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    Frankfurt / Main

    Die Toilette wird Hightech- und Designerprodukt

    Mischung aus Toilette und Bidet       -  Dusch-WCs sind eine Mischung aus Toilette und Bidet. Sie duschen nach dem Toilettengang den Intimbereich ab. Richtung, Stärke, sogar Massage-Art und Wassertemperatur lassen sich oft individuell regeln. Foto: Andrea Warnecke
    Dusch-WCs sind eine Mischung aus Toilette und Bidet. Sie duschen nach dem Toilettengang den Intimbereich ab. Richtung, Stärke, sogar Massage-Art und Wassertemperatur lassen sich oft individuell regeln. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

    Wir sollten über die Toilette reden. Einfach so erledigt sich das Geschäft nicht mehr. Längst haben Hersteller von Sanitäranlagen mit dem WC ein neues Lieblingsobjekt ausgemacht. Warum ausgerechnet dieses, mag man sich fragen.

    Ist es doch noch immer etwas heikel und manchmal beschämend, über die Vorlieben beim Toilettengang zu sprechen. So hörte man sogar bei den Herstellern auf der Sanitärmesse ISH immer wieder Sätze wie diesen: „Entschuldigen Sie, wenn ich hier so deutlich werden muss.”

    Stilles Örtchen mit Spa-Gefühl

    Dabei tut sich in diesem Produktbereich gerade sehr viel. Die einfache Keramikschüssel, bei der man selbst noch den Deckel schließen musste, ist längst zum schlauen Örtchen mit Spa-Gefühl geworden. Und Nutzer sollen sich - geht es nach den Sanitärfirmen - intensiver denn je mit ihrem persönlichen Wohlbefinden auf dem Klo auseinandersetzen.

    Während das für viele Deutsche und ihre europäischen Nachbarn noch immer befremdlich klingt, sind etwa Dusch-WCs in vielen Kulturkreisen, insbesondere in Japan, längst der Standard. Sie sind eine Mischung aus Toilette und Bidet. Sie duschen nach dem Toilettengang den Intimbereich ab. Richtung, Stärke, sogar Massage-Art und Temperatur des Wasserstrahls lassen sich oft individuell regeln und in Nutzerprofilen speichern. Anschließend wird noch warm geföhnt.

    Dusch-WC mit Musik und farbiger Beleuchtung?

    Seit einigen Jahren versuchen die Hersteller, auch Europa mit Dusch-WCs auszustatten - langsam mit Erfolg. „Dusch-WCs werden gekauft wie verrückt”, sagt Dennis Jäger, Chefredakteur der Fachzeitschrift „SBZ Sanitär.Heizung.Klima”. Wobei er einschränkt, dass es sich hier um Steigerungen der Verkaufszahlen auf relativ niedrigem Ausgangsniveau handelt. „Kein Anbieter legt die Zahlen offen, aber sie sind alle zufrieden.”

    Geholfen dabei hat eine Rückbesinnung auf europäisches Design. Asiatische Modelle sind häufig klobiger als die gewohnten Produkte hierzulande, und sie sind mit viel Technik ausgestattet. Sie bieten etwa Musik und farbige Beleuchtung an - das alles kam hierzulande nicht an. Inzwischen gibt es aber unauffällige Dusch-WCs, deren technischer Inhalt nicht von außen oder beim Blick ins Innere zu erahnen ist. So fahren sich Wasserhahn und Föhn nur bei Bedarf aus. „Das ist neu, und das war wichtig: Es gibt keine Kompromisse mehr beim Design der Dusch-WCs. Die Technik ist versteckt”, betont Frank Richter, CEO von Duravit.

    Auch Kauf auf Probe möglich

    Bei der Umstellung helfen Aktionen der Hersteller, berichtet Branchenkenner Jäger. So bieten manche den Kauf auf Probe an. „Die Idee ist klasse. Es ist zu erwarten, dass das viele nachmachen werden.” Ein Angebot mit Kalkül, denn fragt man Hersteller, heißt es oft: „Wer das Dusch-WC mal ausprobiert hat, will es nicht mehr missen.”

    Richter konkretisiert: Spülen ist viel hygienischer als die Säuberung mit Papier. Er vergleicht das mit dem Waschen dreckiger Hände. „Wie gut kann man Hände reinigen, indem man sie an trockenem Papier reibt? Das geht mit Wasser doch viel besser.” Allerdings ist dafür auch etwas mehr Technik im Bad nötig: Die Dusch-WCs, auch als Washlets bekannt, brauchen einen Wasser- und teils Stromanschluss.

    Mit einer App aufs Klo gehen

    Das alles lässt sich häufig über eine Fernbedienung oder über das Smartphone steuern. „Natürlich fragen sich die Menschen, muss man mit einer App aufs Klo gehen”, sagt Duravit-CEO Richter. Aber statt Zeitungen dort zu lesen, nehmen heute ja eh viele das Smartphone mit.

    Selbst wer keine Spa-Toilette möchte, wird sich beim nächsten Kauf im Handel mit Neuerungen auseinandersetzen müssen. In den vergangenen 20 Jahren - unrenovierte Badezimmer sind im Schnitt so alt - hat sich einiges getan beim Toiletten-Design. Statt Hebel oder großer Tasten finden sich für die Spülung häufig schon Selbstauslöser oder Bewegungsmelder, wie man das etwa aus öffentlichen Gebäuden kennt. Wasser-Spartasten sind Standard.

    Ideen für mehr Hygiene

    Darüber hinaus saugen moderne Toiletten auf Knopfdruck Gerüche ab, geben ein Nachtlicht ab, öffnen und schließen den Deckel berührungslos. Insbesondere die Hygiene hat die Hersteller umgetrieben: Die WCs können ihrem Besitzer ein Zeichen übermitteln, dass die Entkalkung fällig wäre. Manche halten antibakterielles Wasser zum Spülen bereit, andere haben eine besondere Glasur, die toxisch auf viele Bakterien und Keime wirkt.

    Außerdem sind moderne Schüsseln sauberer: Sie haben eine Flächenspülung, die nicht überspritzt. Ihnen fehlt meist der übliche Spülrand, so dass sich vergleichsweise wenig Ablagerungen, Keime und Bakterien ansiedeln. Oder die Glasuren sind besonders glatt mit entsprechender Wirkung. Und nicht zuletzt kann der Siphon unten breiter gestaltet sein, was dort die Wasserfläche erhöht und dadurch weniger Verschmutzung ermöglicht.

    Aber die Ideen gehen noch weiter, wenn auch meist noch in der Projektphase: Die Branche arbeitet zum Beispiel an Technologien, wodurch die Toiletten durch Urin-Analyse Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Benutzers ziehen können.

    Spülwasser weiterverwerten

    Einen ganz anderen Ansatz hat die Firma Laufen auf der Messe ISH präsentiert: Das Trenn-WC kann Urin gesondert vom Spülwasser abfangen und weiterverwerten. 90 Prozent werden zu Brauchwasser, das in den Kreislauf zurückgeführt wird. Die übrigen 10 Prozent sind Stickstoff und Phosphor, die Nährstoffe im Urin. Sie lassen sich zu Dünger verarbeiten, der in der Schweiz bereits eine Zulassung hat.

    Wichtig es aber vor allem, diesen Teil des Urins aus dem Abwasser zu filtern. Die Nährstoffe lassen sich daraus in den Kläranlagen nur teuer entfernen, und wenn dies nicht effektiv geschieht, werden Flüsse und Ozeane zunehmend geschädigt. Die Überdüngung der Gewässer sorgt etwa für übermäßiges Algenwachstum.

    Das Designstudio Eoos und das Wasserforschungsinstitut Eawag haben mit Mitteln der Bill & Melinda Gates Stiftung eine Toilette entwickelt, die in Entwicklungsländern das Problem vermeiden soll. Das WC „Save!” (zu Deutsch: Rette!) von Laufen basiert darauf. Zudem will die Firma eine entsprechende Hocktoilette entwickeln und das Design für Entwicklungsländer zur Verfügung stellen.

    Technologie der Toilette ist unsichtbar geworden

    Alle Ideen - ob das Dusch-WC, Modelle mit Heizung und auch das Trenn-WC - haben eines gemeinsam: „Der wahre Durchbruch an dieser Stelle ist, dass man die Technologie der Toilette nicht sieht”, sagte der Designer des Trenn-WCs, Harald Gründl vom Designstudio Eoos, auf der Messe ISH. Am Ende bleibt es optisch betrachtet also weiterhin bei der guten alten Schüssel. Nur weiß ist sie nicht mehr unbedingt - denn aktuell kommen schwarze Keramiken in Mode.

    Reinigung des Intimbereichs       -  Nach der Reinigung des Intimbereichs föhnen Dusch-WCs diesen trocken. Hier das Dusch-WC Sigma50 von Geberit. Foto: Andrea Warnecke
    Nach der Reinigung des Intimbereichs föhnen Dusch-WCs diesen trocken. Hier das Dusch-WC Sigma50 von Geberit. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Dusch-WC Sigma50 von Geberit       -  Dusch-WCs machen, was ihr Name schon vermuten lässt: Sie reinigen den Intimbereich mit einem Wasserstrahl. Hier das Dusch-WC Sigma50 von Geberit. Foto: Andrea Warnecke
    Dusch-WCs machen, was ihr Name schon vermuten lässt: Sie reinigen den Intimbereich mit einem Wasserstrahl. Hier das Dusch-WC Sigma50 von Geberit. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Wasserstrahl ausrichten       -  Der Wasserstrahl von Dusch-WCs lässt sich auf verschiedene Körperregionen ausrichten. Foto: Andrea Warnecke
    Der Wasserstrahl von Dusch-WCs lässt sich auf verschiedene Körperregionen ausrichten. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Trenn-WC Save!       -  Man sieht es ihm nicht an: In dem Trenn-WC Save! von Laufen steckt ein Design, dass Urin vom Spülwasser abspaltet und umweltschonend weiterverwertet. Foto: Andrea Warnecke
    Man sieht es ihm nicht an: In dem Trenn-WC Save! von Laufen steckt ein Design, dass Urin vom Spülwasser abspaltet und umweltschonend weiterverwertet. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Trenn-WC       -  In dem Trenn-WC Save! von Laufen wird der Urin durch einen gesonderten Ablauf vorne vom Spülwasser getrennt. Foto: Andrea Warnecke
    In dem Trenn-WC Save! von Laufen wird der Urin durch einen gesonderten Ablauf vorne vom Spülwasser getrennt. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Stärke und Temperatur       -  Richtung, Stärke und Temperatur des Wasserstrahls der modernen Dusch-WCs lassen sich oft individuell regeln. Foto: Andrea Warnecke
    Richtung, Stärke und Temperatur des Wasserstrahls der modernen Dusch-WCs lassen sich oft individuell regeln. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Dusch-WCs für Europa       -  Seit einigen Jahren versuchen die Hersteller, auch Europa mit Dusch-WCs auszustatten - mit langsamem Erfolg. Foto: Andrea Warnecke
    Seit einigen Jahren versuchen die Hersteller, auch Europa mit Dusch-WCs auszustatten - mit langsamem Erfolg. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Frank Richter       -  Frank Richter ist CEO von Duravit. Foto: Duravit
    Frank Richter ist CEO von Duravit. Foto: Duravit Foto: dpa
    Wasserhahn und Föhn       -  Wasserhahn und Föhn der Dusch-WCs fahren sich erst bei Nutzung aus, zuvor stecken sie - wie hier bei dem Produkt von Toto - zum Beispiel hinter Klappen. Foto: Toto
    Wasserhahn und Föhn der Dusch-WCs fahren sich erst bei Nutzung aus, zuvor stecken sie - wie hier bei dem Produkt von Toto - zum Beispiel hinter Klappen. Foto: Toto Foto: dpa
    Toiletten und Bidets in Schwarz oder Dunkelgrau       -  Neuer Trend: Toiletten und Bidets in Schwarz oder Dunkelgrau finden sich aktuell bei vielen Herstellern. Foto: Andrea Warnecke
    Neuer Trend: Toiletten und Bidets in Schwarz oder Dunkelgrau finden sich aktuell bei vielen Herstellern. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    Über Apps regulieren       -  Die Funktionen der Dusch-WCs lassen sich auch über Apps auf dem Smartphone regulieren. Foto: Andrea Warnecke
    Die Funktionen der Dusch-WCs lassen sich auch über Apps auf dem Smartphone regulieren. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa
    SensoWash Starck f von Duravit       -  Die Technologie ist von außen nicht zu sehen: Moderne Dusch-WCs haben eine an gewohnte Toiletten angepasste Optik. Das neueste Modell von Duravit, SensoWash Starck f, hat zum Beispiel den angesagten flachen Sitz. Foto: Duravit
    Die Technologie ist von außen nicht zu sehen: Moderne Dusch-WCs haben eine an gewohnte Toiletten angepasste Optik. Das neueste Modell von Duravit, SensoWash Starck f, hat zum Beispiel den angesagten flachen Sitz. Foto: Duravit Foto: dpa
    Dusch-WC AquaClean Sela von Geberit       -  Das neue Dusch-WC AquaClean Sela von Geberit wurde auf der Messe ISH in Frankfurt vorgestellt. Es hat ein puristisches Design. Die Spültechnologie, Wasser- und Stromanschluss sind versteckt in die Keramik integriert. Foto: Geberit
    Das neue Dusch-WC AquaClean Sela von Geberit wurde auf der Messe ISH in Frankfurt vorgestellt. Es hat ein puristisches Design. Die Spültechnologie, Wasser- und Stromanschluss sind versteckt in die Keramik integriert. Foto: Geberit Foto: dpa
    Dusch-WC ViClean-I 100 von Villeroy & Boch       -  Das neue Dusch-WC ViClean-I 100 von Villeroy & Boch hat eine minimalistische Optik, die Technologie ist dezent integriert. Foto: Villeroy & Boch
    Das neue Dusch-WC ViClean-I 100 von Villeroy & Boch hat eine minimalistische Optik, die Technologie ist dezent integriert. Foto: Villeroy & Boch Foto: dpa

    Von Simone A. Mayer (Text) und Andrea Warnecke (Foto), dpa

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