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    München

    Von der Protest-Partei zum Macht-Anspruch

    Geburtstagsfest mit obligatorischen Sonnenblumen: Das 40-jährige Jubiläum der bayerischen Grünen feierten (von links) die Fraktionschefs Ludwig Hartmann und Katharina Schulze, Grünen-Landeschefin Sigi Hagl und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth. Foto: Angelika Warmuth, dpa

    Einen Gag hat sich Grünen-Landeschef Eike Hallitzky gleich zur Begrüßung zurecht gelegt: Die Bayerische Verfassung schreibe ja vor, dass man 40 Jahre alt sein muss, um Ministerpräsident werden zu können: "Auch diese Hürde haben wir jetzt genommen", scherzt der Niederbayer. Denn vor exakt 40 Jahren, am 7. Oktober 1979, wurde der bayerische Landesverband der Grünen gegründet - ausgerechnet auf dem Münchner Nockherberg. Dem Ort, wo alljährlich die bayerische Polit-Prominenz beim "Salvator-Anstich" kräftig durch den Kakao gezogen wird.

    Der Original-Schauplatz der Gründung ist längst abgebrannt

    Zwar ist der Original-Schauplatz vor gut zwanzig Jahren abgebrannt. Und natürlich gilt die Altersgrenze der Verfassung nur für Personen, nicht für Parteien. Doch die Botschaft beim Grünen-Jubiläum im neuen Salvatorkeller ist klar: Früher sei man zwar "Impulsgeber" der Gesellschaft gewesen. Jetzt aber, als größte Oppositionspartei, wollen die Grünen auch in Bayern echte politische Macht. "Es geht darum, mit unserer neuen Stärke, politisch etwas zu verändern", erklärt Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann.

    Natürlich kommt beim Rückblick mit viel Grünen-Urgesteinen auch die Nostalgie nicht zu kurz: Hallitzky erzählt, dass er bei einer Anti-Wackersdorf-Demo seine Ehefrau kennengelernt hat. Der Augsburger Jörg Westerhoff, von 1980 bis 1982 Landesvorsitzender, berichtet von der Gründungsversammlung der Augsburger Grünen  - mit sieben Teilnehmern und drei Gästen. "Ein grüner Kanzler, eine Kanzlerin, dass muss unser Ziel sein", fordert der Partei-Veteran heute.

    Einst Gegner des Establishments, heute selbst Teil davon?

    Doch ist die Partei, die als Gegner des Polit-Establishments begann, nicht längst selbst Teil des Establishment? Zwischen den Zeilen schwingt bei manchen Alt-Grünen durchaus etwas Furcht mit, von neuen Bewegungen wie "Fridays for Future" überholt zu werden: Die Grünen müssten manchmal lauter sein, unnachgiebiger, findet etwa Claudia Roth. Sonst sieht die Bundestagsvizepräsidentin jedoch keinen Grund für falsche Bescheidenheit: Die Partei stehe auf einer breiten gesellschaftlichen Basis, findet sie: "Das macht bis heute die Stärke der deutschen Grünen aus."

    Die junge Generation um Hartmann und Co-Fraktionschefin Katharina Schulze blickt ohnehin optimistisch in die Zukunft: "Wir haben uns verändert, nicht nur optisch", räumt Hartmann zwar ein und streicht über sein Sakko. Die Grundwerte seien aber die Gleichen, wie vor 40 Jahren. Das Erfolgsrezept wirke weiter, hofft auch Schulze: "Unsere Stärke liegt in unserer Vielfalt."

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