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    MAINFRANKEN

    Wo die Parteien in der Region ihre Hochburgen haben

    Das Werben um Wähler war für so manche Partei je nach Ort unterschiedlich erfolgreich. Foto: Dita Vollmond

    Wäre Dingolshausen (Lkr. Schweinfurt) mit Blick auf die Landtagswahl ein durchschnittlicher bayerischer Ort – Markus Söder hätte Schmerzen vom vielen Schulterklopfen und Barbara Stamm läge sich mit Horst Seehofer in den Armen. 67,6 Prozent der Zweitstimmen holte die CSU in der 1300-Seelen-Gemeinde. So viele wie sonst nirgendwo in der Region. Doch Dingolshausen ist nicht Bayern. Anderswo sah das Zweitstimmenergebnis der CSU ganz anders aus. Vor allem im Würzburger Stadtteil Grombühl. 20,36 Prozent wählten hier schwarz. Ein Blick auf die Ergebnislisten zeigt: Auch andere Parteien haben Hochburgen, wo sie starke Ergebnisse erzielen, und bekommen andernorts keinen Fuß in die Tür.

    Beispiel AfD: Das beste Ergebnis in der Region fuhren die Rechtspopulisten im Schweinfurter Stadtteil Musikerviertel ein, dort wo das Anker-Zentrum steht. 24,6 Prozent wählten dort die AfD. In der ganzen Stadt waren es 15,2 Prozent. Gut schnitt die Partei auch in Deutschhof mit 19,8 Prozent ab, einem Stadtteil mit einem hohen Anteil russischstämmiger Bevölkerung, die heftig von der AfD umworben wird. Ähnlich wie am Heuchelhof in Würzburg. Auch dort war die AfD verhältnismäßig erfolgreich: Auf 13,7 Prozent kamen sie dort. In ganz Würzburg holte die AfD keine sieben Prozent.

    Starkes Gefälle beim AfD-Ergebnis in Bad Kissingen

    Besonders viele Wählerstimmen scheint die AfD auf den ersten Blick in der Kernstadt von Bad Kissingen, rund um die Staatliche Realschule, die Sinnberg Grundschule und den Stadtsaal bekommen zu haben: bis zu 18,3 Prozent aller Erst- und bis zu 18,7 Prozent aller Zweitstimmen. In den acht weiteren Stadtteilen dagegen sieht das Ergebnis anders aus. In Arnshausen beispielsweise bekommt die AfD nur 5,9 Prozent aller Zweitstimmen.

    „Ich habe schon versucht, aus dem Wahlergebnis etwas herauszulesen. Doch das ist meines Erachtens aufgrund der vielen Briefwähler nicht seriös“, sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Mehr als 46 Prozent aller Wähler in Bad Kissingen waren Briefwähler. Die Stimmen den einzelnen Stadtteilen zuzuordnen, sei somit nicht möglich. Im Gesamtdurchschnitt – Briefwahl und Urnenwahl in Bad Kissingen – kam die AfD über alle Stadtteile hinweg auf 10,4 beziehungsweise 10,5 Prozent aller Erst- sowie aller Zweitstimmen. „Das sind die Menschen, die sich in ihren Sorgen und Ängsten von der großen Koalition nicht ernst genommen fühlen“, sagt Blankenburg.

    Das schlechteste Ergebnis in der Region fuhr die AfD übrigens auch im Landkreis Bad Kissingen ein: In Sulzthal kam sie bei den Zweitstimmen auf nur 3,8 Prozent.

    Halbleib-Effekt in Ochsenfurt?

    Beispiel SPD: Was für die CSU in der Region Dingolshausen ist, ist für die Sozialdemokraten Partenstein (Lkr. Main-Spessart). Mit 16,7 Prozent der Zweitstimmen lag die SPD hier deutlich über den gesamtbayerischen Zahlen. In Sonderhofen (Lkr. Würzburg) oder Nordheim am Main (Lkr. Kitzingen) war das Debakel der SPD dagegen riesig. Mit je 2,1 Prozent rangiert man dort nur knapp vor der Tierschutzpartei.

    Ein Ergebnis wie zu besten Zeiten holte die SPD unterdessen bei den Erststimmen in Ochsenfurt (Lkr. Würzburg). 28,6 Prozent stimmten hier für die Sozialdemokraten, vermutlich auch, weil der Direktkandidat Volkmar Halbleib aus Ochsenfurt stammt. Gegen den CSU-Mann Manfred Ländner zog er dennoch den Kürzeren. Einen Halbleib-Effekt – also auffällig gute Werte für einen Lokalmatador – kann man auch in Erlabrunn (Lkr. Würzburg) beobachten. Elf Prozent der Erststimmen entfielen dort auf die Liberalen, für die mit Wolfgang Kuhl ein Erlabrunner als Direktkandidat antrat. Landkreisweit kam die FDP bei den Erststimmen auf 4,5 Prozent.

    Wo die Grünen Probleme haben

    Beispiel Freie Wähler: 47,9 Prozent – das Zweitstimmenresultat der Freien Wähler in Neuendorf (Lkr. Main-Spessart) liegt auf dem einstigen CSU-Niveau. Gar nicht gefallen dürfte Parteichef Hubert Aiwanger der Blick nach Herbstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld). 3,9 Prozent wählten hier die Partei.

    Beispiel Bündnis 90/Die Grünen: Ihren größten Erfolg feierten die Grünen in Würzburg. Nicht nur, weil sie dort erstmals das Direktmandat gewinnen konnten. In der Altstadt wählten mit 35,7 Prozent so viele grün wie nirgendwo sonst in der Region. Schwächere Werte erzielten die Grünen dagegen auf dem Land. Das schlechteste Ergebnis gab es in Riedenheim (Lkr. Würzburg) mit 4,6 Prozent.

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