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    MÜNCHEN

    Opposition macht Druck gegen Handyverbot

    Bei der Diskussion um die Lockerung des strikten Handyverbotes an bayerischen Schulen erhöhen SPD und Grüne im Landtag den Druck auf die CSU-Staatsregierung: Beide Fraktionen brachten am Mittwoch eigene Gesetzentwürfe ein, die die bisherige Regel ersetzen sollen. Diese erlaubt die private Nutzung von Mobiltelefonen bislang nur im Einzelfall und nach ausdrücklicher Erlaubnis einer Lehrkraft.

    Während im Reformziel Einigkeit zwischen den beiden Oppositionsparteien besteht, gehen die vorgeschlagenen Lösungswege weit auseinander: Die Grünen wollen Handys an Schulen grundsätzlich erlauben, den einzelnen Schulen aber die Möglichkeit individueller Nutzungsverbote – etwa während des Unterrichts – eröffnen. „Es geht nicht um die Abschaffung von Regeln“, erklärte der Grünen-Bildungsexperte Thomas Gehring. Regeln, die man sich an den Schulen selbst gebe, hätten aber deutlich mehr Akzeptanz als ein abstraktes Gesetz.

    „Es ist falsch, das Handyverbot ganz zu kippen“, findet dagegen die SPD-Abgeordnete Simone Stohmayr. Sie plädiert für eine Beibehaltung des grundsätzlichen Verbotes, aber für mehr Spielräume für Schule, Eltern und Schüler, individuelle Lösungen für eine begrenzte Nutzung etwa in der Mittagspause. Dies sei für die Schulen zudem einfacher zu erreichen als „zu definieren, wann das Handy aus sein muss“.

    Im Kern bleibe das Verbot zudem richtig: „Es tut den Kindern gut, wenn das Handy mal nicht an ist“, findet die SPD-Politikerin. „Und wo geht das besser als in der Schule?“ Ausnahmen müssten aber möglich sein. Dafür brauche man „klar nachvollziehbare Regeln“, die es mit dem aktuellen Gesetz nicht geben könne.

    „Das Handy gehört heute zur Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen“, argumentiert dagegen der Grüne Gehring: „Schule kann diese Lebenswelt nicht ausschließen, sondern muss sich damit aktiv auseinandersetzen.“ Auch das Argument, die Zulassung der Smartphones zementiere soziale Unterschiede zwischen den Schülern, überzeugt Gehring nicht: „Die sozialen Unterschiede bestehen nicht im Besitz eines Gerätes, sondern im Umgang damit.“

    Auch CSU und Freie Wähler sehen einen Anpassungsbedarf des im Jahr 2006 – also vor der Markteinführung der Smartphones – beschlossenen strikten Handyverbots. „Wir wollen aber kein hemmungsloses Daddeln an den Schulen“, bekräftigte der CSU-Bildungspolitiker Manfred Ländner.

    Die Regelung der Nutzung könne zudem nicht einfach auf die einzelnen Schulen abgeladen werden, findet Ländner: „Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, auch als Hilfe für die Schulen.“ Ein von Schulminister Ludwig Spaenle (CSU) angekündigter runder Tisch mit Lehrern, Eltern und Schülern werde dafür noch im Frühjahr gute Lösungen bringen, hofft der Unterfranke.

    Auch die Freien Wähler plädieren für eine bayernweit einheitliche Regelung der Handynutzung: Schon im Sinne der Rechtssicherheit könne der Freistaat die Schulen mit dem Thema nicht alleinelassen, findet der FW-Bildungspolitiker Michael Piazolo. Notwendig sei jedoch auch „ein klares pädagogisches Konzept zum Umgang mit digitalen Medien“.

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