• aktualisiert:

    München

    Mit Würzburger Technik in die Wolken schauen

    Mit einem Netzwerk Schuhschachtel großer Mini-Satelliten will der Würzburger Telematik-Professor Klaus Schilling nun auch die Klimaforschung revolutionieren. Foto: Informatik VII, Universität Würzburg

    Ein Hans-guck-in-die-Luft ist der Würzburger Telematik-Professor Klaus Schilling sicher nicht. Im Gegenteil: Der renommierte Wissenschaftler versucht bereits seit Jahren mit seinen Mini-Satelliten sehr konkrete Fortschritte für das Leben auf der Erde zu erreichen. "Professor Schilling hat die Fähigkeit, Dinge auf den Weg zu bringen, die einzigartig sind", lobt deshalb etwa Prof. Gerhard Sextl vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg.

    Nach Projekten zur dreidimensionalen Erdbeobachtung und zur sicheren Satelliten-Kommunikation will Schilling nun im Team mit zwei israelischen Wissenschaftlern im wahrsten Wortsinn in die Wolken schauen: Eine Gruppe von zehn seiner etwa Schuhschachtel großen Kleinst-Satelliten soll dabei vom Weltall aus die Struktur flacher Kumulus-Wolken erforschen. Wie bei der medizinischen Computer-Tomographie des menschlichen Körpers sollen dabei dreidimensionale Bilder der Wolken entstehen, mit denen deutlich bessere Klima-Modelle möglich werden sollen.

     

    Forschungspreis bringt dem Projekt 14 Millionen Euro Förderung

     

    Das Projekt mit dem Namen "Cloud CT", das Schilling zusammen mit dem israelischen Klimaforscher Prof. Ilan Koren und dem israelischen Computer-Tomographie-Experten Prof. Yoav Schechner auf die Beine gestellt hat, ist nun mit dem Prestige trächtigen Forschungspreis des Europäischen Forschungsrates ausgezeichnet worden. Damit verbunden ist eine Förderung über 14 Millionen Euro, die eine Realisierung bis zum Jahr 2025 möglich machen soll. "Bevor wir in den Weltraum starten, müssen wir aber ausgiebig auf dem Boden testen", erklärte Schilling bei einem Festakt zur Preisverleihung in München.   Mit dem Projekt könne die deutsch-israelische Kooperation aber schon in wenigen Jahren schaffen, was die amerikanische NASA kürzlich noch als Zukunftsvision formuliert hatte: Mit Netzwerken von Satelliten im Weltall große wissenschaftliche Fortschritte erzielen. "Mit vielen kleinen Satelliten können wir unsere Erde viel besser verstehen, als mit einzelnen großen Satelliten", erklärt Schilling.

     

    Computer-Tomographie von kleinen Wolken soll Klimawandel erklären helfen

     

    "Will man den Treibhaus-Effekt besser verstehen, muss man Wolken besser verstehen", glaubt auch Klima-Experte Koren. Die Mini-Satelliten aus Würzburg könnten dabei schaffen, was konventionelle Satelliten nicht können: Hochauflösende, dreidimensionale Modelle der komplexen Wolkenstrukturen in einer Weise darstellen, wie dies etwa vom menschlichen Körper in der Medizin seit Jahren Gang und Gäbe ist. Damit könnten endlich verlässliche Klima-Modelle erstellt werden, die präzisere Vorhersagen über den Klimawandel ermöglichen, so Koren.

    Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) zeigte sich begeistert, dass die nun ausgezeichnete Technik für diesen Fortschritt aus Würzburg kommt: "Wir müssen ins All, um den Fortschritt auf der Erde zu garantieren", sagte sie. Die Satelliten-Entwicklung in Würzburg sei deshalb "eine echte Zukunftstechnologie".

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!