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    MÜNCHEN

    Weg zum 365-Euro-Ticket ist weit

    Öffentlicher Nahverkehr als Pflichtaufgabe
    Wann kommt das 365-Euro-Ticket für den Öffentlichen Nahverkehr? Und wo? Und für wen? Und kommt es überhaupt? Nach einem Gipfeltreffen mit Ministerpräsident Markus Söder werden Zweifel laut. Foto: Arne Dedert, dpa

    Der Öffentliche Personennahverkehr in Bayern soll attraktiver werden – und zwar in Stadt und Land gleichermaßen. Zu diesem Ziel haben sich am Montag bei einem Spitzentreffen in München die Staatsregierung und die Vertreter von Städten, Landkreisen und Gemeinden bekannt. Der Weg zu dorthin aber ist offenbar weit und steinig, wie sich schon bei der Einführung des 365-Euro-Jahrestickets für Schüler und Auszubildende zeigt.

    Möglichst schon diesen Herbst, spätestens aber kommendes Jahr soll es für alle Schüler und Auszubildenden das 365-Euro-Jahresticket geben. Das ist besonders für die Azubis eine gute Nachricht, die für Bahn, Bus oder Straßenbahn bisher zumeist komplett selbst zahlen müssen. Schüler fahren vielerorts schon jetzt günstig. Für Studenten gibt es ohnehin bereits die Semestertickets.

    Fest steht, so kündigte Ministerpräsident Markus Söder an, dass der Freistaat zwei Drittel der Kosten tragen wird. Das Durcheinander an Regelungen innerhalb der einzelnen Verkehrsverbünde, Städte und Landkreise aber macht es notwendig, über die konkrete Umsetzung erst noch zu verhandeln.

    Praktishe Einwände gegen einheitliches Ticket

    Etwas gebremst ist die Euphorie offenkundig bei den 365-Euro-Jahrestickets für Erwachsene, die von der schwarz-orangen Staatsregierung im Koalitionsvertrag für die Verkehrsverbünde der großen bayerischen Städte angekündigt wurden. Während der Freistaat, wie es in Regierungskreisen hieß, für Schüler und Azubis mit Kosten von 30 bis 50 Millionen Euro pro Jahr rechnet, müssten für das 365-Euro-Jahresticket für Erwachsene nach ersten Schätzungen angeblich 500 bis 800 Millionen Euro pro Jahr aufgewendet werden. Offiziell bestätigt wurden diese Zahlen allerdings nicht. Außerdem habe es, wie es aus Kreisen der Verhandlungspartner hieß, gegen ein einheitliches Ticket innerhalb der Verkehrsverbünde auch praktische Einwände gegeben – etwa dass derselbe Preis nicht unabhängig von der Entfernung gelten könne, dass die Unterschiede im Angebot in den einzelnen Regionen zu groß seien oder dass die Tickets für Pendler, die von außerhalb kommen, zu wenig Anreize bieten, auf das Auto zu verzichten. Söder relativierte vermutlich deshalb die Festlegung im Koalitionsvertrag. Als Ziel für die Einführung des 365-Euro-Tickets nennt er das Jahr 2030 und schränkt zudem ein, dass es je nach Region auch „vergleichbare Modelle“ geben könnte.

    Bund soll mehr Geld in die Infrastruktur stecken

    Wichtigstes Ergebnis des Spitzentreffens war nach Aussage aller Teilnehmer, dass man sich darauf verständigt habe, sich miteinander den Herausforderungen in der Mobilität zu stellen. „Gemeinsam möchten Freistaat, Landkreise, Städte und Gemeinden im Rahmen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit die Mobilität der Zukunft aktiv gestalten“, heißt es in der Erklärung zu dem Spitzentreffen. Ziel sei unter anderem, die Angebote von Bus und Bahn besser zu vernetzen, Express-Züge und Express-Busverbindungen von ländlichen Regionen in die Städte anzubieten, für eine bessere Taktung zu sorgen sowie Anrufsammeltaxis und Bürgerbusse zu fördern. Einig waren die Teilnehmer auch darin, dass der Bund mehr Geld in die Infrastruktur stecken und künftig verlässlichere Förderungen bieten soll.

    Die Opposition reagierte skeptisch. „Der Öffentliche Nahverkehr muss besser werden und nicht nur billiger“, mahnte Markus Büchler (Grüne). „Günstige Tickets sind gut, nützen aber wenig, wenn Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt sind oder gar nicht fahren.“ Sebastian Körber (FDP) beklagte, die Verkehrsinfrastruktur hinke seit Jahren dem Bedarf hinterher.

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