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    Schüler-Auslandsjahr nur mit dickem Geldbeutel?

    Schüler-Auslandsjahr nur mit dickem Geldbeutel?
    Per Schüleraustausch die Welt entdecken: Im neuen G9 sollte diese Möglichkeit bayerischen Schülern auch ohne Eltern mit dickem Geldbeutel offen stehen. Doch die Idee eines staatlichen Fonds droht nun in der Umsetzung zu scheitern. Foto: Experiment e.V.

    Die Idee hatte Charme: Wenn im neuen neunjährigen Gymnasium (G9) die 11. Klasse ohnehin per „Überholspur“ übersprungen werden kann, warum dieses Jahr nicht verstärkt für einen Auslandsaufenthalt der Schüler nutzen? „Wir wollten aber nicht, dass diese Möglichkeit nur Familien mit dickem Geldbeutel offen steht“, sagt der CSU-Fraktionsvize Karl Freller, der an der G9-Konzeption 2016 und 2017 maßgeblich beteiligt war. „Deshalb habe ich einen staatlichen Fonds vorgeschlagen, der allen interessierten Schülern in Bayern ein Auslandsjahr ermöglichen soll.“ Die Fonds-Idee sei Teil aller G9-Konzeptpapiere gewesen, berichtet Freller. Auch der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) habe den Vorschlag unterstützt. Schließlich sei ein Auslandsjahr kein Urlaub für die Schüler: „Das ist eine einmalige Lebenserfahrung“, wirbt Freller: „Und gerade in diesen unruhigen Zeiten wichtiger denn je.“

    Schulministerium wäre für den Schüler-Fonds lieber nicht zuständig

    Doch keine drei Jahre später steht die Umsetzung der schönen Idee in den Sternen: „Nicht zuständig“, heißt es auf Nachfrage zunächst im Kultusministerium. Der Auslandsfonds sei Sache von Markus Söders Staatskanzlei. Dort wird die heiße Kartoffel postwendend ins Kultusressort zurückgeschickt. „Das Anliegen wird weiter verfolgt“, teilt das Kultusministerium schließlich knapp mit. Eine mögliche Finanzierung nicht vor 2023/2024 werde aber noch „geprüft“.

    In der Tat sind die ersten neuen G9-Schüler erst 2023 in der 11. Klasse. Allerdings müssten sie bereits zwei Jahre zuvor - in der 9. Klasse - die geplanten Zusatz-Stunden der „Überholspur“ belegen, um ohne Zeitverlust ein Auslandsjahr planen zu können. Spätestens dann müsste also klar sein, ob und unter welchen Bedingungen es dafür staatliche Unterstützung gibt. Freller hat deshalb bereits im Januar an Bayerns neuen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) geschrieben. Die Tatsache, „dass wir politisch alle an Völkerverständigung, Internationalisierung, Empathie für Menschen anderer Kulturen interessiert sind, müsste ein besonders wichtiges und auch nach außen sehr gut vertretbares Argument sein für eine derartige Schülerförderung“, wirbt Freller darin um Unterstützung.

    Kultusminister sieht keinen finanziellen Spielraum

    In seiner Antwort, die dieser Redaktion ebenfalls vorliegt, bleibt Piazolo allerdings reserviert: „Die Einrichtung eines solchen Fonds würde ein neues freiwilliges Förderprogramm darstellen“, erklärt er schmallippig. Dafür bestehe derzeit „kein finanzieller Spielraum“. Zudem stellten sich „zur Unterstützung von individuellen Schüleraufenthalten im Ausland viele Fragen, die wir gründlich prüfen müssen“. Welche Fragen dies sein könnten, lässt Piazolo offen.

    „Da wird eine tolle Idee auf die lange Bank geschoben“, fürchtet Freller. Natürlich müssten Förderkritierien wie das Vermögen der Eltern oder eine Deckelung der Fördersumme festgelegt werden. „Ich gehe aber davon aus, dass ein höherer einstelliger Millionenbetrag für den Fonds ausreichen würde“, glaubt Freller. Bei einem Bildungsetat in Bayern von derzeit mehr als 19 Milliarden Euro eine vergleichsweise überschaubare Summe. Freller befürchtet deshalb, dass es eher ums Prinzip geht, als um die Finanzierung: Die Überholspur um die 11. Klasse solle offenbar nicht zu attraktiv werden – auch auf Drängen der Lehrerverbände.

    Soll die "Überholspur" nicht zu attraktiv werden?

    „Wir wollen keine Parallelstruktur zwischen beschleunigtem und längerem Zweig“, räumt der Vorsitzende des Lehrerverbandes bpv Michael Schwägerl auf Nachfrage offen ein. Die staatliche Förderung eines Auslandsjahres ändere an der Überholspur aber wenig, beteuert er: „Wir würden es sogar sehr begrüßen, wenn es hier staatliche Unterstützung gäbe.“

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