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    Berlin

    Pianist Igor Levit: „Ich bekomme Morddrohungen”

    Igor Levit
    Der russisch-deutsche Pianist Igor Levit beklagt den grassierenden Antisemitismus in Deutschland. Foto: Henning Kaiser/dpa

    Der russisch-deutsche Pianist Igor Levit erhält eigenen Angaben zufolge antisemitische Morddrohungen - zum Teil auf der Bühne. Sie seien unzweideutig, schreibt er in einem Gastbeitrag für den „Tagesspiegel”.

    „Nicht oberflächlich, nicht unbedacht, nein glasklar und kündigen an, mir "Judensau" mein Maul stopfen zu wollen, vor Publikum, während ich auf der Bühne sitze”, schreibt er. „Ich bekomme Morddrohungen.”

    Nach Informationen des „Tagesspiegel” erhielt Levit Mitte November eine E-Mail, in der ein Mordanschlag bei einem konkreten Konzert angedroht wurde. Levit schaltete demnach die Polizei ein, spielte das Konzert aber trotzdem - unter Personenschutz und aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen.

    „Habe ich Angst? Ja, aber nicht um mich”, schreibt Levit weiter. „Nicht um mich, sondern um dieses Land. Mein Land. Unser Land.” Menschen würden mit Worten drangsaliert und erschossen. „Erst die Sprache, dann die Tat. Und aus den Echokammern des Netzes brandet Beifall auf. Völkischer Hass nimmt alles ins Visier, was ihm nicht passt.”

    Der 32-jährige Pianist wurde im russischen Nischni Nowgorod geboren und zog im Alter von acht Jahren mit seiner Familie nach Hannover. Bald eilte ihm der Ruf eines Wunderkinds voraus, erste Lehrerin war seine Mutter Jelena Levit, eine Opern-Korrepetitorin. Sein Studium an der Hochschule in Hannover schloss er mit der höchsten Punktzahl ab, die dort jemals erreicht wurde.

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