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    Münchner Nockherberg: Alles nur Dusel?

    Der neue Fastenprediger für den Starkbieranstich auf dem Nockherberg, Maximilian Schafroth, aufgenommen nach einer Pressekonferenz im November 2018. Foto: Felix Hörhager, dpa

    Kann das Politiker-Derbleckn am Münchner Nockherberg überhaupt schiefgehen, wenn das Dusel mitspielt? Eigentlich nicht. Trotzdem muss man sich um Bayern Sorgen machen, wenn es nach dem diesjährigen Singspiel geht: Denn am Ende ist das ewige Bayern-Dusel weg – und die Politiker-Doubles singen erstaunlich gut gelaunt: "Wie's ohne Dusel weiter geht? Des wiß' ma leider ned."

    Aber der Reihe nach: Nach acht Jahren "Mama Bavaria" Luise Kinseher zieht in diesem Jahr zum ersten Mal der Allgäuer Maxi Schafroth die versammelte Politik-Prominenz durch den Kakao. Nicht als Mönch wie einst Bruno Jonas, Django Asül oder Michael Lerchenberg – sondern schlicht als Maxi Schafroth: "Keine Inszenierung, keine aufgesetzte Schauspielerei", erklärt er gleich am Anfang: "Das ist dein Kompetenzbereich, lieber Markus Söder, da grätsch' ich dir nicht nei."

    Es geht also gleich gut los mit dem neuen Fastenprediger, der danach nach links wie rechts kräftig austeilt. Er durchschaue das Phänomen Hubert Aiwanger, erklärt er etwa: Die Welt werde immer komplexer, "keiner checkt mehr irgendwas". Doch dann komme der Freie-Wähler-Chef "und die Leut' denken sich, jawohl, da ist noch einer überfordert".

    Barbara Stamms Landtags-Thron und der Katholik mit der Lizenz zum Abschieben

    Markus Söder verortet Schafroth in der politischen Pubertät: "Wenn man seine Rolle in der Welt sucht, weiß man nicht, werd' ich nett, werd' ich a Depp." Barbara Stamm vom Landtags-Thron zu bekommen, habe ihn dagegen an "Industrieanlagen-Rückbau" erinnert: "Man wusst' ja gar nicht mehr, wo hört der Stuhl auf, wo fängt die Stamm an." Und Innenminister Joachim Herrmann bekommt den schönen Titel: "Der Katholik mit der Lizenz zum Abschieben."

    Doch nicht nur die CSU, auch die Grünen hätten sich arg verändert: "Da war meine Mama ja grüner", findet Schafroth mit Blick auf deren steinharte Dinkel-Mürbteigtaler. Und die Grünen-Wähler? Fahren ein Hybrid-SUV mit "Elektrozahnbürstenzusatzmotor, damit's noch die Öko-Prämie einsacken können".

    Wo hat Markus Söder sein Dusel versteckt?

    Im anschließenden Singspiel, zum zweiten Mal vom Autoren-Duo Richard Oehmann und Stefan Betz gekonnt in Szene gesetzt, wird schließlich Markus Söders Erfolgsgeheimnis gelüftet: In der heruntergekommenen "Wellness-Oase" im Keller der Staatskanzlei hat er in Person seines erneut herrlich prolligen Doubles Stephan Zinner das "Bayern-Dusel" im Spind eingesperrt. Immer, wenn er etwas Glück braucht, schnuppert er an dem kleinen zotteligen Männchen – und alles wird gut.

    "Ich könnte Bäume ausreißen, wenn ich nicht bei den Grünen wäre."
    Katharina Schulze (Sina Reiß) beim Singspiel auf dem Münchner Nockherberg

    So viel Dusel will natürlich die andere Polit-Prominenz auch haben: Der "Auto-Schmuser" Andi Scheuer (Stefan Murr), die SPD-Schreckschraube Andrea Nahles (Nikola Norgauer), der als Nockherberg-Charakter noch blasse Hubert Aiwanger (Florian Fischer) oder die hyperaktive Grüne Katharina Schulze (Sina Reiß). "Ich könnte Bäume ausreißen, wenn ich nicht bei den Grünen wäre", jubiliert die Nockherberg-Schulze – und singt herrlich frech "Sorry, sorry, SPD – du bist die Asche, wir der Trend, bald bist du unter fünf Prozent".

    Von Marianne & Michael bis zu Söders Problemlösungsrezept

    Auch Horst Seehofer (Christoph Zrenner) und Angela Merkel (Antonia von Romatowski) geistern noch durch die Staatskanzlei-Katakomben – und werfen sich mit der Melodie der alten Münchner-Freiheit-Schnulze an den Kopf: "Ohne Dich hätt' ich mal meine Ruh', das was mich nervt bist Du."

    Dass das Dusel (Gerd Lohmeyer) am Ende tot ist, liegt nicht am Star-Auftritt des Volksmusik-Duos Marianne & Michael – sondern an den Dusel-süchtigen Politikern. Überall Krisen und Probleme und kein Bayern-Dusel mehr? "Alles halb so schlimm", södert der Nockherberg-Söder – und offenbart sein vierstufiges Rezept zur Lösung aller Probleme: erstens zur Chefsache erklären; zweitens einen runden Tisch einberufen; drittens schöne Fotos für die Medien. Und viertens? Warten, bis ein neues Problem auftaucht – und vom alten ablenkt.

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