe. Das hörte sich nicht nach satirischer Analyse an, sondern nach einem Appell, ja einem Herzenswunsch. Das wollten Sie also unbedingt loswerden?

    Schafroth: Das haben mir Bauch und Herz befohlen, weil mich das persönlich sehr umtreibt und traurig macht. Es war klar, dass ich am Ende in aller Ehrlichkeit, Deutlichkeit und Natürlichkeit eine Botschaft loswerde. Das sind für mich Momente, wo das Derblecken von der Unterhaltung in die Ernsthaftigkeit gehen darf und muss. Mich hätte eher verletzt, wenn man mir vorgeworfen hätte, die Rede hätte keine Tiefe, keine Herzensbotschaft, keine klare Haltung.

    Über die AfD wollten Sie nichts sagen, weil Politiker dieser Partei nicht im Saal anwesend waren. Wussten Sie, dass die gar nicht eingeladen waren?

    Schafroth: Das wusste ich. Und ich habe der Paulaner-Brauerei gesagt, dass ich diese Entscheidung nicht gut finde. Für mich gehören alle demokratisch legitimierten Kräfte in den Saal. Ich halte den Rechtsruck und den Rechtspopulismus in Deutschland, ja in der ganzen Welt, für ein wichtiges Thema – und fand es schade, dass ich dies nicht aufgreifen konnte.

    Warum haben Sie sich am Ende direkt an die AfD gewandt und ein Miteinander angemahnt?

    Schafroth: Weil ich ohne diesen Gedanken nicht hätte aus der Rede herausgehen können. Da sind wir wieder bei der Herzensbotschaft: Ich finde es traurig, dass sich die politischen Lager aus der vernünftigen Debatte, aus dem vernünftigen Miteinander verabschieden. Man kann nur etwas erreichen, wenn man mit den Leuten spricht. Das war auch die Botschaft meiner Rede. Und das ist auch meine Botschaft als Mensch. Man muss im Kontakt bleiben, aber auch klar und scharf Dinge benennen. Deswegen wollte ich am Ende etwas sagen, was mich wirklich umtreibt – und das ist die Causa AfD.

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