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    MÜNCHEN

    Warum Maxi und Alex über Gott rappen

    O´Bros
    Maxi (oben) und Alex aus München machen als „O?bros“ Hip-Hop mit christlichen Texten. Foto: B. Bleile

    Auf den ersten Blick könnte man die beiden Brüder Maxi und Alex für zwei ganz normale junge Männer halten, die mit ihren Hip-Hop-Tracks im Musikgeschäft Fuß fassen wollen. Sie schreiben Songs, drehen Musikvideos, haben eine eigene Kollektion mit Pullovern und T-Shirts und posten Videoclips von ihren Konzerten. Doch wer genauer bei ihren Texten hinhört, der merkt schnell: Die Musik der beiden Münchner Hip-Hopper ist ungewöhnlich. Maxi und Alex, 23 und 22 Jahre alt, rappen auf Deutsch über ihren Glauben. Sie singen über Gott, christliche Werte und die Rolle, die Kirche und Gottesdienst für sie spielt. Sie rappen zum Beispiel: „Was sind das für Kids ey, Das ist doch ein Witz ey, Sie lesen die Bibel und machen daraus ein Mixtape.“

    Sie nennen sich O?Bros. „Den Spitznamen haben wir von unseren Freunden bekommen, als wir so elf, zwölf Jahre alt waren“, erzählt Maxi. „Und dann haben wir unsere Band auch so getauft.“ Zum Ursprung: Ihr Nachname, den die beiden zum Schutz ihrer Privatsphäre nicht verraten möchten, fängt mit einem „O“ an und sie sind Brüder, was auf Englisch „brothers“ heißt, abgekürzt „bros“.

    Zwei Alben veröffentlicht

    Zwei Alben haben Maxi und Alex bereits veröffentlicht, das eine heißt „Radikal Anders Predigen“, das zweite „Exodus“. Anfang 2019 belegten sie beim SPH-Bandcontest, einem der größten Nachwuchswettbewerbe Europas, den ersten Platz. Seitdem sind sie in ganz Deutschland unterwegs und treten bei Konzerten, Festivals und in Gottesdiensten auf.

    „Das ist gar nicht so leicht, neben dem Studium alles unterzubekommen“, sagt Alex, der in München BWL studiert. Sein Bruder Maxi stimmt zu, er studiert derzeit Zahnmedizin in Tübingen. Aufgewachsen sind die beiden in München, die Familie war Mitglied in einer freien evangelischen Gemeinde.

    „Heute treten wir aber für alle Konfessionen auf, katholisch, protestantisch, das ist egal“, sagt Maxi. Mit sechs Jahren begannen die Brüder, ihre ersten Lieder zu komponieren und Texte zu schreiben. Sie lernten Klavier und Schlagzeug, spielten später in verschiedenen Bands und Chören. „Wir haben dabei immer über Gott und unseren Glauben gesungen. Das ist für uns einfach normal, da steckt keine Agenda dahinter“, sagt Alex.

    Mit Vorurteilen konfrontiert

    Dass christlicher Rap bisher so gut wie nie in deutschen Radios gespielt wird, war den beiden von Anfang an klar. „In Amerika ist das ganz anders. Da gibt es eine richtige Szene, die eine echt große Reichweite hat“, erzählt Maxi. Eine herbe Überraschung war für die Brüder aber, wie häufig sie im Netz für ihren Glauben angefeindet werden. „Es gibt Leute, die fühlen sich sofort gestört, sobald sie etwas von Christentum lesen oder hören. Das sind meistens ziemlich negative Vorurteile, mit denen sie uns konfrontieren.“ Natürlich lasse einen das nicht kalt, ergänzt Alex. Glaube und Musik, das sind für Maxi und Alex zwei entscheidende Dinge, die ihr Leben ausmachen: „Das ist die Basis unserer Identität, die alles bestimmt, was wir tun. Wie eine Brille der Liebe und Vergebung, durch die wir die Welt sehen.“

    Unter Christen stoßen die O?Bros weitgehend auf positive Resonanz. „Wir spüren, dass ein tiefer Hunger nach moderner christlicher Musik besteht. Doch natürlich gibt es auch hier Menschen, die uns für zu liberal, zu konservativ oder zu was auch immer halten. Wir versuchen uns dadurch aber nicht beirren zu lassen.“ Andere junge Menschen, die mit Glaube und Religion nicht viel zu tun hätten, reagieren unterschiedlich. „Viele sagen: Ich kann zwar mit dem Inhalt nichts anfangen, aber ich respektiere eure Musik. Oder: Ich finde es bereichernd, wie man solche Themen über Rap und Hip-Hop kommunizieren kann.“ Andere Musiker aus der Hip-Hop-Szene reagieren ähnlich.

    Den Trend, dass sich immer weniger junge Leute mit Gott beschäftigen und mehr Menschen aus der Kirche austreten, finden die beiden schade. „Trotzdem verstehen wir es irgendwo auch“, sagt Maxi. „Bei den ganzen negativen Schlagzeilen und so, wie die Kirchen sich präsentieren – aber man darf nicht vergessen, dass die Kirche auch einfach aus Menschen besteht. Und wir alle machen Fehler.“

    Von Maria Heinrich

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