• aktualisiert:

    MÜNCHEN

    Rückkehr auf leisen Pfoten

    Wildes Bayern
    Dieses Foto wurde in einem Gehege im Bayerischen Wald aufgenommen. Foto: Benedikt Siegert, dpa

    Es sind diese Ohren. Diese Ohren, die sofort auffallen. Die aussehen wie ein Pinsel, den Kinder in einen Wasserfarbkasten tunken. Diese außergewöhnlichen Ohren also sind so etwas wie ein Markenzeichen.

    Sie gehören zu einem Tier, das in Bayern 150 Jahre lang von der Bildfläche verschwunden war und das sich nur ganz langsam wieder ausbreitet. Die Rede ist vom Luchs, der größten Katze in den Wäldern des Freistaates - und die hat es trotz aller Bemühungen sehr schwer, Fuß zu fassen.

    Im 19. Jahrhundert wurden die Tiere gnadenlos gejagt. Jäger fürchteten sie als Konkurrenten, die ihnen die Rehe wegfressen. „Der Luchs wurde früher verteufelt. Ähnlich wie der Wolf“, sagt Uwe Friedel, Luchs-Experte beim Bund Naturschutz. „Schauermärchen geisterten umher, in denen Luchse auf Bäumen saßen und Menschen anfielen.“

    All das führte dazu, dass die Katze in Bayern ausgerottet wurde. Ähnlich erging es bekanntermaßen auch dem Wolf. Mehr als 100 Jahre war er aus den Wäldern Bayerns verschwunden – seit 2006 ist er wieder da. Und beileibe nicht jeder ist davon begeistert.

    In den 1970er Jahren wurden wieder Luchse im Bayerischen Wald ausgesetzt. In den 80er Jahren wurden diese Bemühungen noch intensiviert. Heute leben im Bayerischen Wald etwa 60 bis 80 Tiere. Reicht das, damit die scheue Katze im Freistaat wieder heimisch wird? „Nein, auf keinen Fall“, sagt der Luchs-Experte Friedel. „Man bräuchte deutlich mehr Tiere und einen guten genetischen Austausch mit anderen Populationen in Deutschland, um ihr Überleben in Bayern langfristig zu sichern.“

    Das Problem ist: Viele Tiere werden im Straßenverkehr getötet. Im Bayerischen Wald waren es innerhalb von zwei Jahren fünf Stück. Hinzu kommen illegale Tötungen. Offiziell wurden zwischen 2000 und 2017 sechs getötete Luchse im Bayerischen Wald gefunden. „Aber es gibt eine Dunkelziffer, die wir als deutlich höher einschätzen müssen“, sagt Friedel.

    Dass so etwas immer wieder vorkommt, zeigt auch ein aktueller Fall: Weil er einen Luchs, der streng geschützt ist, gejagt haben soll, ist gegen einen Jäger aus der Oberpfalz vor Kurzem Anklage erhoben worden.

    Die Geschichte, die dahinter steckt, ist die: Im Mai 2015 waren im Bayerischen Wald vier abgetrennte Gliedmaßen von Luchsen gefunden worden.

    Bei dem verdächtigen Jäger wurden Beweismittel sichergestellt, die allerdings nicht eindeutig belegen konnten, dass er die beiden Luchse damals wirklich getötet hatte. Die Staatsanwaltschaft ließ die Vorwürfe gegen ihn zwar fallen, doch nun wurde er erneut angeklagt.

    Denn bei den Gegenständen, die bei der Durchsuchung im Haus des Mannes gefunden wurden, handelt es sich um ein Nachtsicht- und Zielgerät sowie einen Wurfstern. Zudem wurde in einem Waldgebiet eine sogenannte Lebendfalle für Tiere gefunden. Dies erhärtet nach Meinung der zuständigen Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass der Mann Luchse gejagt hat.

    Die Täter, die es auf Luchse abgesehen haben, müssten weiterhin konsequent strafrechtlich verfolgt werden, sagt Experte Friedel. Um die Tiere zu schützen ist es seiner Ansicht nach zudem nötig, an Straßen durch Luchsgebiete die Geschwindigkeit zu reduzieren und Grünbrücken anzulegen.

    Außerdem müsse man etwas für das Image der Katze mit dem auffällig gemusterten Fell, dem Stummelschwanz und den markanten Pinselohren tun. „Wir müssen deutlich machen, dass sie kein gefährlicher Räuber ist“, sagt der Naturschützer. „Sie lebt heimlich und versteckt im Wald und ist sehr scheu.“

    Auch Tierhalter müssten in der Regel nicht fürchten, dass ihr Weidevieh gerissen wird. „Das ist nicht mit dem Wolf vergleichbar“, sagt Friedel. Und was die vermeintliche Konkurrenzsituation mit den Jägern angeht, verhalte es sich so: Luchse würden zwar Rehe reißen – allerdings wenige im Vergleich dazu, was die Jäger abschießen müssten, um den Bestand zu regulieren.

    Wie groß ist also die Chance, bei einem gemütlichen Waldspaziergang einem Luchs zu begegnen? Enorm gering, sagt Experte Friedel vom Bund Naturschutz. „Bevor wir ihn sehen, verschwindet er und versteckt sich. Sollten Sie trotzdem einmal das seltene Glück haben: Verhalten Sie sich ruhig und genießen Sie den Moment.“

    Der Luchs ist die größte Katze, die in Bayern vorkommt. Außerhalb des Freistaates gibt es eine Population im Harz. Aktuell wird zudem versucht, die Tiere im Pfälzer Wald anzusiedeln.

    Von Stephanie Sartor

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!