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    WÜRZBURG / SCHWEINFURT / BAMBERG

    Nicht nur wegen der Dürre: Warum Brot teurer wird

    Lecker - aber bald wohl teurer: Die Preise für Brot und Brötchen werden steigen. Die Dürre der vergangenen Wochen ist ei... Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

    Die Dürre dieses Sommers hat Bauern in Franken zugesetzt. Es steht zu befürchten, dass die Preise für manche Lebensmittel steigen. Bei Brot und Brötchen werden sie das – doch nicht allein wegen der Dürre.

    Der Preis für 100 Kilogramm Weizen werde heuer im Vergleich zum Vorjahr von durchschnittlich 16 auf bis zu 18 Euro steigen, sagte Wilhelm Böhmer am Mittwoch in Bamberg. Nach Einschätzung des für Franken zuständigen Direktors im Bayerischen Bauernverband wird Roggen als zweites wichtiges Brotgetreide in diesem Jahr bis zu 15,50 Euro pro 100 Kilogramm kosten – 1,50 Euro mehr als 2017.

    Getreide teurer – Brot damit auch

    Diese Teuerung jeweils um die zehn Prozent werde auf die Preise für Brot und Brötchen durchdrücken, ist sich Böhmer sicher. Sie sei in beiden Fällen durchaus auf die Dürre zurückzuführen. Allerdings habe es in Franken „sehr unterschiedliche Ernten“ beim Getreide gegeben – gute wie schlechte also.

    Viel ausschlaggebender als die Dürre ist nach Darstellung von Bauernverband-Pressesprecher Markus Peters die Tatsache, dass die Bauern hierzulande beim Getreide am Weltmarktpreis hängen. Und diesem Markt sei es ziemlich egal, dass es in Bayern heuer eine Dürre gegeben hat.

    Das sieht Obermeister Gerhard Götz von der Bäckerinnung Schweinfurt/Haßberge ähnlich. Weltweit betrachtet sei die Getreideernte gut gelaufen. Regionale Einbußen in Folge der Dürre wirkten sich kaum aus. „Ich kann mir nicht vorstellen“, dass der Brotpreis in Franken allein wegen der Trockenheit steige, sagte der Schweinfurter Bäcker.

    Was Bäckereien plagt

    Dass Brot und Brötchen teurer werden, davon geht auch der Verband Deutscher Großbäckereien aus. Allerdings schlügen neben Ernteausfällen vor allem Mehrkosten durch die Lkw-Maut, höhere Löhne sowie gestiegene Hygiene- und Qualitätsstandards zu Buche, wie es am Mittwoch auf einer Pressekonferenz des Verbandes in Frankfurt hieß.

    Unterm Strich müssten sich Verbraucher auf „tendenziell leicht steigende“ Preise bei Brot und Brötchen einstellen. Die gestiegenen Getreidepreise aufgrund des knapperen Angebots seien natürlich zu spüren, aber „nicht so krass“, sagte Verbandspräsidentin Ulrike Detmers.

    Preiserhöhung wohl schon Ende des Jahres

    Nach Darstellung von Verbands-Hauptgeschäftsführer Armin Juncker könnten sich die höheren Kosten voraussichtlich schon gegen Ende dieses Jahres bemerkbar machen. Dann würden neuen Lieferverträge mit den Mühlen abgeschlossen. Die Mühlenwirtschaft fordere einen Aufschlag zwischen 25 und 30 Prozent: „Da muss man abwarten, wie die Verhandlungen tatsächlich laufen. Das wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird.“ Der trockene Sommer habe nicht nur die Erntemengen gedrückt, auch die Qualität sei schlechter.

    Wie die Lage der Bauern ist

    Angesichts der extremen Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands und Europas haben die Bauern in diesem Jahr eine deutlich schlechtere Getreideernte eingefahren. Allein der Weizenpreis ist seit Oktober vergangenen Jahres um rund 28 Prozent gestiegen.

    Aus Sicht von Marktbeobachtern dürfte dies aber kein Auslöser für stark steigende Brotpreise sein. Denn der Rohstoffpreis mache nur einen geringen Anteil am Preis für Brot oder Brötchen aus. Höhere Rohstoffkosten könnten daher keine Begründung sein, argumentierten Experten.

    Energiekosten und Fachkräftemangel spielen rein

    So sieht das auch der Bayerische Bauernverband. Neben teurer gewordener Energie mache sich im Bäckerhandwerk der Fachkräftemangel schmerzhaft bemerkbar, hat Direktor Böhmer beobachtet. Viele Bäcker seien gezwungen, höhere Löhne zu zahlen, um Fachkräfte zu gewinnen oder zu halten. Hinzu komme heuer die Tariferhöhung im Bäckerhandwerk um fast drei Prozent, ergänzt Obermeister Götz.

    Böhmer zufolge gibt es in Franken ungefähr 27 000 Landwirte, die Getreide anbauen. Ihre Zahl sinke pro Jahr um bis zu drei Prozent. Die Stimmung unter den Bauern „ist momentan nicht besonders“. Das liege aber weniger an den Folgen der Dürre, sondern am generell schlechten Image der Landwirtschaft in der Bevölkerung.

    Dürre: Wo die Folgen schlimmer sind

    Nach Angaben des Verbandes hat die Dürre in anderen Agrarbereichen gravierendere Folgen als beim Getreide. So habe sie zu Futterknappheit geführt. Folge: Es würden in Deutschland überdurchschnittlich viele Kühe und Rinder zum Schlachter gebracht. In Bayern etwa stieg diese Zahl im Juli bei den Kühen um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das habe zu einem Preissturz für die anliefernden Bauern geführt. Mit Informationen von dpa.

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