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    Würzburg

    Schulschwänzen vor Ferienbeginn: Bis zu 1000 Euro Strafe

    Staus und teure Flüge umgehen, indem man bereits vor Ferienbeginn in den Urlaub fährt: Das kann für Eltern teuer werden, wenn die Schulschwänzer von der Polizei entdeckt werden. Foto: Roland Weihrauch, dpa

    Ein paar Tage, bevor die Schulferien beginnen, in den Urlaub starten und so Reisestaus umgehen oder günstigere Flüge buchen. Diesen Gedanken haben manche Eltern und melden ihre Kinder deshalb einige Tage vor dem offiziellem Ferienbeginn krank. Doch weil in Deutschland die Schulpflicht gilt, ist das eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld bestraft – in Bayern können das bis zu 1000 Euro sein, heißt es beim bayerischen Kultusministerium. Werden Kinder und ihre Eltern von der Polizei etwa am Flughafen aufgegriffen, wird das Vergehen an das Schulamt und anschließend an Schule und Ordnungsamt übermittelt.

    Keine gezielten Kontrollen an Flughäfen

    Gezielte Kontrollen, um Schulschwänzer zu erwischen, gibt es in Unterfranken jedoch nicht. Auch nicht an den bayerischen Flughäfen. "Die Polizei ist zwar am Nürnberger Flughafen unterwegs, aber nicht auf der Suche nach Schulschwänzern", sagt Rainer Seebauer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

    "Die Polizei ist zwar am Flughafen unterwegs, aber nicht auf der Suche nach Schulschwänzern."
    Rainer Seebauer, Pressesprecher Polizeipräsidium Mittelfranken

    Wenn sich bei einer anderweitigen Kontrolle herausstelle, dass ein Kind die Schule schwänze, werde das an das Ordnungsamt des zuständigen Landratsamtes weitergeleitet. Außerdem seien die Beamten besonders aufmerksam und würden im Zweifelsfall schon einmal genauer hinschauen, wenn ein Kind im schulpflichtigen Alter ist. Das Gleiche gilt auch für den Münchner und Frankfurter Flughafen. Auch hier werden die Augen offen gehalten, jedoch nicht gezielt kontrolliert, heißt es von den Polizeisprechern. Zuständig ist hier die Bundespolizei.

    Röntgen-Gymnasium: Attestpflicht vor den Ferien

    Der Schulleiter des Röntgen-Gymnasiums in Würzburg, Klauspeter Schmidt, bestätigt, dass es durchaus vorkommt, dass Kinder zu Ferienbeginn krank gemeldet werden. "Deshalb müssen Schüler bei uns in der Zeit vor den Ferien ein Attest vom Arzt vorlegen, wenn sie fehlen", sagt Schmidt. Im restlichen Schuljahr sei das nur erforderlich, wenn jemand besonders häufig fehle. Wenn kein Attest vorliegt, hakt das Gymnasium nach und versucht, die Eltern zu erreichen. "Wenn dann niemand ans Telefon geht, müssen wir die Polizei benachrichtigen", so Schmidt.

    "Es ist keinesfalls so, dass wir in der letzten Woche vor den Ferien nur die Zeit totschlagen."
    Klauspeter Schmidt, Schulleiter des Röntgen-Gymnasiums Würzburg

    Dem Schulleiter ist es wichtig zu betonen, dass auch die Zeit vor den Ferien sinnvoll genutzt werde: "Es ist keinesfalls so, dass wir nur die Zeit totschlagen." In der letzten Schulwoche gebe es viele Ausflüge und Aktivitäten, die die Gemeinschaft fördern. "Also genau die Dinge, die die Eltern sonst immer fordern", so Schmidt. Dass jemand wegen eines günstigen Flugs eher losfahren möchte, versteht er nicht. "In Bayern sind wir ja ohnehin schon fast in der Nachsaison mit den Ferien." Wer Geld sparen möchte, könne zum Beispiel erst gegen Ende der Ferien wegfahren.

    An anderen Schulen wiederum hat man kein Problem mit Schulschwänzern. So zum Beispiel an der Schiller-Grundschule Schweinfurt und am Friedrich-Koenig-Gymnasium in Würzburg. Auch der Leiter des Schweinfurter Olympia-Morata-Gymnasiums Thomas Kreutzmann sagt: "Das ist bei uns gar kein Thema. Wir hoffen, dass das auch so bleibt." Eine Attestpflicht besteht an diesen Schulen deshalb auch nicht.

    Bußgeld vom Landratsamt festgelegt

    Im Landkreis Schweinfurt gibt es einen eigenen Bußgeldkatalog, mit dem die Strafen für Schulschwänzer berechnet werden, sagt Pressesprecherin Uta Baumann. Zuständig ist das Amt für Jugend und Familie. Für den ersten Tag werden 150 Euro Strafe fällig, für jeden weiteren 75 Euro. Im vergangenen Jahr wurde laut Baumann gegen drei Kinder aus zwei Familien ein Bußgeld aus diesem Grund verhängt, 2019 gab es noch keine Meldungen beim Landratsamt.

    Auch in den Haßbergen kostet das unerlaubte Fehlen vor Ferienbeginn mehrere Hundert Euro. Laut Pressesprecherin Monika Göhr liegen dem Ordnungsamt in diesem Jahr bisher keine Meldungen vor. Im vergangenen Jahr wurde jedoch ein Schüler am Nürnberger Flughafen erwischt, der eigentlich noch in der Schule sitzen sollte.

    Im Landkreis Würzburg werden für das unentschuldigte Fehlen vor Ferienbeginn laut dem Landratsamt 80 bis 100 Euro pro Fehltag fällig. In diesem Jahr gab es bisher zwei Meldungen über Schüler, die verfrüht in die Ferien gefahren sind. Auch im vergangenen Schuljahr waren es zwei Fälle.

    Erwin Pfeuffer, Leiter des Schulamtes in Würzburg, sieht jedoch keinesfalls einen Trend zum Schuleschwänzen vor Ferienbeginn: "Das sind wirklich nur Einzelfälle, die manche Schulen betreffen."

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