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    Tina Hassels bizarre Begegnungen bei Sommerinterviews

    Tina Hassel
    Tina Hassel machte beim Sommerinterview so manche spezielle Erfahrung mit Politikern wie Horst Seehofer oder Sigmar Gabriel. Die 55-Jährige ist Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios. Foto: ARD-Hauptstadtstudio, Thomas Kierok

    Das traditionelle Sommerinterview gibt es in der ARD seit 1999. Im ZDF ging das Format erstmals 1988 auf Sendung, dort macht heuer der CSU-Vorsitzende Markus Söder am 14. Juli um 19.10 Uhr den Auftakt. Im Ersten ist am 21. Juli um 18.30 Uhr FDP-Chef Christian Lindner der erste Sommerinterview-Gast. Wir sprachen mit der Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel (55), über ihre persönlichen Erfahrungen mit diesem Sendeformat.

    Frage: Frau Hassel, vor 20 Jahren starteten die Sommerinterviews im „Bericht aus Berlin“. Was ist das Besondere an diesem Polit-Talk?

    Tina Hassel: Gestartet sind diese Interviews ja, als es noch so etwas wie eine Sommerpause gab. Das ist mittlerweile nicht mehr so. Das Parlament in Berlin macht zwar nach wie vor Pause, aber die Politik geht auch im Sommer munter weiter, die hält sich nicht an den Kalender. Das Besondere an unseren Sommerinterviews ist heute wie damals, dass man in diesen 20-Minuten-Gesprächen mit Politikern Dinge viel mehr vertiefen kann, als das sonst der Fall ist. Das sind hochpolitische Interviews, was ich persönlich sehr gut finde.

    Aber es geht etwas lockerer zu, oder?

    Hassel: Klar, die Gespräche finden ja im Freien statt, mit Blick auf den Reichstag, unten auf der Spree fahren Ausflugsschiffe vorbei, und die Menschen winken und klatschen, buhen aber auch manchmal. Das ist schon eine ganz besondere Atmosphäre, und für die Politiker auch deshalb eine besondere Erfahrung, weil sie bei dieser Gelegenheit mit ganz normalen Menschen in Kontakt kommen, wenn wir vor dem Interview gemeinsam noch ein paar Schritte an der Spree entlanggehen.

    Wie finden die Politiker das?

    Hassel: Das ist ganz unterschiedlich. Horst Seehofer zum Beispiel liebt ja das Bad in der Menge und genießt diese Begegnungen. Den mussten wir manchmal schon regelrecht von den Leuten loseisen, damit wir mit unserem Interview anfangen konnten. Es gibt aber auch Personen, die davon weniger begeistert sind als er.

    Finden Sie es schade, dass Angela Merkel diesmal abgesagt hat?

    Hassel: Klar, wir hätten die Kanzlerin schon gerne da gehabt. Es hat mich aber nicht überrascht, weil sie ja eben nicht mehr Vorsitzende der CDU ist, sondern Annegret Kramp-Karrenbauer – und die werden wir im Sommerinterview befragen.

    Welche Sommergespräche sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

    Hassel: Zum Beispiel ein Interview mit Sigmar Gabriel vor vier Jahren, als er noch SPD-Chef war, das war mein erstes Sommerinterview überhaupt. Er hatte aus Zeitgründen unbedingt mittags kommen wollen, und es war knallheiß auf der Terrasse am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Deshalb wollte Gabriel seine schwarze Sonnenbrille anbehalten, damit sah er aber aus wie einer der Blues Brothers. Wir haben ihm gesagt, das geht beim besten Willen nicht, sodass er die Sonnenbrille nach einigem Hin und Her abgenommen hat und zu Beginn des Gesprächs extrem schlecht gelaunt war. Zum Glück hat er nach einer Minute den Schalter umgelegt. Es ist dann doch noch ein ganz charmantes und vor allem inhaltlich interessantes Interview dabei herausgekommen.

    In der prallen Sonne …

    Hassel: Genau, wobei auch der Wind zum Problem werden kann. Mit dem früheren SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zum Beispiel habe ich einmal ein Sommerinterview geführt, bei dem wir starke Windböen hatten. Er musste dabei ein Handmikrofon halten, weil der Mikrofonanstecker, den wir normalerweise am Jackett unserer Gäste anbringen, wegen des Windes nicht funktioniert hat.

    Seine Reaktion?

    Hassel: Das hat Schulz zunächst einmal völlig die Laune verhagelt. Das Wetter spielt bei den Sommerinterviews schon eine Rolle: Einmal mussten wir wegen einer Unwetterwarnung ein Gespräch mit der Kanzlerin ganz kurzfristig nach drinnen verlegen. Dummerweise wurde unser Fernsehstudio aber gerade renoviert, sodass wir das Interview dann in der Redaktionshalle geführt haben.

    Und was machen Sie gegen die üblichen Politiker-Sprechblasen?

    Hassel: Immer wieder nachfragen – und wenn dann trotzdem nur noch Worthülsen kommen, dann thematisiere ich es und überlasse es dem Zuschauer, sich seine eigene Meinung dazu zu bilden. Wenn man die Sprechblase nicht platzen lassen kann, muss man sie wenigstens ansprühen und dem Publikum zeigen: Mehr kommt da nicht.

    Infobox Titel

    Die Sommerinterviews von ARD und ZDF – ein Format mit Geschichte

    ARD Seit 1999 sendet „Das Erste“ im „Bericht aus Berlin“ die Reihe der ARD-Sommerinterviews. Erster Gast war Edmund Stoiber (CSU); Interviewer der Reihe: Ulrich Deppendorf und Thomas Baumann. Zwischen Juli und September, sonntags um 18.30 Uhr, werden auch dieses Jahr wieder Spitzenpolitiker interviewt. Den Auftakt macht am 21. Juli Christian Lindner (FDP), der sich den Fragen von Tina Hassel stellen wird. Die ist Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio. Hassel leitete zuvor das Washington-Studio des Senders. Sie wurde 1964 in Köln geboren, ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Berlin.

    ZDF Bereits seit 1988 gehören im ZDF die „Berlin direkt“-Sommerinterviews als fester Bestandteil zum Sommerprogramm. Das erste wurde im Rahmen der Sendung „Bonn direkt“ ausgestrahlt. Erster Gast: Hans-Jochen Vogel (SPD). Interviewer der Reihe waren, im Wechsel, Wolfgang Herles und Peter Ellgaard. Das ZDF begann seine aktuelle Interviewreihe schon am 30. Juni mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Gast von Theo Koll war. Immer sonntags um 19.10 Uhr stehen auch hier Spitzenpolitiker Rede und Antwort - das nächste Mal ist es am 14. Juli Markus Söder, der CSU-Vorsitzende. Er spricht mit Shakuntala Banerjee. (wida)Grundtext

    Halbfett: Grundtext

    Das Gespräch führte Martin Weber

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