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    MAINFRANKEN

    Mit Hilfestellung ins Arbeitsleben

    Integration auf dem Arbeitsmarkt: Die Firma Donner + Partner schult Migranten und Flüchtlinge in der Region mit einem selbst entwickelten Programm. Die Vermittlungsquote ist ziemlich hoch.
    Vor acht Monaten flüchtete der 28-Jährige von Afghanistan nach Deutschland. In Würzburg nahm er am Moka-Integrationskurs teil und war Praktikant bei der Auto-Werkstatt Euromaster. Nun hat er die Aussicht auf eine Ausbildung zum 1. September als Kfz-Mechatroniker. Voraussetzung ist, dass er die deutsche Sprache bis dahin gut beherrscht. Für Ausbildungsbetreuer Thorsten Pfeifer ist es selbstverständlich, ihn zu unterstützen: „Wir sind froh über jeden motivierten Mitarbeiter – egal, aus welchem Land er kommt.“ Foto: Thomas Obermeier

    Guten Tag, ich hätte gern ein Stück Kuchen“, sagt ein junger, dunkelhaariger Mann mit hörbarem Akzent. „Guten Tag, sehr gerne. Was möchten Sie noch?“, fragt ihn ein älterer Mann. – Der Dialog könnte bei einem Würzburger Bäcker stattfinden. Die zwei Männer sitzen aber im Bildungszentrum von Donner + Partner im sogenannten Moka-Kurs: M steht für Migration, O für Orientierung, K für Kultur und A für Arbeitswelt mit betrieblichem Praktikum.

    Der Kurs wurde speziell für Arbeitssuchende mit Migrationshintergrund, darunter auch Flüchtlinge, entwickelt. Die Teilnehmer sollen Schlüsselqualifaktionen lernen, die es ihnen ermöglichen, sich nicht nur im gesellschaftlichen Leben zu integrieren, sondern auch Fuß auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu fassen.

    Viele Teilnehmer können nicht Lesen und Schreiben

    „Wir erstellen Bewerbungsunterlagen, wir kochen zusammen, wir gehen einkaufen, wir lernen wie man Fahrpläne richtig liest“, sagt Dagmar Scheuermann, Standortleiterin in Würzburg. „Was die Teilnehmer hier lernen, klingt zunächst simpel. Was man aber nicht vergessen darf: Viele der Migranten und Flüchtlinge haben in ihren Herkunftsländern kaum oder gar nicht Lesen und Schreiben gelernt“, erklärt die Diplompädagogin.

    Mit 30 Tagen Theorie startet das Moka-Programm: Kommunikations- und Sprachtraining, Sozial- und Gemeinschaftskunde, kulturelle und gesellschaftspolitische Besonderheiten in Deutschland, Bewerbungstraining sowie angemessenes Auftreten bei Vorstellungsgesprächen. Nach dem ersten Theorie-Block folgt ein zehntätiges Orientierungspraktikum in verschiedenen Unternehmen und Branchen, beispielsweise im Lager, im Hotel, in der Logistik, der Küche, der Gastronomie, der Pflege, der Industrie oder der Montage.

    Deutscher Arbeitsmarkt neu und fremd

    „Wichtig ist, dass die Teilnehmer bis dahin über ein Grundvokabular verfügen, um einfache Arbeitsanweisungen zu verstehen und um auch Sicherheitsmaßnahmen einhalten zu können“, sagt Axel Griesbaum, einer der Geschäftsführer von Donner + Partner. Auch Termintreue, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit seien Qualifikationen, die die Teilnehmer oft erst lernen müssen, erklärt Alexander Steinruck, Teamleiter der Arbeitsvermittlung bei der Agentur für Arbeit in Würzburg.

    Als Koordinator für Fluchtmigration weiß er: Der deutsche Arbeitsmarkt ist für die Flüchtlinge oft vollkommen neu und fremd. Die Agentur für Arbeit sowie das Jobcenter sind seit vielen Jahren wichtige Kooperationspartner des Bildungszentrums. Sie vermitteln Arbeitssuchende nach Beratungsgesprächen weiter in das Moka-Programm und finanzieren die Teilnahme.

    Vom Flüchtling zur Dozentin

    Alizade Tutubike weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer der Einstieg für Ausländer in den deutschen Arbeitsmarkt ist. Sie kam vor drei Jahren als Flüchtling aus Aserbaidschan, nahm an einem der ersten Moka-Kurse teil und ist heute Seminarleiterin bei Donner + Partner. „Ein Schlepper hat mir damals meine ganzen Papiere geklaut“, erzählt die 29-Jährige, die in ihrer Heimat als ausgebildete Lehrerin arbeitete. Sie spricht Russisch, Türkisch, Aserbaidschanisch und mittlerweile auch Deutsch.

    Sich vor den überwiegend männlichen Teilnehmern durchzusetzen, sei nicht immer leicht. Aber dadurch, dass Alizade Ähnliches wie viele Flüchtlinge erlebt hat und heute integriert in Deutschland lebt und arbeitet, wird sie nicht nur respektiert, sondern sie motiviert auch. Bei Donner + Partner ist sie nicht die einzige Dozentin mit Migrationshintergrund. „Wir haben auch einige Referenten, die beispielsweise Arabisch sprechen“, sagt Kai Uwe Heinzelmann, der Regionalleiter für Franken.

    „Die erste Hürde ist oft die Sprache“

    Ein Kurs besteht aus rund 20 bis 40 Teilnehmern aus unterschiedlichen Herkunftsländern: Syrer, Afghanen, Russen, Italiener, Armenier und viele weitere Nationen sind oft in einem Kurs vertreten. „Die Teilnehmer lernen miteinander umzugehen – wenn auch, so der Regionalleiter, nicht immer konfliktfrei. Denn „nicht nur die Deutschen haben Hemmnisse und Vorurteile, oft haben das auch Teilnehmer aus demselben Herkunftsland.“

    Bei einem Orientierungspraktikum soll es nicht bleiben: Nach einem zweiten Theorie-Block folgt ein zweites Praktikum – das im besten Fall in eine feste Anstellung mündet. Gerd Hirschmann, Firmenbetreuer und Dozent bei Donner + Partner, begleitet seit vielen Jahren die Firmen in Franken und die Moka-Teilnehmer während ihres Praktikums. Er kennt die anfängliche Skepsis der Unternehmen. „Die erste Hürde ist oft die Sprache“, sagt er.

    Bürokratie verunsichert viele Firmen

    Für viele Arbeitgeber sei das aber kein Hindernis, sie unterstützen ihre Angestellten mit flexiblen Arbeitszeiten, sodass sie neben ihrer Arbeit an Deutschkursen teilnehmen können. Auch die mit einer Anstellung verbundene Bürokratie verunsichere viele Unternehmen. „Wichtig ist daher eine enge und offene Zusammenarbeit“, so Hirschmann. Als Vermittler steht er im ständigen Austausch mit den Unternehmen, die die Moka-Teilnehmer beschäftigen sowie den zuständigen Behörden, beispielsweise der Ausländerbehörde.

    Denn es ist nicht nur Aufgabe der Bildungszentren Sprachkenntnisse zu vermitteln. Auch die Betreuung der Flüchtlinge bei der Kommunikation mit den Behörden sowie Hilfestellungen bei Behördengängen als Vermittler übernimmt die Firma. Die Vermittlungsquote von Donner + Partner spreche dafür, dass Integration trotz anfänglicher Hürden sehr wohl gelingen kann, so Hirschmann: „Von 100 Flüchtlingen gehen bei uns rund 60 bis 78 Flüchtlinge in Arbeit.“ Es sei natürlich nicht immer einfach – aber immer machbar.

    Donner + Partner in Franken

    Gegründet wurde Donner + Partner 1982, heute ist das Unternehmen mit 750 Mitarbeitern in neun Bundesländern vertreten. In Franken gibt es sechs Standorte mit Bildungszentren in Würzburg, Schweinfurt, Bad Kissingen, Bad Brückenau, Fürth und seit Januar auch in Karlstadt.

    Integrationskurse, berufliche Weiterbildung und Umschulungen im kaufmännischen und gewerblichen Bereich gehört zum Bildungsangebot von Donner + Partner. Anfangs hat das Unternehmen vor allem Rehabilitationsmaßnahmen angeboten, nach und nach stellte es sich breiter auf.

    Der Moka-Kurs wurde in den 90er Jahren entwickelt, als Hunderttausende Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland kamen. „Als die große Flüchtlingswelle 2015 nach Deutschland kam, waren wir in dem Bereich bereits gut aufgestellt mit Fachpersonal und gut vernetzt mit Firmen aus der Region“, sagt Kai Uwe Heinzelmann, Regionalleiter Franken. jas

    Als „motivierte Frohnatur“ kennt man den 28-Jährigen bei der UKW Service GmbH in Würzburg, einer Tochtergesellschaft der Universitätsklinik. Über das Moka-Programm kam er zu seiner Arbeit dort in der Großküche. Vor rund zwei Jahren flüchtete der Afghane nach Deutschland. Um sein eigenes Geld zu verdienen, pendelt er täglich mit dem Bus von Aub nach Würzburg. „Obwohl er oft stundenlang auf den Bus warten muss, ist er immer pünktlich“, sagt Sylvia Gräf, Objektleiterin der Großküche, stolz. Foto: Thomas Obermeier
    Der 27-Jährige nahm am Moka-Kurs teil und arbeitet seit knapp drei Monaten in der Großküche bei der UKW Service GmbH. Auch er möchte sein eigenes Geld verdienen und pendelt dafür täglich mit dem Bus von Güntersleben nach Würzburg. Seit Kurzem droht ihm allerdings die Abschiebung zurück in seine Heimat Afghanistan. Für seine Chefin Sylvia Gräf ist das ein Schock, sie kennt ihn als offen und engagiert. Mahmodi gibt aber nicht auf: „Deutschland ist jetzt mein Zuhause und meine Familie“, sagt er. Foto: Thomas Obermeier
    Die Arbeit mit älteren Menschen ist der 30-Jährigen richtig ans Herz gewachsen. 2015 kam sie aus Kasachstan nach Deutschland und nahm nach einem Jahr am Moka-Kurs teil. Erst war sie Praktikantin, seit Oktober 2016 arbeitet sie fest im Senioren-Wohnzentrum Ludwigshof in Würzburg. „Unsere Bewohner waren sofort begeistert von ihr“, sagt Leiterin Silke Müller. Mit ihrer herzlichen und offenen Art habe sie sich sofort ins Team integriert, sagt auch Pflegedienstleiter Sven Vinzens. Foto: Thomas Obermeier

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